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Mir wurde schwarz vor Augen. Ich hatte das Gefühl in
einen tiefen Abgrund zu fallen. Jeden Moment erwartete ich,
mein Körper würde irgendwo aufschlagen und sich
in einer breiigen Masse aus Blut, Fleisch und Knochen auf
dem Boden verteilen.
„Alex“, jemand schüttelte mich.
„Alex, wach auf!“
Aus weiter Ferne tauchte Vadims Stimme auf. Er hatte sich
über mich gebeugt. Seine Hand lag an meiner Stirn.
„Alexi“, sprach er mich wieder an. Ich öffnete
die Augen, sah in sein Gesicht.
Sein Blick verriet Besorgnis. Er strich mir sanft über
den Kopf.
„Warum habt ihr mich alleine gelassen“ schrie
ich ihn an, schlug seine Hand zur Seite und richtete mich
auf.
„Was…?“
„Ihr habt mich alleine gelassen“, war ich außer
mir vor Zorn. „Ihr habt mir nicht gesagt, dass Daniel
tot ist. Ich dachte wir wären Freunde!“
Mein Atem ging stoßweise. Das Blut rauschte durch meinen
Körper. Ich sah Vadim wütend an.
„Alex…“
„Warum?“ brüllte ich ihn an.
„Alex, bitte beruhige dich!“ Seine Stimme klang
weich und mitfühlend.
Ich konnte mich nicht beruhigen. Ich kochte vor Wut, Zorn,
Verzweiflung und Trauer.
„Ihr habt mich einfach allein gelassen! Und diese Drecks-Reporterin...
Daniel ist tot und ihr habt es mir nicht gesagt. Diese Reporterin
hat es mir gesagt. Nicht ihr. Nicht du.“
Vadim hatte sich von der Bettkante hoch gedrückt. Er
stand vor mir, kam näher.
„Alex wovon redest du? Niemand ist tot. Du hast nur
schlecht geträumt!“, dabei hatte er mein Gesicht
zwischen seine Hände genommen. Widerstrebend hatte ich
es zugelassen, mir fehlte die Kraft mich zu wehren.
„Es ist alles in Ordnung.“
Ich begriff nicht. Wollte er mich nur beruhigen? Aber ich
hatte doch mit dieser Reporterin gesprochen und ich war allein
gewesen und das Telefon hatte geklingelt und…
Vadim löste seinen Griff von meinem Gesicht. Sanft streichelte
er mir durch das schweißnasse Haar.
Ich sah ihn verwirrt an.
„Glaub mir, du hast nur schlecht geträumt!“
Verstört sah ich mich um. Ich saß auf meinem Bett.
Vor dem Fenster hing eine Decke die nur notdürftig das
Tageslicht von draußen abschirmte. Mein T-Shirt war
völlig durchnässt.
Langsam kehrte ich in die Realität zurück. Ich ließ
mich zurücksinken auf das feuchte Kopfkissen. Vadim redete
beruhigend auf mich ein. Mein ganzer Körper zitterte.
„Alex, Schatz, es ist alles in Ordnung. Du bist zu Hause.
Du hast nur schlecht geträumt.“
„Alles ok?“ Timo stand im Türrahmen und sah
besorgt zu uns hin.
„Alles Ok“, antwortete Vadim an meiner Stelle.
„Schlecht geträumt!“
„Eh Alter, du machst Sachen“, Timos Stimme
war die Erleichterung deutlich anzuhören.
Ich begann zu weinen, leise, tonlos.
Vadim wischte mit seinem Daumen die Tränen fort und
seine Fingerspitzen strichen sanft über meine Wange.
„Lässt du uns allein?“, wandte er sich
an Timo. „Ich bleib bei ihm.“
„Geht klar“, antwortete Timo und ich hörte
wie die Tür geschlossen wurde.
Vadim setzte sich wieder auf die Bettkante. Er legte seine
rechte Hand auf meine Brust.
Langsam beruhigte ich mich. Das Zittern ebbte ab.
Die Bilder des Traumes rauschten noch einmal wie im Schnelldurchlauf
an meinem inneren Auge vorbei, ließen das Zittern
wieder anschwellen, schafften einen Augenblick lang wieder
diesen Raum angefüllt mit Angst, doch Vadims leise
gesprochenen Worte, ließen mich nicht wieder abtauchen.
„Ich werde dich nicht allein lassen, glaub mir.“
Ich drehte mich vom Rücken auf die Seite, zog die Knie
fast bis an die Brust. Vadim hatte legte seine Hand nun
auf meinen Rücken, strich mir sanft über den Nacken.
„Ich hol dir ein frisches T-Shirt!“
„Im Schrank, links oben“ murmelte ich dankbar.
Etwas unbeholfen zog ich das nasskalte Shirt über meinen
Kopf nachdem ich mich wieder schwerfällig aufgesetzt
hatte. Ein leichtes Frösteln schüttelte mich für
einen Augenblick, dann zog Vadim mir das trockene T-Shirt
über.
„Manchmal kannst du einem richtig Angst machen!“
„Nur manchmal?“ versuchte ich einen müden
Scherz um der Beklemmung des Augenblicks zu entgehen.
„Ganz schön oft, wenn ich genauer nachdenke.
Ganz schön oft!“ Ich war mir nicht sicher ob
er ebenfalls scherzen wollte.

Ein kurzes Lachen zuckte über sein Gesicht.
„Willst du mir alles erzählen? Deinen Traum meine
ich!“
Ich überlegte einen Augenblick.
„Nein, ich glaube nicht jetzt!“ sagte ich und
„Wer will schon einen bösen Traum füttern“,
dachte ich.
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