| Zur Antwort kam mein
Körper selbst, als mir wieder das Bild vor Augen kam,
dass ich ihn küsste. Unsere Zungen heute Morgen vereint,
vereint zu einem Liebestanz. Ich tat es sicher nicht, weil
ich geil war. Vielleicht zu einem kleinen Stück. Warum
auch nicht? Charlie ist heiß. Keine Frage. Doch was
wird jetzt?
Charlie beugte sich herunter zu mir und berührte meinen
Kopf. Ich hörte ihn an meinen Haaren riechen, er küsste
meinen Nacken und nahm mein Ohr zwischen die Lippen. Ich schloss
die Augen, genoss seine Liebkosung. Fühlten, wie sein
Atmen schwerer wurde. Charlie beugte sich noch ein Stück
weiter vor und unsere Lippen trafen sich. Sofort entsandt
ich meine Zunge und sie trafen sich draußen. Ich weiß
nicht wie lange wir küssten, wie lange unsere Lippen
miteinander spielten. Er war einfach ein zu guter Küsser
und ich, ich war zu hungrig nach Nähe. In meiner Familie
wurde immer alles geteilt. Wir waren immer gut miteinander
ausgekommen. Man kann wahrlich behaupten, dass Liebe in unserer
Familie groß geschrieben wurde. Und jetzt hatte ich
so lange niemanden mehr. Ich brauchte einfach jemanden, der
mir Nähe gab, der mir Vertrauen schenkte. Egal wer es
ist. Charlie begann mein Hemd auf zu knöpfen.
Ich wendete mich von ihm ab.
„Ich kann das nicht", flüsterte ich. Meine
Hände im Schoß auf meinen langsam hart werdenden
Schwanz gelegt, saß ich auf dem Sessel, wie ein Kind,
das beim Kekeseklauen erwischt wurde.
„Was kannst du nicht?", Charlie kam um den Sessel
herum, kniete vor mir nieder, „bin ich zu schnell?"
Ich schaute ihn an, seine Augen aufrichtig in Sorge gelegt.
Seine wundervollen Augen.
„Nein. Ich glaube ich .. Charlie, ich kann das nicht.
Ich will dich nicht ausnutzen. Ich bin so einsam. Ich will
nicht mehr alleine sein.", stotterte ich.
„Und jetzt glaubst du, dass du mich ausnutzt?",
ich nickte, „Daniel, die letzte Nacht war unbeschreiblich.
Ich fühlte mich geborgen, behütet und, na ja, ich
fühlte mich wirklich geil, wenn ich das so sagen darf.
Ich fühlte alles mögliche, aber sicher nicht, dass
du mich ausnutzt."
Ich schaute wieder zu ihm auf. Nahm meine Hand und legte
sie auf seine Wange.
„Du verstehst das nicht. Ich kann wirklich heute nicht
mit dir zusammen sein. Das verwirrt mich alles so. Ich war
noch nie .. ich habe noch nie .. und ich will nicht ..",
ich hatte vergessen was ich sagen wollte. Meine Kehle war
so trocken, zugeschnürt. Meine Hand an seiner Wange zitterte,
die Finger verloren sämtliche Wärme. Charlie lächelte
mich an. Legte seine Hand auf die meine und strich darüber.
Er kam näher an mein Gesicht, ganz dicht an mich heran.
Ich hörte auf zu Atmen. Sein Geruch war einfach überwältigend.
„Ich kann warten. Aber bitte, bitte lass es nicht zu
ende sein.", Angst. Ich hörte Angst in seiner Stimme.
„Ich habe dir versprochen, nicht mit dir zu spielen.
Das ist kein Ende. Wie kann ich etwas beenden von dem ich
nicht weiß, wie es ist? Es war schön, es ist schön.
Ich liebe deine Berührungen. Ich habe einfach Angst.
Große Angst, etwas falsch zu machen."
Charlie lachte in mein Gesicht: „Etwas falsch machen?
Da kann man nichts falsch machen. Wenn das alles ist, dann
habe keine Angst. Wir können über alles reden."
Stille. Ich sagte nichts, er schaute mich an. Unsere Lippen
so dicht beieinander. Und doch näherten sie sich nicht,
sie standen still, wie die Zeit, der Raum. Alles stand still.
„Das ist nicht alles.", wisperte ich so leise,
kaum hörbar. Doch die Stille durchbrach es , wie ein
Gewehrschuss, „Ich möchte ...", meine Stimme
stockte. Ich schaute ihn an.
„Was, Daniel?", flüsterte er zurück.
„Ich möchte dich nicht verlieren. Als Freund,
als was auch immer."
„Das wirst du nicht."

Charlie küsste mich endlich. Wo unsere Lippen so lange
so nah waren. Wieder fühlte ich ein Brennen auf den
Lippen. Keine Zunge, einfach nur unsere Lippen. Ein Kuss,
wie ihn man seiner Schwester, seiner Mutter gibt. Kein Kuss
eines Paares. Kein Kuss heißer Liebe und hoffnungsvollen
Erwartungen auf mehr. Ein simples Berühren der Lippen.
Ein Feuer auf ihnen, wie durch die Berührung einer
Brennnessel. Kurz und knapp. Und dann wieder seine Augen.
Seine unglaublich blauen Augen. Er hockte vor mir, sah in
mich und meine Seele. Sah mich nackt, so nackt. Obwohl ich
vollkommen bekleidet war, fühlte ich mich nackt. Aber
nicht schutzlos.
„Dann will ich mal ins Bett gehen. Der Tag war lang.",
sagte er, als sich unsere Lippen trennten. Das war es also,
ein Gute-Nacht-Kuss. Plötzlich fühlte ich mich
nicht nur nackt, mir war auch kalt, ich war alleine und
saß im Sessel. Charlie ging auf sein Zimmer, schloss
die Tür. Sollte ich ihm nachsehen, war noch mein letzter
Gedanke, da hörte ich auch schon, wie die Türe
ins Schloss fiel.
Einsam. Alleine. Kalt. Das war alles was ich fühlte.
Meine Lippe brannte. Vom Kuss, von der Wunde, die er mir
heute morgen zugeführt hatte. War ich zu der Zeit dumm
gewesen. Wir können über alles reden. Das hallte
in meinem Kopf hin und her.
Charlie hatte die selben Ängste, wie ich. Wie kann
ich nur hier sitzen? Ich starrte auf den Fernseher, sah
nichts, nur schwarz. Einsames, dunkles Schwarz.
Mit einem Ruck stand ich auf und lief zu seiner Zimmertüre.
Ich klopfte. Leise. So zart, dass man es nicht hörte,
wenn man schon schlief. Aber gerade laut genug, um wahrgenommen
zu werden, wenn man noch wach war.
Bitte, lass ihn noch wach sein. Und in der Tat hörte
ich ihn rufen. Ich drückte die Klinke, trat ein. Das
Wohnzimmerlicht fiel auf sein Gesicht. Er lag im Bett. Die
Decke über seine Beine gezogen, hoch zum Bauch und
schaute mich an.
„Kann ich, also ... darf ich zu dir kommen?",
stotterte ich ihn an. Was war denn mit mir los? Warum so
nervös? Ich war nie nervös. Meine Hände zitterten.
Charlie sagte nichts, nickte nur und schlug die Decke beiseite
und rutschte rüber. Er trug eine Boxer, wenigstens
das. Ich hatte so Angst, als ich näher kam und mich
aus meinen Sachen schälte. Ich hoffte, dass er liegen
blieb, hoffte, dass er mir nicht half. Das hätte ich
nicht ertragen. Das einzige, was ich wollte war, seine Wärme
zu fühlen. Zu spüren, dass er da ist. Dass ich
nicht alleine bin. Einen Freund. Niemanden, der mir half
mich auszuziehen. Darum behielt ich auch mein Shirt an.
Und die Socken. Aus irgend einem Grund behielt ich die Socken
an.
Charlies Bett war ein Doppelbett, ich hatte nur ein einfaches.
Wofür hätte ich auch ein größeres gebraucht?
Ich setzte mich auf die Kante und legte mich hin. Charlie
schlug wortlos die Decke über uns und ich lag da. Starrte
ins Dunkel und konnte meine Augen nicht schließen.
Es war Mitte Mai und mir war einfach nur kalt, trotz Decke
und der Gewissheit, dass Charlie neben mir liegt. Ich war
noch immer einsam. Fühlte mich wie eine menschliche
Insel auf einem Matratzenmeer. Ich begann zu zittern. Jedoch
traute ich mich nicht näher zu rücken. Ich hatte
Angst, dass er das als Annäherungsversuch sehen würde.
Und ich wollte heute Abend nicht, ich konnte nicht. Das
war zu viel. Auch wenn ich seit der Vorstellung wieder seinen
Schwanz lecken zu dürfen einen Steifen hatte. War ich
nicht irgendwie echt blöd?, fragte ich mich selbst.
Jetzt liegen wir hier beide nebeneinander, jeder auf einer
Hälfte, jeder für sich. Und ich verzehre mich
nach seiner Wärme, danach ihn zu fühlen zu riechen.
Nach dem Schutz vor der Einsamkeit in seinen Armen. Und
ihm ging es sicher nicht anders. Ich war dumm, das weiß
ich heute. Nur weil ich mich neben jemanden lege, will ich
noch lange nicht mit ihm schlafen.
Zum Glück war Charlie nicht zu verklemmt, wie ich.
„Magst du nicht herkommen? Du liegst da so einsam.
Und ich auch.", flüsterte er in die Nacht.
„Ich weiß nicht.", murmelte ich zurück.
„Ich fasse dich nicht an. Versprochen. Wenn du sagst
du willst das nicht, dann kann ich damit leben. Aber lass
uns hier nicht wie zwei Idioten jeder auf seiner Hälfte
daliegen."
Mit diesem Worten fühlte ich ihn zur Matratzenmitte
rutschen und ich nahm den selben Weg nur mit dem Rücken
zuerst.

Wir lagen da, Rücken an Bauch. Ich fühlte seine
Wärme. Ich fühlte meine Kälte entweichen, fühlte
mich selig und ruhig. Ich rutschte etwas tiefer, er schlang
seine arme um mich. Dann drückte ich meinen Körper
ganz eng an seinen. Ich fühlte seinen Schwanz an meinem
Po, fühlte wie hart er war. Doch ich bewegte mich nicht,
lag nur da. Fühlte mich lebendig und alles andere als
Einsam. Ich war da und ich war müde.
Bald darauf schlief ich ein. Einfacher, tiefer, dunkler Schlaf.
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