| „Ach, alles
nur heiße Luft“ stöhnte ich laut hervor und
stand auf. Nackt wie ich war zog ich mich an und Levin hatte
anscheinend nichts Besseres zu tun als mir dabei zuzusehen.
„Na, erkennst du den Arsch noch“ gab ich provozierend
von mir und drehte ihn frech in seine Richtung. „Und
ob, glaub mir, wir werden das Ding irgendwann mal für
alle Zeiten klären und dann gehst du auf allen Vieren
nach Hause, dass schwör ich dir“ drohte er, doch
ich wurde nur geil dabei. „Schnacker, bist echt `nen
Schnacker“ nuschelte ich, während ich Mühe
hatte die Jeans zu schließen. Ich gönnte mir im
Badezimmer nur eine kurze Katzentoilette ehe wir zusammen
in die Küche gingen. Es herrschte eine merkwürdige
Stimmung, denn Maike griente wie ein geschwängertes Honigkuchenpferd,
während Mama eher mürrisch dreinblickte. „Schön,
dass der Herr auch mal zum Frühstück kommt. Glaub
bloß nicht, dass das jetzt einreißt. Gottlob beginnt
ja bald wieder die Schule, also gewöhne dich erst gar
nicht daran“ keifte sie und schälte weiter ihre
Kartoffeln. Immerhin standen die Gedecke noch und so setzten
wir uns an den Tisch. „Mir fällt auf, dass du immer
sehr spät aufstehst wenn ein Freund bei dir übernachtet“
merkte Mama an und drehte sich dabei nicht einmal um. „Mammmma,
hör auf damit, ich bin alt genug. Und wenn du es genau
wissen willst haben Levin und ich es gestern Nacht getrieben
wie die Karnickel. Und wenn man so ausgepowert ist wie wir
es waren schläft man halt etwas länger“. Was
für eine Reaktion mich von meiner Mutter erwartete war
klar, aber Levin bekam seinen Mund nicht mehr zu und lief
sofort knallrot im Gesicht an. Maike lachte in einer Tour
und ließ glatt den Joghurtlöffel auf den Fußboden
fallen. „Freundchen, nicht in diesem Ton mit mir“
schimpfte Mama und fuhr sofort energisch fort: „Das
du zur Zeit mehr auf Jungs stehst kann ich gerade noch akzeptieren,
auch wenn ich hoffe, dass das nur eine vorübergehende
Erscheinung ist. Aber ich möchte hier in der Küche
keine weiteren Schweinereien hören hast du mich verstanden“.
Wow, während sie abging wie ein Orkan griff ich mir eine
Graubrotscheibe. „Mama, wir sind jung und irgendwo müssen
ja unsere Triebe bleiben“ hatte ich wie üblich
das letzte Wort. „Ich muss echt mal mit deinem Vater
reden, von mir kannst du das nicht haben“ gab sie resignierend
zurück. Maike wäre nicht meine Schwester, wenn sie
nicht auch noch etwas von sich gegeben hätte. „Na
Levin und war es schön gestern Nacht“. Mein Freund
wurde immer nervöser und stotterte geradezu: „Ja,
ähhhh ja, ähhh war ganz okay“. Dafür
handelte er sich von meiner Mutter einen ernsten Blick ein,
während Maike und ich uns nur noch anstrahlten. Um Levin
nicht noch weiter in Verlegenheit zu bringen laberten wir
wenig später über andere Dinge. Zwar räumte
ich nach dem Frühstück den Tisch ab, aber da Mama
ziemlich angefressen war nötigte sie mich die Hofeinfahrt
zu fegen. „Vielleicht kommst du da ja auf andere Gedanken“
gab sie mir noch mit auf den Weg.

Levin blieb nicht mehr lange und verabschiedete
sich von Maike in ihrem Zimmer. Als er das Haus verlassen
hatte kam er zu mir und fragte: „Geht das bei euch immer
so ab?“. Ich nickte und schwang weiter den Besen. „Sag
mal, seid ihr beiden jetzt ein Paar“ wollte ich von
ihm wissen, doch er schüttelte nur den Kopf: „Nee,
nee, wir mögen uns und wollen nur etwas Spaß zusammen
haben. Wir haben gestern lange darüber geredet und sind
beide der Meinung keine Beziehung eingehen zu wollen. Wenn
wir geil aufeinander sind treffen wir uns, ansonsten lebt
jeder sein eigenes Leben. Ich mag sie sehr und im Bett ist
sie wirklich der Hammer, aber für eine Partnerschaft
reicht das nicht aus. Sie sieht es übrigens genauso“.
Es versteht sich von selbst, dass mein Herz zu hüpfen
anfing. „Haste Bock auf Freibad oder musst du heute
noch eine andere Stute beglücken“ gab ich von mir
und Levin antwortete: „Scherzkeks, soviel poppe ich
auch nicht rum. Klar, wenn du willst treffen wir uns um 17.00
Uhr vor dem Freibad“. Er umarmte mich und radelte davon,
wobei sein süßer Knackarsch auf dem kleinen Sattel
richtig gut zur Geltung kam. Der Tag verlief ziemlich schleppend,
nichts was wirklich von Bedeutung gewesen wäre. Martin
rief irgendwann an und ich freute mich seine Stimme zu hören.
„Micha, was ist überhaupt aus der Sache mit Pascal
geworden“ wollte er beiläufig wissen und ich entgegnete:
„Nichts, er hat sich nicht mehr gemeldet, also geht
es ihm wohl gut“. „Verstehe ich nicht, aber egal,
muss er selber wissen“ knurrte Martin und erzählte
wenig später wie ein Wasserfall von Jason und sich. Ich
liebte die Stimme meines Freundes und lauschte seinen Worten,
als seien sie eine riesige Packung Walnusseiscreme, die es
zu verputzen galt. Erst in einer Woche wollte er mit seinem
Liebling zurückkommen und mir ein kleines Geschenk mitbringen
gab er mir zum Abschied noch mit. Da ich etwas in Zeitnot
war raste ich wenig später wie ein Irrer Richtung Freibad,
wo Levin schon auf mich wartete. Wie immer hatten wir tierisch
viel Spaß, auch wenn er mindestens zwei Girls vergeblich
anbaggerte. Bevor wir uns gegen 20.00 Uhr trennten meinte
er: „Ich treffe mich mit Maike erst übermorgen,
wenn du möchtest können wir gerne morgen wieder
etwas zusammen unternehmen“. Klar sagte ich zu, auch
wenn ich mir vorkam wie ein Ersatzrad im Kofferraum. Doch
ich will nicht undankbar sein, denn ich wusste, dass Levin
sehr viel Zeit mit mir verbrachte. Unsere Beziehung war natürlich
freundschaftlich und doch ging sie ein Stück darüber
hinaus. Er war zwar ein Frauenspringer und ich auf dem Schachbrett
der Gelüste ein Pferd, aber wieder gab es mir das Gefühl,
dass mehr zwischen uns laufen könnte. Doch sobald ein
Girl in der Nähe war, das ihm gefiel, zerplatzte diese
Hoffnungsblase sofort wieder.

Es passierte an diesem Abend rein gar nichts
mehr, außer das ich zweimal meinen Stahlträger
zu wanken brachte. Und natürlich musste Levin als Wichsvorlage
herhalten. Der nächste Tag verlief ähnlich langatmig.
Ich schlief bis in die Puppen ehe ich mich in der Küche
blicken ließ. Mama fand meine Bemerkung, dass ich auch
ohne einen Freund länger schlafen würde, alles andere
als passend. Zur Belohnung durfte ich am Nachmittag Rasen
mähen, dessen Anweisung ihr locker flockig von den Lippen
ging. Unser Verhältnis war geprägt von permanenten
Machtkämpfen, die meine Mutter bis zu einem gewissen
Grad auch zuließ. Aber wenn es ihr zu heikel wurde setzte
sie einfach ein Stopp und ich lief gegen die Wand. Dass sie
mir während des Rasenmähens vom Küchenfenster
aus mehrfach breit lächelnd zuwinkte störte mich
nicht wirklich. Ich liebte meine Mutter, so wie sie war. Und
es war richtig, dass sie sich nicht alles bieten ließ,
gerade weil wir viele Freiheiten genossen und sie uns an der
langen Leine aufwachsen ließ. Mit Levin hatte ich vereinbart,
das wir uns kurz vor 20.00 Uhr vor dem Kino treffen, weil
er unbedingt einen Film sehen wollte. Pünktlich wie ein
Beamter traf ich 10 Minuten später ein und bemerkte sofort,
dass er eine leichte Fahne hatte. „Hey, auf was hast
du denn getrunken“ fragte ich und Levin antwortete:
„Ach, war mit drei Kumpels den ganzen Nachmittag im
Park und wir haben zu viert eine Kiste Bier geleert“.
Levin lachte über jeden Scheiß. Mal sah eine Mädchen
total scheiße aus, weil ihr Top nicht wirklich zu ihrer
Figur passte. Dann lästerte er über irgendwelche
Typen, die so modisch gestylt waren, dass es schon wieder
abartig aussah. Als auch noch eine Taube auf die Glasüberdachung
des Kino geschissen hatte bekam er sich überhaupt nicht
mehr ein. Er war gut drauf und steckte mich damit an. Der
spannende Kinofilm „KEINOHRHASEN“ mit Till Schweiger
entpuppte sich als das krasse Gegenteil von Aktion und wilder
Verfolgungsjagd. Egal, wir hatten unseren Spaß und alles
andere war nebensächlich. Nachdem der Abspann gelaufen
war blieben wir noch eine Ewigkeit in unseren roten Kinosesseln
sitzen. Es war ein eigenartiges Gefühl mit Levin ganz
allein im Saal zu sein. Doch leider warf uns irgendwann ein
Aufpasser raus und wir setzten uns an die Bar um ein kühles
Bierchen zu killen. Plötzlich und ohne jede Geste fragte
er: „Micha, hast du Bock heute bei mir zu pennen“.
Ich hätte mir nichts dabei gedacht, wenn er nicht zu
schmunzeln angefangen hätte. Im Nachsatz meinte er, dass
er sturmfreie Bude hätte. „Kann es sein, dass du
irgendetwas im Schilde führst“ fragte ich, doch
außer einem breiten Grinsen kam nichts von ihm zurück.
Schreiben
oder lesen Sie feedback zu dieser geschichte

Autoren möchten gerne Feedback haben! Und
schreiben Sie was Ihnen an der Geschichte (nicht) gefallen
hat.
|
|