| Ich dachte mir,
meinen Baron mach ich mit einer weiteren Fortsetzung voll.

Nach einigen Sekunden – oder Stunden, wer kann das
schon so genau sagen? – lösen sich unsere Lippen
voneinander und ich sehe tief in Lukas’ Augen. Die Freude
und die Liebe, die mir da entgegenschauen hauen mich glatt
vom Hocker.
„Ich bin froh, dass wir das geklärt haben, Lukas!“
„Wenn du wüsstest, wie froh ich erst bin. Und tu’
mir einen Gefallen: Mach das nie wieder mit mir!“
Kein Versprechen, das ich meinem Schatz jetzt lieber gegeben
hätte!
„Lukas, es tut mir wirklich verdammt leid! Aber…
Ach, ich weiß auch nicht! Irgendwas war komisch. Stefan
und die ganze Sache, das war irgendwie zuviel.“
Auch Lukas hat scheinbar ein schlechtes Gewissen. „Ich
hab auch verdammt verrückte Sachen in meinem Kopf rumspuken
sehen, und auch das tut mir leid! Und hätte ich nicht
mit Anna gesprochen – ich weiß nicht, ob ich hierher
gekommen wäre; oder überhaupt zurück.“
„Du hast mit Anna gesprochen?“, hake ich jetzt
nach.
„Oh, ja. Klar, kannst du ja nicht wissen. Ich war in
einem kleinen Café in der Stadt, das gehört ihr.
Und sie hat mich auf einen Spezialkaffee eingeladen.“
„Daher auch der Rumgeschmack beim Küssen?“
„Jo, der geht voll auf Annas Kappe. Hat’s denn
geschmeckt?“, fragt Tobias lachend nach.
„Ich will mich nicht beschweren!“, antworte ich
belustigt.

Die Zeit bleibt stehen. Es könnten drei
Tage vergangen sein, ehe ich Tobias aus meiner Umarmung entlasse.
„Ich bin froh, dass wir das geklärt haben, Lukas!“
Das ist so typisch für Tobi! Kaum ist irgendwas vorbei,
hakt er es gleich komplett ab, ohne darüber nachzudenken,
dass andere eventuell was länger brauchen. Doch um den
nächsten Streit vom Zaun zu brechen ist es zu früh,
also antworte ich:
„Wenn du wüsstest, wie froh ich erst bin. Und tu’
mir einen Gefallen: Mach das nie wieder mit mir!“
Und nun ist es für uns an der Zeit, den Morgen aufzuarbeiten.
Ich erzähle, wie ich bei Anna im Café war, wie
ich den Spezialkaffee und die Spezialbehandlung von Anna bekommen
habe. Und auch Tobi hat einiges zu berichten. Scheinbar hat
Biggi ihn zu sich zitiert und ihm gehörig den Kopf gewaschen.
„Meinst du nicht auch, wir sollten unseren Wohltäterinnen
irgendwie danke sagen?“, frage ich schließlich
meinen Freund.
„Vielleicht sollten sie erstmal erfahren, dass wir uns
wieder eingekriegt haben. Was hältst du von einem Überraschungsbesuch
bei Anna mit Spezialkaffee und allem drum und dran? Und ich
ruf Biggi an und frag, ob ich sie da treffen kann. Dann wissen
die Mädels gleichzeitig bescheid und wir können
uns direkt bedanken!“
Auf was für tolle Ideen dieser Mensch doch kommt! Und
so ist ganz schnell alles abgeklärt und Tobias und ich
machen uns auf den Weg zurück in die Stadt, dieses Mal
allerdings wieder im quietschgelben Buggy. Und schon eine
halbe Stunde später betreten wir das „Papillon
Café“. Von außen sehen wir Biggi und Anna
an einem Tisch in der Ecke sitzen, beide reden angeregt, vermutlich
über unseren Morgen.
Als wir gemeinsam eintreten drehen sich die Köpfe der
Damen im Café synchron zu uns um und auf beiden Gesichtern
erscheint ein breites Grinsen.
„Ich hab dir doch gesagt, du kannst ohne deinen Tobi
gar nicht!“, freut sich Anna und auch Biggi stößt
ins gleiche Horn, als sie Tobias düster ansieht und gespielt
streng sagt: „Sei froh, dass ihr nach einer dermaßen
dämlichen Nummer noch mal so glimpflich davon gekommen
seid!“

Und wie froh wir sind! Glücklich drücke
ich Lukas’ Hand und wir küssen uns kurz. Dann setzen
wir uns zu den Frauen und erklären, was passiert ist,
nachdem wir uns von unseren jeweiligen Beraterinnen getrennt
haben.
Die Passage am See möchten die beiden ganz genau erklärt
haben.
„Wie kommt’s denn, dass ihr beide am gleichen
See ward? Es muss doch tausende solcher Orte hier in der Umgebung
geben. Ich meine, das Bergische Land hat doch dermaßen
viel Wald, dass man keine fünf Schritte gehen kann, ohne
vor einen Baum zu laufen!“, wendet Anna ein.
„Willst du’s erzählen?“, frage ich
Lukas, doch der schüttelt den Kopf.
„Nee, erklär du’s so, wie du es gestern Abend
erklärt hast!“, bittet mich mein Freund mit einem
Tränchen im Augenwinkel. Alarmiert sehen Anna und Biggi
uns an, doch unbeirrbar beginne ich mit dem Erzählen.
„Also, das war eigentlich so. Das ganze ist jetzt schon
dreieinhalb Monate her. Das muss die vorletzte Woche vor den
Sommerferien gewesen sein. Es war schon ziemlich heiß
und jede Stunde Unterricht war überflüssig. Irgendwann
hatten wir dann ne Freistunde und wir haben rumgealbert, bis
wir dann die glorreiche Idee hatten, zusammen an den See zu
fahren und übers Wochenende zu zelten. Irgendwann um
den Dreh bin ich dann auch auf die Idee gekommen, Lukas einfach
mal die Schwimmshorts wegzunehmen und ihm einen Badetanga
unterzujubeln. Ich weiß gar nicht, ob ich ihn wirklich
nur ärgern wollte. Irgendwie wusste ich da schon, dass
er nicht einfach nur ein Freund ist.
Nun ja, am See waren wir dann eben schwimmen – er im
Tanga, ich in seiner Short, und plötzlich reißt
er mir die Short runter! Und da hat er halt meine Badehose
runtergezogen und mich nackt gesehen. Allerdings war der Blick,
den er mir zuwarf, nicht unbedingt nur kumpelig zu nennen
– irgendwie gierig sah er schon aus.“
Bei diesen Worten läuft Lukas ein wenig rot an, nickt
aber grinsend.
„Auf jeden Fall hab ich ihn dann auch seiner Badekleidung
entledigt und wir waren ein bisschen schwimmen. Aber einer
der krassesten Szenen für mich war, als wir eigentlich
aus dem Wasser raus wollten. Da wackelt doch mein Schatz hier
dermaßen mit dem Hintern, dass ich eigentlich nur noch
Augen für ihn habe, wie er da im hüfthohen Wasser
steht.
Dass ich ne Latte hatte wusste er ja eh und mich überkam
es. Ich holte ihn ein und hielt ihn fest. Diesen Moment werde
ich nie vergessen! Das erste Mal, dass ich so etwas fühlte!
Es war halt total fremd für mich, immerhin hielt ich
gerade meinen besten Freund im Arm, und zwar nackt. Für
mich war es wirklich wie ein ganz neues kennen lernen. Jetzt
erst erkannte ich, wie schön Menschen sein können.“
„Ja, und für mich war es wie eine TÜV-Untersuchung
oder ne Inspektion!“, lacht Lukas auf.
„Ihr müsst euch das so vorstellen: Ich steh da
im Wasser, habe eine Latte, die sich gewaschen hat, und das
alles, wegen meinem besten Kumpel hier. Und auf einmal ruft
der „Bleib stehen!“. Zuerst dachte ich, da wär
was, doch der Satz „Es sieht so toll aus, wie du da
stehst.“ war schon toll zu hören. Noch toller war
die Untersuchung. Die ängstlichen Berührungen, die
nach und nach immer mutiger wurden und die ganze Situation
– es war überirdisch!“
„Danach kam dann erstmal Krisenstimmung auf“,
übernehme ich die Geschichte wieder. „Irgendwas
lief nämlich ganz übel schief und wir sind beide
ausgetickt, könnte man sagen. Und Lukas ist dann abgehauen,
da musste ich auch laufen gehen. Später hat Lukas mich
gefunden und wir haben uns zusammengesetzt und auf einmal
war alles wieder gut!
Ich will euch jetzt nicht mit Details auf die Nerven gehen,
aber es war einfach übel, was wir da gefühlt haben
geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Und das schönste daran
ist: Ich fühle es jeden morgen wieder, wenn Lukas mich
mit seinen verschlafenen Augen anblinzelt.“
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