| Ich hadere schon
länger mit mir, ob ich hier auch etwas von mir veröffentlichen
soll. In den SSP habe ich zwar schon ein paar meiner Geschichten
reingestellt, aber da war auch die Konkurrenz nicht so stark!
Obwohl:
So stark eigentlich schon, aber sie trat nicht so geballt
auf wie hier. Ich hoffe also, ich kann mit dem ersten Teil
einer älteren Erzählung von mir hier bestehen.
Ein paar von euch könnten sie schon kennen; denen sei
sie noch einmal ins Gedächtnis gerufen; dem Rest wünsche
ich viel Spaß beim ersten Lesen!
PS: Über Kommentare freut sich jeder Schreiberling!
Sommer, Hitze, Schule… Warum kriegen eigentlich alle
Hitzefrei, nur die Oberstufe muss im Obergeschoss unter’m
Dach vor sich hin schwitzen und völlig sinnlose Unterrichtseinheiten
über die französische Revolution über sich
ergehen lassen? Ich meine, jeder Schüler der gymnasialen
Oberstufe hat dieses Thema in seiner Schullaufbahn mindestens
zwei-, dreimal durchgekaut!
Da die Lehrer das aber scheinbar anders sehen sitze ich also
hier in der 7. Stunde und brüte vor mich hin. Ich bin
übrigens Lukas, gerade 19 Jahre alt geworden, knappe
1,85 groß, wiege dabei sportliche 76 kg, habe kurze
blondierte Haare und grüne Augen. Und ich bin schwul.
Aber das weiß aus meiner Stufe zum Glück keiner,
sonst hätte ich eine echt schwere Zeit!
Während nun also Frau Stark über den Sonnenkönig
„Louis XIV“ referiert fallen mir langsam aber
sicher die Augen zu. Die Sonne brennt durch das geöffnete
Fenster auf meinen Rücken, ein paar Schweißtropfen
rinnen an meinem Bauch herab und kitzeln mich leicht und kaum
ein kühlender Windhauch erreicht den überhitzten
Raum. Nach einem kurzen Kontrollblick erkenne ich, dass es
nicht nur mir so geht – der komplette 32köpfige
Geschichtskurs wartet sehnsüchtigst auf das Klingeln,
selbst Frau Stark lässt es an der nötigen Begeisterung
fehlen.
Dann plötzlich: Die Glocke bimmelt und alle Schüler
streben nach draußen, die Hausaufgaben werden einfach
ignoriert.
Kaum draußen angekommen ziehe ich meine Wasserflasche
aus meinem Rucksack und entleere deren Inhalt über meinem
Kopf. Diese Erfrischung ist einfach göttlich!
*Zisch!* Eine weitere Flasche wird hinter mir geöffnet,
mit einem Lächeln denke ich mir: „Da scheint noch
jemandem heiß zu sein!“ doch anstatt des erwarteten
Prustens von hinten bekomme ich die Ladung eiskaltes Mineralwasser
in den Nacken! Erschrocken zucke ich zusammen, drehe mich
um und sehe Tobias hinter mir stehen, grinsend wie ein Honigkuchenpferd.
„Na, besser jetzt?“ fragt er mich mit einem hämischen
Feixen im Gesicht.
„Ich zeig dir gleich, wonach es mir besser geht!!!“,
erwidere ich noch mühsam beherrscht, dann sprinte ich
los um ihn zu erwischen. Es geht quer über den Schulhof,
die anderen Schüler feuern uns an und bespritzen uns
beide mit ihren Wasserflaschen.
Nach und nach ist auch Tobias durchnass und sein weißes
T-Shirt wird immer durchsichtiger.
Jetzt erst fällt mir Tobias’ durchtrainierter Oberkörper
auf. Dazu noch die heiße Bewegung des unglaublich strammen
Hinterns, wie sich die einzelnen Halbkugeln im Takt der Laufschritte
heben und senken – aus meinem Kindergartenkumpel ist
ein sehr ansehnlicher Mann geworden! Und das, ohne dass ich
etwas davon mitbekommen hätte!
Mit einem verzweifelten Spurt hole ich zu ihm auf und werfe
mich auf ihn. Lachend rollen wir den Rasen hinunter, bleiben
nach Luft japsend aufeinander liegen und ich lasse mir von
Marion, einer guten Freundin, ihre große Flasche Wasser
reichen.
„Das kriegst du zurück!“, keuche ich noch
und schon ergießt sich der Inhalt der Zwei-Liter-Flasche
über Tobis Kopf.
Nachdem ich mich endlich gerächt habe entlasse ich meinen
Kumpel aus der Umklammerung und rappele mich auf. Um ihm aufzuhelfen
halte ich meine Hand hin, die Tobias auch ergreift. Aber anstatt
sich hochzuziehen zerrt er mich zurück auf den Boden,
gelangt über mich und nagelt meine Arme mit seinen Knien
am Boden fest. Aus einer seiner unergründbar tiefen Taschen
in der Baggyhose zieht er eine kleine Flasche Cola und öffnet
sie mit einem lauten Zischen. „Das wagst du nicht!“,
warne ich meinen Kontrahenten, doch ohne eine Miene zu verziehen
kippt er die klebrige Flüssigkeit über meine Brust.
Unter lautem Protest versuche ich mich zu befreien, doch ich
habe keine Chance. Das jahrelange Ringen hatte Tobias auf
genau solche Situationen vorbereitet, da hilft mein angestaubtes
Judo gar nichts!
Als die Flasche endlich leer ist steht Tobi auf, tritt schnell
drei Schritte zurück und sagt lachend: „Zwei zu
eins! Ich siege!“. Wohl oder übel muss ich mich
vorerst geschlagen geben. Geknickt antworte ich: „Tja,
Flasche leer!“. Daraufhin lachen wir beide wieder los
und gehen zurück zu den anderen, die sich in die Sonne
gefläzt haben.
Wir ernten prustendes Gelächter als wir an der Treppe
ankommen, auf der wir immer liegen, wenn wir Freistunden haben.
Nicht nur, dass wie beide bis auf die Boxershorts durchnässt
sind, unsere Shorts sind am Rücken grasgrün und
mein Muskelshirt wird von einem großen, braunen Colafleck
verziert. „Bevor ich gleich die ganze Kleberei auf der
Haut hab’ zieh’ ich mir lieber das Shirt aus!“
sag ich und setze den Plan auch gleich in die Tat um.
Einige der Mädels sehen mir verstohlen dabei zu, wie
ich das Oberteil über meinen Kopf ziehe. Ich ernte ein
paar anerkennende Blicke, Julia zwinkert mir sogar zu. Ich
lächele zurück und denke mir nur „Wenn die
wüsste…“. Dieser Gedanke lässt mich
noch breiter grinsen, aber ich spiele das Spiel gerne mit.
Endlich setze ich mich zu der Gruppe Schüler und schaue
zu Tobi auf. „Was ist los? Steht man da so bequem?“
– „Nein, nein. Ich komm ja schon!“. Doch
bevor er sich setzt zieht er sich ebenfalls oben rum aus,
schält sich richtig aus dem Stoff, der auf seinem Körper
liegt wie eine zweite Haut. Auch sein Striptease löst
bewundernde Blicke aus, auch von mir.
Sein Bauch ist total flach und er trägt ein gut ausgebildetes
Sixpack mit sich rum. Wieder sehe ich Julia lächeln,
und wieder wird ein Lächeln erwidert, allerdings in meine
Richtung!
Ich bin etwas verwirrt, lasse mir jedoch zunächst nichts
anmerken. Wir flaxen noch etwas, lassen uns die Sonne auf
den Pelz scheinen und genießen einfach die freie Zeit.
Als es dann nur noch fünf Minuten bis zur neunten Stunde
(Physik! *stöhn*) sind, kommt Fabian aus der Schule gerannt:
„Physik fällt aus! Der Schöller ist schon
vor drei Stunden nach Hause!“
„Jippie!!!“, tönt es laut aus unserer Ecke
und wir springen auf, „ab nach Hause!“
Auf dem Weg zum Parkplatz fällt mir ein, dass ich ja
gar nicht mit dem Auto da bin, denn das steht wohl verwahrt
auf dem Firmenparkplatz bei meiner Mutter, die ist damit beute
morgen gefahren, weil ich erst später zur Schule musste.
Mist!
„Hey, wo ist denn dein Auto? Oder bist DU etwa Bus gefahren?“,
fragt Tobias. „Natürlich bin ich Bus gefahren!“
antworte ich genervt. „Oder meinste, ich flieg zur Schule?!?“
– „Stimmt natürlich. Wie wär’s,
soll ich dich mitnehmen? Oder willst du lieber mit dem dreckigen
T-Shirt quer durch die Stadt gurken? Oder direkt oben ohne?“
– „Nee, nee; wär’ schon cool, wenn
du mich mitnehmen könntest.“ Also gehen wir zu
zweit zu Tobis Auto. Zunächst öffnet er das Verdeck
seines Cabrios und wir springen in den kleinen Strandbuggy;
beide natürlich noch barbrüstig. Musik laut aufgedreht,
Motor an und los geht’s.
Nach einer halben Stunde Fahrt kommen wir schließlich
an. Ich frage meinen Fahrer, ob er Lust hat, noch auf ’ne
Cola mit reinzukommen, doch er hat einen besseren Vorschlag.
„Du packst Grillzeug und Fleisch und Brot ein, ich sorg’
für die Getränke und ein Zelt und dann geht’s
runter an den See!“. So ein Vorschlag muss einfach angenommen
werden! Schnell renne ich die Treppen zu meiner Wohnung hoch
(ich wohne seit einem Jahr alleine, nachdem meine Eltern sich
haben scheiden lassen), packe den Grill, Fleisch und Brot
ein, packe schnell ein paar Sachen zusammen (zum Beispiel
Badehose, Zahnbürste, Wechselklamotten und, und, und)
und stehe bereit vor der Haustür. Nach einer Viertelstunde
höre ich das charakteristische Brummen des kleinen gelben
Buggys und der Wagen biegt in die Einfahrt ein. Schnell sind
die Sachen verladen und wir können losfahren.
Nach einer Stunde erreichen wir endlich unser Ziel –
einen wunderschön gelegenen Waldsee abseits jeglicher
Zivilisation. Ohne den geländegängigen Buggy hätten
wir diesen Ort nie erreicht, selbst Angler verirren sich nur
selten hierher.
„Bau du das Zelt auf, ich feuere schon mal den Grill
an!“, weise ich Tobi an. Der packt auch artig alle Sachen
zusammen und macht sich an seine Aufgabe. Während er
also mit Stangen und Zeltplanen kämpft zünde ich
gemütlich die Holzkohle an und sehe zu, wie der planlose
Tobi langsam verzweifelt. Doch kaum habe ich die Würstchen
auf den Grill gelegt und ein verführerischer Duft erfüllt
die Luft, da fällt es dem verzweifelten Freizeitcamper
ganz leicht, jedes Teil an seinen Platz zu bringen. Als das
Zelt steht räumt er gleich auch noch unsere Taschen rein
und packt ein paar Sachen aus, damit sie in den Sporttaschen
nicht total zerknittern.
Zum Abendessen gibt es frische Grillwürstchen und dazu
ein kühles Kölsch – der perfekte Männerabend!
Nach dem Essen mache ich dann den Vorschlag, noch eine Runde
schwimmen zu gehen. Begeistert stimmt Tobi zu, setzt dabei
aber ein verräterisches Grinsen auf. Ich gehe zum Zelt
um meine Badeshorts zu holen, kann sie jedoch plötzlich
nicht mehr finden! Zu Tobi gewandt frage ich: „Du hast
doch die Sachen ausgepackt. Hast du dabei meine Badehose gesehen?“
– „Nö. Bist du sicher, dass du sie eingepackt
hast?“ – „’türlich! Ich gehe
doch nie ohne Badeshorts an den See!“ – „Sorry,
ich hab sie nicht. Aber wenn du willst kannst du eine meiner
Badehosen haben, ich hab zwei mit!“ Zum Glück!
Doch meine Erleichterung kam etwas zu früh. Denn anstatt
zwei Bermudashorts auszupacken hält Tobi zwei enge Speedos
in der Hand, beide zusammengeknüllt. „Du hast die
Wahl!“, strahlt er mich an, „Rot oder blau?“.
Etwas geschockt irren meine Blicke zwischen den Höschen
hin und her. Dabei macht sich ein Gedanke in meinem Kopf breit:
Gleich sehe ich Tobi in einer unheimlich knappen Badehose!
Welche der beiden Hosen wohl die engere ist?
Aufs Geratewohl entscheide ich mich für Rot. „Sicher?“
– „Klar! Und nun gib schon her!“
Tobias’ Grinsen wird noch breiter und er reicht mir
das Stückchen Stoff herüber. Als ich die Badehose
endlich in der Hand habe und ausbreite erkenne ich, dass ich
ausgerechnet die Hose mit String erwischt habe. Ein fragender
Blick zu meinem Kumpel doch der ist schon hinter dem Zelt
verschwunden. „Ich muss nur schnell für kleine
Königstiger – kannst schon mal ins Wasser springen!“
Also gut; schnell in den Badetanga geschlüpft und ab
ins kühle Nass.
Beim Tauchen höre ich ein Platschen und weiß, dass
wir jetzt zu zweit im Wasser sind. Ich tauche auf, suche die
Wasseroberfläche nach Tobias ab, sehe jedoch nur die
letzten kleinen Wellen, die sein Sprung in den See hervorgerufen
hat. Auf einmal packt mich eine Hand von unten und zieht mich
unter Wasser. Sofort greife ich nach unten, erwische Tobi
am Arm und drücke ihn ebenfalls unter. So geht das eine
ganze Weile, bis wir beide außer Puste in Richtung Ufer
schwimmen um uns erstmal ein weiteres Bier zu genehmigen.
Im flachen Wasser erkenne ich, dass Tobi nicht die blaue Badehose
trägt, sondern meine Badeshorts!

Empört rufe ich: „Hab ich’s
doch gewusst! Du hattest doch meine Badehose!“ Worauf
der Angeklagte nur erwidert: „Klar! Aber ich finde,
mir steht sie besser!“, und mich unverschämt anfeixt.
„Außerdem siehst du in dem roten Tanga auch nicht
schlecht aus!“ Das setzt dem ganzen doch die Krone auf!
Ich stürze mich auf den Dieb und reiße ihm die
Shorts runter. Da es meine ist weiß ich nämlich,
dass man die Kordel nicht richtig fest schnüren kann
und deshalb mit den Knöpfen festmachen muss; Tobi wusste
das bis dato nicht!
Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, unter seiner Bermudashorts
noch eine engere Badehose zu tragen, ist er heute komplett
nackt und ich sehe zum ersten Mal die witzige Intimfrisur
meines langjährigen Kumpels. Vom Bauchnabel aus geht
ein feiner Streifen Haare runter, der am unteren Ende zu einem
Pfeil wird, der auf die Kronjuwelen deutet.
Ich lache auf. „Schicker Haarschnitt!“ –
„Hey, lass die Hose los! Oder ich muss es dir heimzahlen!“.
Langsam läuft Tobi rot an. „Was stierst du mich
denn so an, he? Noch nie Sackhaare gesehen?“ –
„Sackhaare? Klar, hab ich schon gesehen, aber du hast
ja keine mehr!“ Ich lache weiter, der Gesichtsausdruck
des Kleinen ist aber auch einfach zum Schießen!
„Entweder, du gibst mir sofort die Badeshorts wieder
oder du musst dich auch ausziehen!“ fordert der unterlegene
Tobias. „Ich bin doch eigentlich schon nackt!“
erwidere ich. „Du hättest es ja anders haben können.“
– „Aber dann hätte ich dich vermutlich nie
in diesem heißen Tanga gesehen. Den habe ich doch extra
für so eine Gelegenheit gekauft!“
Dieses Geständnis überrascht mich jetzt wirklich
und dadurch bin ich einen Moment abgelenkt. Diese Unachtsamkeit
nutzt Tobi schamlos aus und schon sitze ich ebenfalls unbekleidet
da. Ich komme an keine der Badehosen ran, beide wurden ans
Ufer geschmissen und liegen vor dem Grill, also in etwa zwanzig
Metern Entfernung.
„Damit steht’s jetzt Drei zu Zwei!“, ruft
Tobias und springt wieder in die Fluten. Ich springe hinterher,
tauche jedoch direkt unter. Wollen doch mal sehen, wer hier
wen schlägt! Von unten tauche ich an Tobi heran, der
sich hektisch hin und her dreht und mich sucht. Als ich nahe
genug heran bin kneife ich ihn in den festen Hintern, schwimme
jedoch gleich wieder ein paar Züge davon und tauche auf.
„Igitt! Da war ein Fisch an meinem Hintern!“ –
„Nein, wirklich?!?“ – „Ja! Ein Fisch,
der gern rote Tangas trägt!“ So ein Fisch bin ich
also, denke ich mir. Wieder tauche ich ab, schwimme in Tobias’
Richtung. Doch als ich an dem anvisierten Punkt ankomme ist
kein Tobias mehr da und in der grünen Brühe erkennt
man auch nichts, was mehr als zwei Meter entfernt ist. Da
erwischt der Tobi-Fisch mich von unten, streichelt mir an
den Innenseiten der Oberschenkel entlang. Fast augenblicklich
beginnt der kleine Lukas sich aufzurichten. Zum Glück
sieht man davon unter Wasser nichts!
Doch meine Erregung bleibt nicht lange unentdeckt. Als Tobi
ganz nah unter mir wegtaucht streift meine Latte quer über
seinen Rücken. Prustend taucht Tobias auf, schüttelt
sich das strohblonde Haar aus der Stirn und sieht mich mit
seinen unendlich blauen Augen an.
„Pass auf wo du lang schwimmst, im Wasser treiben Äste!“,
lächelt er mich an. Knallrot kann ich nur antworten:
„Klar, ich geb’ Acht!“ Dass mir das ausgerechnet
bei ihm passieren muss! Wir waren unser ganzes Leben lang
wie Brüder gewesen! Aber da es jetzt schon passiert war
konnte ich die Situation nur überspielen und weiter machen
wie bisher. Ich kraule also auf Tobi zu, tauche im letzten
Moment unter und drehe mich auf den Rücken, achte jedoch
darauf, dass der „Ast“ nicht schon wieder irgendetwas
streift. Auf dem Rücken tauchend fahre ich mit den Händen
an Tobias Seiten entlang und kitzle ihn, solange ich die Luft
anhalten kann. Während des Auftauchens streift mein erigierter
Schwanz doch wieder etwas, obwohl ich so aufgepasst hatte!
Doch dann wird mir klar, was ich da gerade mit meinem Prügel
berührt hatte – Tobi hatte jetzt auch eine Latte!
Nach Luft schnappend schnelle ich aus dem Wasser, drehe mich
um und sehe Tobias an. „Zeit für ein letztes Sonnenbad?
Bevor die Sonne ganz weg ist.“ – „Ok, aber
ich bleibe noch ein paar Minütchen im Wasser!“
– „Ach Quark, ich geh doch auch mit Latte aus
dem Wasser!“.
Zunächst scheinbar widerwillig, dann aber doch mit glänzenden
Augen folgt mir mein Kumpel aus dem Wasser. Als mir das Wasser
nur noch bis zur Hüfte reicht höre ich von hinten
nur ein „Bleib mal genau so stehen!“. Etwas perplex
frage ich „Warum? Ist da irgendwas?“ – „Nein,
nein! Aber es sieht unheimlich toll aus, wie die Wellen an
deinen Hüften brechen und ein grüner Schatten über
deinen Hintern spielt!“ Jetzt bin ich erst recht perplex,
bleibe aber stehen und harre der Dinge, die da kommen mögen.
Und die lassen auch nicht lange auf sich warten; Tobias tritt
von hinten an mich heran, streichelt mir über die Backen,
gleitet mit seinen Händen an meinem Rücken herauf,
stockt an den Schultern und fährt dann mit seinen Händen
an meinen Seiten wieder herab. Auf jeder Rippe bleibt er kurz
stehen, tippt mit der Fingerspitze darauf als würde er
zählen. Als er zu einem scheinbar zufrieden stellenden
Ergebnis kommt führt er seine Hände nach vorn, verfolgt
die Konturen meiner Bauchmuskulatur und taucht mit dem Zeigefinger
in meinen Bauchnabel ein, was mir ein kurzes Auflachen entlockt.
Auch diese Inspektion scheine ich zu bestehen, denn schon
bald begeben sich die warmen Hände meines Hintermannes
wieder auf Wanderschaft, eine Gänsehaut hinterlassend
bewegen sie sich nach oben und Tobias’ starke Arme umschließen
meine Schultern und Brust. Mit einem sanften Ruck zieht er
mich nach hinten in eine Umarmung, aus der ich mich nie wieder
lösen möchte. Glücklich lächele ich –
über das tolle Gefühl, aber auch über diese
abstrakte Situation. Zwei junge Männer, beide nicht hässlich,
stehen mit aufgerichtetem Fahnenmast bis zur Hüfte in
einem See, halten sich in den Armen und bewegen sich so gut
wie gar nicht.
Auch das Schicksal scheint das paradoxe an der Situation erkannt
zu haben, denn es wendet sich gegen uns. Eine besonders hohe
Welle umspült uns plötzlich und bringt einen Schwall
sehr kalten Wassers aus den tieferen Regionen des Sees mit
sich. Von jetzt auf gleich aus der glückseligen Paralyse
gerissen, die uns umfangen hatte, lässt Tobias mich los,
stößt mich fast von sich und genauso schnell wie
der Augenblick verflog hatten sich auch unsere Schwänze
wieder in Schwänzchen verwandelt.
Unsicher geworden durch sein eigenes Verhalten stürzt
Tobi an mir vorbei aus dem Wasser, sprintet ins Zelt und rubbelt
sich trocken. Sofort danach zieht er sich einen Trainingsanzug
über – das alles so schnell, dass ich noch nicht
einmal das Wasser verlassen konnte.
Durch den plötzlichen Sinneswandel meines Freundes ebenfalls
total beunruhigt entsteige ich dem See, trockne mich ab und
frage mich, was da gerade falsch gelaufen war.
Wie um seine Unsicherheit zu überspielen fragt mich mein
Begleiter betont lässig, ob ich noch ein Bier haben wolle.
Genauso betont lässig erkundige ich mich nach eventuell
vorhandenem, härterem Alkohol, damit möchte ich
wohl am ehesten meine Enttäuschung verbergen. Diese Gegenfrage
wird bejaht und Tobias hält eine Flasche Berentzen Apfelkorn
in der Hand – unseren Lieblingsschnaps, den wir zu jeder
möglichen und unmöglichen Gelegenheit brüderlich
teilten.
Passend zur mittlerweile vorgerückten Stunde suchen wir
Feuerholz zusammen und entzünden ein Lagerfeuer. Allerdings
bin ich immer noch nicht ganz bei der Sache, so dass Tobias
mich bald fragt, was denn los sei.
„Was war gerade eben los, das würde mich viel mehr
interessieren!“, kann ich nur mühsam hervorbringen.
Um meine Tränen zu verstecken, die ich schon länger
unterdrücke, nehme ich einen tiefen Schluck aus der Flasche
Bier, die ich mir zwischenzeitlich genehmigt habe. „Gerade
eben? Wir waren schwimmen, sonst war doch eigentlich nix.
Ok, der Gag mit den Badehosen war cool, das war’s aber
auch schon wieder.“ – „Ach so, das war’s
auch schon wieder“, presse ich zwischen meinen Lippen
hervor, „Und der Gag war toll. Is’ klar!“

Selbst mich überrascht meine abweisende
Reaktion. Ich konnte doch nicht wirklich gedacht haben, Tobi
sei ebenfalls schwul! Er wusste doch nicht einmal von mir!
Und dass ich so übel verschossen bin in den jungen Blondschopf,
das war mir auch nie klar gewesen. Jetzt muss ich einfach
weg, irgendwohin, wo ich in Ruhe eine rauchen kann und meine
Gedanken wieder ordnen. Wortlos erhebe ich mich vom Feuer,
schnappe mir meine Zigaretten und die Flasche Berentzen und
entferne mich vom Lagerplatz. Um mich herum gibt es nur noch
Wald, Wildnis, Wasser und mein Weinen.
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