+++ Hitzefrei +++

By : Saruman © - Source : Mit Glied ®


Ich hadere schon länger mit mir, ob ich hier auch etwas von mir veröffentlichen soll. In den SSP habe ich zwar schon ein paar meiner Geschichten reingestellt, aber da war auch die Konkurrenz nicht so stark! Obwohl: So stark eigentlich schon, aber sie trat nicht so geballt auf wie hier. Ich hoffe also, ich kann mit dem ersten Teil einer älteren Erzählung von mir hier bestehen.
Ein paar von euch könnten sie schon kennen; denen sei sie noch einmal ins Gedächtnis gerufen; dem Rest wünsche ich viel Spaß beim ersten Lesen!

PS: Über Kommentare freut sich jeder Schreiberling!

Sommer, Hitze, Schule… Warum kriegen eigentlich alle Hitzefrei, nur die Oberstufe muss im Obergeschoss unter’m Dach vor sich hin schwitzen und völlig sinnlose Unterrichtseinheiten über die französische Revolution über sich ergehen lassen? Ich meine, jeder Schüler der gymnasialen Oberstufe hat dieses Thema in seiner Schullaufbahn mindestens zwei-, dreimal durchgekaut!
Da die Lehrer das aber scheinbar anders sehen sitze ich also hier in der 7. Stunde und brüte vor mich hin. Ich bin übrigens Lukas, gerade 19 Jahre alt geworden, knappe 1,85 groß, wiege dabei sportliche 76 kg, habe kurze blondierte Haare und grüne Augen. Und ich bin schwul. Aber das weiß aus meiner Stufe zum Glück keiner, sonst hätte ich eine echt schwere Zeit!
Während nun also Frau Stark über den Sonnenkönig „Louis XIV“ referiert fallen mir langsam aber sicher die Augen zu. Die Sonne brennt durch das geöffnete Fenster auf meinen Rücken, ein paar Schweißtropfen rinnen an meinem Bauch herab und kitzeln mich leicht und kaum ein kühlender Windhauch erreicht den überhitzten Raum. Nach einem kurzen Kontrollblick erkenne ich, dass es nicht nur mir so geht – der komplette 32köpfige Geschichtskurs wartet sehnsüchtigst auf das Klingeln, selbst Frau Stark lässt es an der nötigen Begeisterung fehlen.
Dann plötzlich: Die Glocke bimmelt und alle Schüler streben nach draußen, die Hausaufgaben werden einfach ignoriert.
Kaum draußen angekommen ziehe ich meine Wasserflasche aus meinem Rucksack und entleere deren Inhalt über meinem Kopf. Diese Erfrischung ist einfach göttlich!
*Zisch!* Eine weitere Flasche wird hinter mir geöffnet, mit einem Lächeln denke ich mir: „Da scheint noch jemandem heiß zu sein!“ doch anstatt des erwarteten Prustens von hinten bekomme ich die Ladung eiskaltes Mineralwasser in den Nacken! Erschrocken zucke ich zusammen, drehe mich um und sehe Tobias hinter mir stehen, grinsend wie ein Honigkuchenpferd. „Na, besser jetzt?“ fragt er mich mit einem hämischen Feixen im Gesicht.
„Ich zeig dir gleich, wonach es mir besser geht!!!“, erwidere ich noch mühsam beherrscht, dann sprinte ich los um ihn zu erwischen. Es geht quer über den Schulhof, die anderen Schüler feuern uns an und bespritzen uns beide mit ihren Wasserflaschen.
Nach und nach ist auch Tobias durchnass und sein weißes T-Shirt wird immer durchsichtiger.
Jetzt erst fällt mir Tobias’ durchtrainierter Oberkörper auf. Dazu noch die heiße Bewegung des unglaublich strammen Hinterns, wie sich die einzelnen Halbkugeln im Takt der Laufschritte heben und senken – aus meinem Kindergartenkumpel ist ein sehr ansehnlicher Mann geworden! Und das, ohne dass ich etwas davon mitbekommen hätte!
Mit einem verzweifelten Spurt hole ich zu ihm auf und werfe mich auf ihn. Lachend rollen wir den Rasen hinunter, bleiben nach Luft japsend aufeinander liegen und ich lasse mir von Marion, einer guten Freundin, ihre große Flasche Wasser reichen.
„Das kriegst du zurück!“, keuche ich noch und schon ergießt sich der Inhalt der Zwei-Liter-Flasche über Tobis Kopf.
Nachdem ich mich endlich gerächt habe entlasse ich meinen Kumpel aus der Umklammerung und rappele mich auf. Um ihm aufzuhelfen halte ich meine Hand hin, die Tobias auch ergreift. Aber anstatt sich hochzuziehen zerrt er mich zurück auf den Boden, gelangt über mich und nagelt meine Arme mit seinen Knien am Boden fest. Aus einer seiner unergründbar tiefen Taschen in der Baggyhose zieht er eine kleine Flasche Cola und öffnet sie mit einem lauten Zischen. „Das wagst du nicht!“, warne ich meinen Kontrahenten, doch ohne eine Miene zu verziehen kippt er die klebrige Flüssigkeit über meine Brust. Unter lautem Protest versuche ich mich zu befreien, doch ich habe keine Chance. Das jahrelange Ringen hatte Tobias auf genau solche Situationen vorbereitet, da hilft mein angestaubtes Judo gar nichts!
Als die Flasche endlich leer ist steht Tobi auf, tritt schnell drei Schritte zurück und sagt lachend: „Zwei zu eins! Ich siege!“. Wohl oder übel muss ich mich vorerst geschlagen geben. Geknickt antworte ich: „Tja, Flasche leer!“. Daraufhin lachen wir beide wieder los und gehen zurück zu den anderen, die sich in die Sonne gefläzt haben.
Wir ernten prustendes Gelächter als wir an der Treppe ankommen, auf der wir immer liegen, wenn wir Freistunden haben. Nicht nur, dass wie beide bis auf die Boxershorts durchnässt sind, unsere Shorts sind am Rücken grasgrün und mein Muskelshirt wird von einem großen, braunen Colafleck verziert. „Bevor ich gleich die ganze Kleberei auf der Haut hab’ zieh’ ich mir lieber das Shirt aus!“ sag ich und setze den Plan auch gleich in die Tat um.
Einige der Mädels sehen mir verstohlen dabei zu, wie ich das Oberteil über meinen Kopf ziehe. Ich ernte ein paar anerkennende Blicke, Julia zwinkert mir sogar zu. Ich lächele zurück und denke mir nur „Wenn die wüsste…“. Dieser Gedanke lässt mich noch breiter grinsen, aber ich spiele das Spiel gerne mit.
Endlich setze ich mich zu der Gruppe Schüler und schaue zu Tobi auf. „Was ist los? Steht man da so bequem?“ – „Nein, nein. Ich komm ja schon!“. Doch bevor er sich setzt zieht er sich ebenfalls oben rum aus, schält sich richtig aus dem Stoff, der auf seinem Körper liegt wie eine zweite Haut. Auch sein Striptease löst bewundernde Blicke aus, auch von mir.
Sein Bauch ist total flach und er trägt ein gut ausgebildetes Sixpack mit sich rum. Wieder sehe ich Julia lächeln, und wieder wird ein Lächeln erwidert, allerdings in meine Richtung!
Ich bin etwas verwirrt, lasse mir jedoch zunächst nichts anmerken. Wir flaxen noch etwas, lassen uns die Sonne auf den Pelz scheinen und genießen einfach die freie Zeit. Als es dann nur noch fünf Minuten bis zur neunten Stunde (Physik! *stöhn*) sind, kommt Fabian aus der Schule gerannt: „Physik fällt aus! Der Schöller ist schon vor drei Stunden nach Hause!“
„Jippie!!!“, tönt es laut aus unserer Ecke und wir springen auf, „ab nach Hause!“
Auf dem Weg zum Parkplatz fällt mir ein, dass ich ja gar nicht mit dem Auto da bin, denn das steht wohl verwahrt auf dem Firmenparkplatz bei meiner Mutter, die ist damit beute morgen gefahren, weil ich erst später zur Schule musste. Mist!
„Hey, wo ist denn dein Auto? Oder bist DU etwa Bus gefahren?“, fragt Tobias. „Natürlich bin ich Bus gefahren!“ antworte ich genervt. „Oder meinste, ich flieg zur Schule?!?“ – „Stimmt natürlich. Wie wär’s, soll ich dich mitnehmen? Oder willst du lieber mit dem dreckigen T-Shirt quer durch die Stadt gurken? Oder direkt oben ohne?“ – „Nee, nee; wär’ schon cool, wenn du mich mitnehmen könntest.“ Also gehen wir zu zweit zu Tobis Auto. Zunächst öffnet er das Verdeck seines Cabrios und wir springen in den kleinen Strandbuggy; beide natürlich noch barbrüstig. Musik laut aufgedreht, Motor an und los geht’s.
Nach einer halben Stunde Fahrt kommen wir schließlich an. Ich frage meinen Fahrer, ob er Lust hat, noch auf ’ne Cola mit reinzukommen, doch er hat einen besseren Vorschlag. „Du packst Grillzeug und Fleisch und Brot ein, ich sorg’ für die Getränke und ein Zelt und dann geht’s runter an den See!“. So ein Vorschlag muss einfach angenommen werden! Schnell renne ich die Treppen zu meiner Wohnung hoch (ich wohne seit einem Jahr alleine, nachdem meine Eltern sich haben scheiden lassen), packe den Grill, Fleisch und Brot ein, packe schnell ein paar Sachen zusammen (zum Beispiel Badehose, Zahnbürste, Wechselklamotten und, und, und) und stehe bereit vor der Haustür. Nach einer Viertelstunde höre ich das charakteristische Brummen des kleinen gelben Buggys und der Wagen biegt in die Einfahrt ein. Schnell sind die Sachen verladen und wir können losfahren.
Nach einer Stunde erreichen wir endlich unser Ziel – einen wunderschön gelegenen Waldsee abseits jeglicher Zivilisation. Ohne den geländegängigen Buggy hätten wir diesen Ort nie erreicht, selbst Angler verirren sich nur selten hierher.
„Bau du das Zelt auf, ich feuere schon mal den Grill an!“, weise ich Tobi an. Der packt auch artig alle Sachen zusammen und macht sich an seine Aufgabe. Während er also mit Stangen und Zeltplanen kämpft zünde ich gemütlich die Holzkohle an und sehe zu, wie der planlose Tobi langsam verzweifelt. Doch kaum habe ich die Würstchen auf den Grill gelegt und ein verführerischer Duft erfüllt die Luft, da fällt es dem verzweifelten Freizeitcamper ganz leicht, jedes Teil an seinen Platz zu bringen. Als das Zelt steht räumt er gleich auch noch unsere Taschen rein und packt ein paar Sachen aus, damit sie in den Sporttaschen nicht total zerknittern.
Zum Abendessen gibt es frische Grillwürstchen und dazu ein kühles Kölsch – der perfekte Männerabend! Nach dem Essen mache ich dann den Vorschlag, noch eine Runde schwimmen zu gehen. Begeistert stimmt Tobi zu, setzt dabei aber ein verräterisches Grinsen auf. Ich gehe zum Zelt um meine Badeshorts zu holen, kann sie jedoch plötzlich nicht mehr finden! Zu Tobi gewandt frage ich: „Du hast doch die Sachen ausgepackt. Hast du dabei meine Badehose gesehen?“ – „Nö. Bist du sicher, dass du sie eingepackt hast?“ – „’türlich! Ich gehe doch nie ohne Badeshorts an den See!“ – „Sorry, ich hab sie nicht. Aber wenn du willst kannst du eine meiner Badehosen haben, ich hab zwei mit!“ Zum Glück!
Doch meine Erleichterung kam etwas zu früh. Denn anstatt zwei Bermudashorts auszupacken hält Tobi zwei enge Speedos in der Hand, beide zusammengeknüllt. „Du hast die Wahl!“, strahlt er mich an, „Rot oder blau?“. Etwas geschockt irren meine Blicke zwischen den Höschen hin und her. Dabei macht sich ein Gedanke in meinem Kopf breit: Gleich sehe ich Tobi in einer unheimlich knappen Badehose! Welche der beiden Hosen wohl die engere ist?
Aufs Geratewohl entscheide ich mich für Rot. „Sicher?“ – „Klar! Und nun gib schon her!“
Tobias’ Grinsen wird noch breiter und er reicht mir das Stückchen Stoff herüber. Als ich die Badehose endlich in der Hand habe und ausbreite erkenne ich, dass ich ausgerechnet die Hose mit String erwischt habe. Ein fragender Blick zu meinem Kumpel doch der ist schon hinter dem Zelt verschwunden. „Ich muss nur schnell für kleine Königstiger – kannst schon mal ins Wasser springen!“ Also gut; schnell in den Badetanga geschlüpft und ab ins kühle Nass.
Beim Tauchen höre ich ein Platschen und weiß, dass wir jetzt zu zweit im Wasser sind. Ich tauche auf, suche die Wasseroberfläche nach Tobias ab, sehe jedoch nur die letzten kleinen Wellen, die sein Sprung in den See hervorgerufen hat. Auf einmal packt mich eine Hand von unten und zieht mich unter Wasser. Sofort greife ich nach unten, erwische Tobi am Arm und drücke ihn ebenfalls unter. So geht das eine ganze Weile, bis wir beide außer Puste in Richtung Ufer schwimmen um uns erstmal ein weiteres Bier zu genehmigen. Im flachen Wasser erkenne ich, dass Tobi nicht die blaue Badehose trägt, sondern meine Badeshorts!

Empört rufe ich: „Hab ich’s doch gewusst! Du hattest doch meine Badehose!“ Worauf der Angeklagte nur erwidert: „Klar! Aber ich finde, mir steht sie besser!“, und mich unverschämt anfeixt. „Außerdem siehst du in dem roten Tanga auch nicht schlecht aus!“ Das setzt dem ganzen doch die Krone auf! Ich stürze mich auf den Dieb und reiße ihm die Shorts runter. Da es meine ist weiß ich nämlich, dass man die Kordel nicht richtig fest schnüren kann und deshalb mit den Knöpfen festmachen muss; Tobi wusste das bis dato nicht!
Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, unter seiner Bermudashorts noch eine engere Badehose zu tragen, ist er heute komplett nackt und ich sehe zum ersten Mal die witzige Intimfrisur meines langjährigen Kumpels. Vom Bauchnabel aus geht ein feiner Streifen Haare runter, der am unteren Ende zu einem Pfeil wird, der auf die Kronjuwelen deutet.
Ich lache auf. „Schicker Haarschnitt!“ – „Hey, lass die Hose los! Oder ich muss es dir heimzahlen!“. Langsam läuft Tobi rot an. „Was stierst du mich denn so an, he? Noch nie Sackhaare gesehen?“ – „Sackhaare? Klar, hab ich schon gesehen, aber du hast ja keine mehr!“ Ich lache weiter, der Gesichtsausdruck des Kleinen ist aber auch einfach zum Schießen!
„Entweder, du gibst mir sofort die Badeshorts wieder oder du musst dich auch ausziehen!“ fordert der unterlegene Tobias. „Ich bin doch eigentlich schon nackt!“ erwidere ich. „Du hättest es ja anders haben können.“ – „Aber dann hätte ich dich vermutlich nie in diesem heißen Tanga gesehen. Den habe ich doch extra für so eine Gelegenheit gekauft!“
Dieses Geständnis überrascht mich jetzt wirklich und dadurch bin ich einen Moment abgelenkt. Diese Unachtsamkeit nutzt Tobi schamlos aus und schon sitze ich ebenfalls unbekleidet da. Ich komme an keine der Badehosen ran, beide wurden ans Ufer geschmissen und liegen vor dem Grill, also in etwa zwanzig Metern Entfernung.
„Damit steht’s jetzt Drei zu Zwei!“, ruft Tobias und springt wieder in die Fluten. Ich springe hinterher, tauche jedoch direkt unter. Wollen doch mal sehen, wer hier wen schlägt! Von unten tauche ich an Tobi heran, der sich hektisch hin und her dreht und mich sucht. Als ich nahe genug heran bin kneife ich ihn in den festen Hintern, schwimme jedoch gleich wieder ein paar Züge davon und tauche auf. „Igitt! Da war ein Fisch an meinem Hintern!“ – „Nein, wirklich?!?“ – „Ja! Ein Fisch, der gern rote Tangas trägt!“ So ein Fisch bin ich also, denke ich mir. Wieder tauche ich ab, schwimme in Tobias’ Richtung. Doch als ich an dem anvisierten Punkt ankomme ist kein Tobias mehr da und in der grünen Brühe erkennt man auch nichts, was mehr als zwei Meter entfernt ist. Da erwischt der Tobi-Fisch mich von unten, streichelt mir an den Innenseiten der Oberschenkel entlang. Fast augenblicklich beginnt der kleine Lukas sich aufzurichten. Zum Glück sieht man davon unter Wasser nichts!
Doch meine Erregung bleibt nicht lange unentdeckt. Als Tobi ganz nah unter mir wegtaucht streift meine Latte quer über seinen Rücken. Prustend taucht Tobias auf, schüttelt sich das strohblonde Haar aus der Stirn und sieht mich mit seinen unendlich blauen Augen an.
„Pass auf wo du lang schwimmst, im Wasser treiben Äste!“, lächelt er mich an. Knallrot kann ich nur antworten: „Klar, ich geb’ Acht!“ Dass mir das ausgerechnet bei ihm passieren muss! Wir waren unser ganzes Leben lang wie Brüder gewesen! Aber da es jetzt schon passiert war konnte ich die Situation nur überspielen und weiter machen wie bisher. Ich kraule also auf Tobi zu, tauche im letzten Moment unter und drehe mich auf den Rücken, achte jedoch darauf, dass der „Ast“ nicht schon wieder irgendetwas streift. Auf dem Rücken tauchend fahre ich mit den Händen an Tobias Seiten entlang und kitzle ihn, solange ich die Luft anhalten kann. Während des Auftauchens streift mein erigierter Schwanz doch wieder etwas, obwohl ich so aufgepasst hatte! Doch dann wird mir klar, was ich da gerade mit meinem Prügel berührt hatte – Tobi hatte jetzt auch eine Latte!
Nach Luft schnappend schnelle ich aus dem Wasser, drehe mich um und sehe Tobias an. „Zeit für ein letztes Sonnenbad? Bevor die Sonne ganz weg ist.“ – „Ok, aber ich bleibe noch ein paar Minütchen im Wasser!“ – „Ach Quark, ich geh doch auch mit Latte aus dem Wasser!“.
Zunächst scheinbar widerwillig, dann aber doch mit glänzenden Augen folgt mir mein Kumpel aus dem Wasser. Als mir das Wasser nur noch bis zur Hüfte reicht höre ich von hinten nur ein „Bleib mal genau so stehen!“. Etwas perplex frage ich „Warum? Ist da irgendwas?“ – „Nein, nein! Aber es sieht unheimlich toll aus, wie die Wellen an deinen Hüften brechen und ein grüner Schatten über deinen Hintern spielt!“ Jetzt bin ich erst recht perplex, bleibe aber stehen und harre der Dinge, die da kommen mögen. Und die lassen auch nicht lange auf sich warten; Tobias tritt von hinten an mich heran, streichelt mir über die Backen, gleitet mit seinen Händen an meinem Rücken herauf, stockt an den Schultern und fährt dann mit seinen Händen an meinen Seiten wieder herab. Auf jeder Rippe bleibt er kurz stehen, tippt mit der Fingerspitze darauf als würde er zählen. Als er zu einem scheinbar zufrieden stellenden Ergebnis kommt führt er seine Hände nach vorn, verfolgt die Konturen meiner Bauchmuskulatur und taucht mit dem Zeigefinger in meinen Bauchnabel ein, was mir ein kurzes Auflachen entlockt.
Auch diese Inspektion scheine ich zu bestehen, denn schon bald begeben sich die warmen Hände meines Hintermannes wieder auf Wanderschaft, eine Gänsehaut hinterlassend bewegen sie sich nach oben und Tobias’ starke Arme umschließen meine Schultern und Brust. Mit einem sanften Ruck zieht er mich nach hinten in eine Umarmung, aus der ich mich nie wieder lösen möchte. Glücklich lächele ich – über das tolle Gefühl, aber auch über diese abstrakte Situation. Zwei junge Männer, beide nicht hässlich, stehen mit aufgerichtetem Fahnenmast bis zur Hüfte in einem See, halten sich in den Armen und bewegen sich so gut wie gar nicht.
Auch das Schicksal scheint das paradoxe an der Situation erkannt zu haben, denn es wendet sich gegen uns. Eine besonders hohe Welle umspült uns plötzlich und bringt einen Schwall sehr kalten Wassers aus den tieferen Regionen des Sees mit sich. Von jetzt auf gleich aus der glückseligen Paralyse gerissen, die uns umfangen hatte, lässt Tobias mich los, stößt mich fast von sich und genauso schnell wie der Augenblick verflog hatten sich auch unsere Schwänze wieder in Schwänzchen verwandelt.
Unsicher geworden durch sein eigenes Verhalten stürzt Tobi an mir vorbei aus dem Wasser, sprintet ins Zelt und rubbelt sich trocken. Sofort danach zieht er sich einen Trainingsanzug über – das alles so schnell, dass ich noch nicht einmal das Wasser verlassen konnte.
Durch den plötzlichen Sinneswandel meines Freundes ebenfalls total beunruhigt entsteige ich dem See, trockne mich ab und frage mich, was da gerade falsch gelaufen war.
Wie um seine Unsicherheit zu überspielen fragt mich mein Begleiter betont lässig, ob ich noch ein Bier haben wolle. Genauso betont lässig erkundige ich mich nach eventuell vorhandenem, härterem Alkohol, damit möchte ich wohl am ehesten meine Enttäuschung verbergen. Diese Gegenfrage wird bejaht und Tobias hält eine Flasche Berentzen Apfelkorn in der Hand – unseren Lieblingsschnaps, den wir zu jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit brüderlich teilten.
Passend zur mittlerweile vorgerückten Stunde suchen wir Feuerholz zusammen und entzünden ein Lagerfeuer. Allerdings bin ich immer noch nicht ganz bei der Sache, so dass Tobias mich bald fragt, was denn los sei.
„Was war gerade eben los, das würde mich viel mehr interessieren!“, kann ich nur mühsam hervorbringen. Um meine Tränen zu verstecken, die ich schon länger unterdrücke, nehme ich einen tiefen Schluck aus der Flasche Bier, die ich mir zwischenzeitlich genehmigt habe. „Gerade eben? Wir waren schwimmen, sonst war doch eigentlich nix. Ok, der Gag mit den Badehosen war cool, das war’s aber auch schon wieder.“ – „Ach so, das war’s auch schon wieder“, presse ich zwischen meinen Lippen hervor, „Und der Gag war toll. Is’ klar!“

Selbst mich überrascht meine abweisende Reaktion. Ich konnte doch nicht wirklich gedacht haben, Tobi sei ebenfalls schwul! Er wusste doch nicht einmal von mir! Und dass ich so übel verschossen bin in den jungen Blondschopf, das war mir auch nie klar gewesen. Jetzt muss ich einfach weg, irgendwohin, wo ich in Ruhe eine rauchen kann und meine Gedanken wieder ordnen. Wortlos erhebe ich mich vom Feuer, schnappe mir meine Zigaretten und die Flasche Berentzen und entferne mich vom Lagerplatz. Um mich herum gibt es nur noch Wald, Wildnis, Wasser und mein Weinen.

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