| Marco hat so
seine Probleme mit den üblichen krabbelnden Gästen
in einem Waldcamp, was Nico in eine zunächst verfängliche
Lage bringt. Aber daraus entsteht eine zunehmende Vertrautheit
zwischen den beiden. Steins Abschied kommt langsam näher
und an ein Leben im Camp ohne ihn möchte niemand so richtig
glauben.
Das Gelächter war auf seiner Seite und Nico fand es
gut, das entspannte die Atmosphäre. »Der war gut..
aber Spaß beiseite, die muss da raus. Am besten wird
es sein, wenn zwei hinten am Zelt Palaver machen. Sucht euch
Stöcke, mit denen ihr auf den Boden haut, so fest wie
möglich. Je einer an den Seiten tut das selbe. Ich werde
mit Rick hier vorne aufpassen. Wir wollen sie ja nicht fangen,
sie soll nur wieder dahin wo sie hingehört.«
Marco hatte er bewusst nicht eingebaut in den Plan, der stand
weiterhin drüben am Waldrand und beobachtete die Szene
aus sicherer Entfernung.
»Und wenn die beißt?«
»Das wird sie sicher nicht, Roko. Es gibt nur eine
giftige Sorte in unserem Land, aber sie wird mit Sicherheit
nicht über uns herfallen, so es überhaupt eine Kreuzotter
ist. Nehmt bloß keine zu kurze Stöcke und passt
trotzdem auf, wohin ihr tretet. Möglich ist aber auch,
dass sie sich längst auf dem Rückzug befindet.«
Das schien einzuleuchten und spontan suchten die Jungen im
nahen Unterholz nach passenden Stöcken.
»Wir sind soweit«, rief Roko schließlich,
der sich mit Simon an der Rückseite des Zeltes postiert
hatte. Ausgerechnet Simon. Angst vor Hunden, aber eine Schlange
womöglich mit der Hand fangen - es gab seltsame Typen,
dachte Nico.
»Fertig«, rief auch Patrick auf der einen Seite,
kurz darauf meldete Roman seine Bereitschaft auf der anderen
Seite.
Nico leuchtete in das Zelt und gab das Zeichen. »Los!«
Nicht nur, dass die Jungs mit ihren Stöcken wie die
Wilden auf den Boden schlugen, sie ließen auch mächtig
laut »Hu, ah, hey« erklingen, und das schallte
wirklich durch den ganzen Wald. Nico wollte eine Treibjagd
und nun hatte er sie.
Immer näher kamen die Stockschläge dem Zelt, dann
schlugen Roko und Simon auch auf die Zeltbahnen. Nico kniete
nah am Eingang, leuchtete den Boden ab und eine gewisse Anspannung
konnte er nicht verheimlichen. War das so ein bisschen Abenteuer,
das er sich erhofft hatte? Die Gemeinschaft mit ihnen, nicht
bei ihnen? Einfach einer der ihren zu sein? Zweifellos war
dieses Gefühl präsent, jetzt, in diesen Augenblicken.
Nichts an dem was sie hier gerade taten war gefährlich,
aber es würde jedem einzelnen hier in ewiger Erinnerung
bleiben. Von sich wollte Nico an dieser Stelle gar nicht reden.
Und dann kam sie. Aus Marcos Schlafsack, mit langsamen, typischen
Schlangenbewegungen und wild züngelnd direkt auf Nico
zu. Er erkannte die Art sofort an den beiden gelben Halbmonden
im Nacken und sie war wohl länger als ein Meter. Rick
blieb völlig ruhig neben ihm stehen, verfolgte jedoch
jede Bewegung der Schlange.
»Gut, hört auf, sie haut ab!«, rief Nico
und stand langsam auf, hektische Bewegungen könnten sie
wieder zurücktreiben. Es war schon ein seltsames Gefühl,
als das Reptil ausgerechnet zwischen seinen Beinen hindurch
sein Heil in der Flucht suchte. Leises rascheln im Laub und
ein unablässiges Fauchen, das war noch sekundenlang auf
ihrer Flucht zu hören, dann war sie verschwunden.
Die Jungs kamen wieder vor dem Zelt zusammen. »Und,
ist sie weg?«
»Ja, Roko, da rein«, sagte Nico und leuchtete
in die Büsche, unter der die Schlange verschwunden war.
»Und, was war das für eine?«
»Eine Ringelnatter. Wahrscheinlich vom Bach drüben,
die mögen eigentlich Wasser und feuchte Umgebung.«
»Sind die giftig?«, wollte Patrick wissen.
»Nein, absolut nicht. Ihr Trick liegt darin, gefährlich
zu wirken. Durch Fauchen und nach Schuhen schnappen zum Beispiel.
Aber das nur, wenn sie keine Fluchtmöglichkeit hat. Also
Jungs, keine Aufregung, alles halb so wild.«
»Und.. die kommt nicht wieder?«
»Die mit Sicherheit nicht. Aber wenn ihr im Zelt seid
oder auch nicht, einfach komplett schließen. Sie kann
dann nirgends rein. Und Abends halt erst mal nachsehen im
Schlafsack. Kann eh nicht schaden.«
Nico wischte sich das Laub von seinen nackten Knien und kraulte
Rick. »Brav gemacht«. Dann wandte er sich der
Gruppe zu. »Gut, Jungs. Das war wohl die Abendvorstellung
im Camp – Theater. Ich denke, ihr solltet langsam schlafen
gehen.«
»Und wo stickt eigentlich Marco?« Patrick hatte
die Fäuste in die Hüften gestemmt.
Den hatte Nico fast vergessen. »Der ist da drüben.
Er möchte heute Nacht wohl nicht hier schlafen. Ich werd
mal mit ihm reden. Und jetzt gute Nacht zusammen.«
Marco saß am Pfad in den Wald, die Lampe vor sich auf
den Boden gerichtet.
»So, die Schlange ist weg. Übrigens ne völlig
harmlose Sorte.«
»Und? Harmlos hin oder her, ich geh nicht wieder in
das Zelt. Nee, das kann keiner von mir verlangen.«
»Aber hier draußen wirst du wohl auch kaum bleiben
wollen, oder?«
»Nein.«
Nico musste zugeben, dass er ratlos wurde. Sein Blick auf
die Uhr zeigte gleich Mitternacht, da wollte und konnte er
keinen Betreuer wecken, um sich selbst eine Entscheidung zu
ersparen. Er musste eine treffen, welcher Art auch immer.
»Okay, ich mach dir einen Vorschlag. Du kannst diese
Nacht im Hauptgebäude pennen. Der Bereitschaftsraum ist
leer, aber du musst um Fünf oder so verschwunden sein.«
Diese Entscheidung überstieg in höchstem Maße
seine Kompetenzen, aber ihm fiel nichts besseres ein.
Er kniete sich zu dem Jungen hinunter, um leiser reden zu
können. »Marco, wenn das rauskommt hab ich gelitten,
verstehst du? Das darf keiner wissen, keiner. Du hast in der
Werkstatt gepennt, okay?«
Marco sah ihn an. Und ja, davor hatte Nico Angst gehabt.
Die Wahrscheinlichkeit dass es geschehen würde war so
verschwindend gering gewesen, dennoch, es war passiert. In
diesen Sekunden. Diese Augen, in die man versinken möchte,
der Mund, der einfach nur zum Küssen gemacht wurde.
»Und warum soll ich nicht tatsächlich dort pennen?«
»Auf der Werkbank vielleicht oder gar auf dem Boden?
Ich meine, wenn es dir bequem genug ist, ich hab natürlich
nichts dagegen.«
»Na ja, wirklich erhebend ist das allerdings nicht.«
Nico verfluchte sich. Natürlich war es die einfachste
Sache der Welt, den Jungen in der Werkstatt übernachten
zu lassen. Er musste nur seinen Schlafsack mitnehmen, der
Rest würde sich auch dort finden. Aber dazu war es jetzt
zu spät. Zweifellos, es war diese innere Stimme, die
den Vorschlag gemacht hatte. Marco gefiel ihm, darüber
gab es keine Diskussion und so jemand wie er hatte in einem
Raum mit Sägespänen und Bohrstaub nichts verloren.
Abgesehen davon, dass sich speziell an solchen Orten nicht
gerade kleine Spinnen ziemlich wohlfühlten. Eine weitere
Störung der Nachtruhe deswegen schien nicht die geeignete
Lösung zu sein. »Gut. Dann komm. Hast du einen
Wecker in deinem Handy?«
»Ja.«
»Dann stell ihn hier vor meinen Augen, auf Fünf
Uhr. Ich muss sicher sein, dass du zehn Minuten später
aus dem Gebäude verschwunden bist, okay?«
Der Junge nickte und zog sein Handy aus der Hosentasche.
Nico beobachtete Marcos Finger, wie sie über die Tasten
des kleinen Telefons glitten. Diese Hände.. »Okay,
dann los, es ist verdammt spät.«
Kurz darauf standen sie vor dem Hauptgebäude. Inzwischen
war auch das Konzert der Grillen beendet, nur ab und zu war
jetzt ein Kauz hier draußen zu hören. Er war auch
der einzige Zeuge, der die beiden Jungen bei einer letzten
Zigarette vor dem Gebäude und dann ihr verschwinden darin
beobachtete. Als würde er damit Gute Nacht wünschen,
ließ der Waldkauz seinen schauerlichen Ruf erklingen.
Im Gebäude war es so still, so dass man das Rauschen
in den Ohren hören konnte. Und das Atmen. Nico knipste
das Licht an und führte Marco zum Bereitschaftszimmer.
»Hier kannst du pennen. Und denk dran: Nicht wieder
einschlafen wenn der Wecker morgen früh gegangen ist.
Leg das Handy an die Tür, damit du aufstehen musst.«
Marco nickte und setzte sich brav auf das Bett. So ganz wohl
schien er sich nicht zu fühlen, aber ändern konnten
nun beide nichts mehr an der Sache.
»Gute Nacht«, wünschte Nico und mit den
selben Worten im Rücken schloss er die Tür.
In seinem Zimmer zog er sich wieder nackt aus, die Hitze des
Tages war noch nicht aus dem Raum gewichen.
Es wurde sicher eine schöne Angewohnheit, auf der Fensterbank
zu sitzen, dabei zu rauchen und an möglichst wenig zu
denken. Aber in dieser Nacht an nichts zu denken gelang ihm
nicht. Da lag ein paar Meter weiter ein ziemlich hübscher
Kerl und Nicos Antennen sollten verdammt sein, wenn er nicht
schwul war. Nico kannte das, oh ja, sehr genau. Praktisch
noch nie hatte ihn das Gefühl getäuscht, wenn er
hinter einem Jungen eine gewisse schwule Aktivität vermutete.
Zwar war er nie damit hausieren gegangen, es genügte
ihm wenn er über Dritte eine Bestätigung bekam.
„Ja, der ist schwul, warum fragst du?“ Dann rieb
sich Nico geistig die Hände. Wofür er diese Eigenschaft
einmal brauchen könnte, darüber hatte er sich nie
Gedanken gemacht. Immer stand Stefan bisher dazwischen und
das war gut so. Nur gab es da jetzt diesen Jungen, und es
gab diese verdammte Chance. Sicher, er wusste nicht was Stefan
sonst so trieb, vielleicht war er ja in einer ganz ähnlichen
Situation, nur an einem anderen Ort.
Nico blies den Rauch der Zigarette in die Nachtluft. Ab und
an hörte er den Waldkauz, mal näher, mal weiter,
aber sein Revier schien hier in dieser Ecke zu sein. Rick
lag ausgestreckt auf seiner Decke und zuckte wieder ab und
zu. Das wirkte auf Nico irgendwie ansteckend und er legte
sich aufs Bett. Aber es war ein Warten auf den Schlaf, richtig
müde war er noch nicht. Außerdem war da die Bereitschaft.
Der Teufel konnte wissen, was diese Nacht noch so alles passieren
würde.
Er überlegte, ob er noch einmal ins Internet sollte,
nachsehen ob Stefan sich gemeldet hatte. Einerseits war er
zu müde um noch einmal aufzustehen, andererseits zu wach
um schlafen zu können. Diesen Zustand hatte er schon
immer gehasst und so manches Mal mit Alkohol beendet. Das
allerdings stand hier nicht zur Debatte.
Mit geschlossenen Augen lauerte er praktisch auf den Schlaf,
obwohl er in jeder Minute wusste, dass er so nicht kommen
würde.
Er stand doch noch einmal auf und lief zum Fenster. Auf der
Uhr stand halb Zwei, eine weiß Gott unchristliche Zeit
und wenn es so weiterging, erlebte er den Sonnenaufgang. Die
Zigarette schmeckte nicht, trotzdem rauchte er sie weiter.
Das Schlimme an diesem Zustand zwischen wach und doch nicht
waren dann die Gedanken, für die er sich sonst selten
die Zeit nahm. Die Zukunft vor allem schleuderte wie ein Waschgang
in seinem Kopf. Nicht die an der Uni oder danach, nur die,
ob es mit Stefan weitergehen würde.
Ein leichter, fast nicht wahrnehmbarer Feuerschein schreckte
ihn hoch. Kurz war er und dann wieder weg. Nico lehnte sich
hinaus und sah nebenan am Fenster die Glut einer Zigarette.
Noch einer der nicht pennen kann, dachte er. Marco schien
ihn nicht bemerkt zu haben, darum hustete Nico nur kurz. Sofort
verschwand die Glut, wo auch immer. »Kannst auch nicht
schlafen?«, fragte er leise.
Marco brummte irgendwas, dann war die Glut wieder da. »Hast
du mich erschreckt. Nee, mir geht dieses eklige Vieh nicht
ausm Hirn. Ich träum garantiert davon wenn ich einpenn.«
»Hm, das ist nicht gut.« Nico verspürte
das Bedürfnis, einfach mit ihm zu reden. »Komm,
lass uns auf die Bank setzen.« Nico zog sich rasch seine
Shorts an und stieg aus dem Fenster. Zwischen seinem und dem
des Bereitschaftszimmers stand die Holzbank, auf die er sich
nun setzte und kurz darauf saß Marco neben ihm.
»So eine Scheißnacht. Ich möchte gar nicht
wissen, was das heute gibt. Ich penn tagsüber garantiert
ein.«
Nico schüttelte den Kopf. »Glaub ich nicht. Heut
morgen ist Wandern angesagt, hoch zum Bahnhof.«
»Wa.. wandern?«
»Ja, nach dem Frühstück geht’s los.
Aber das weißt du natürlich nicht, okay?«
Marco grinste sicher, was Nico nur vermuten konnte. Es war
zu dunkel da draußen um Einzelheiten zu erkennen. »Aha.«
Sie rauchten und schwiegen. Nur das Knistern des abbrennenden
Tabaks war zu hören, wenn sie an ihren Zigaretten zogen
und das ausblasen des Rauchs.
»Wasn jetzt los?«, sagte Marco plötzlich
und drehte den Kopf im Kreis.
Nico hatte den flinken Schatten, der sich gegen den blassen
Nachthimmel abhob, ebenfalls bemerkt. »Eine Fledermaus.
Bisweilen sind sie neugierig.«
»Hier gibt's aber auch alles was nichts taugt.. Aber
sag mal, wie kommt es dass du ausgerechnet hier dein Praktikum
machst? Ich mein, das hier ist doch der absolute Arsch der
Welt, oder?«
»Klar. Gerade deswegen bin ich hier. Nicht zum ersten
Mal übrigens.«
Und dann fing Nico an zu erzählen. Vom Anfang bis in
die Gegenwart.
Marco schluckte ein paar Mal. »Das ist ja ein Ding.
Dann bist du ja gar kein son Rotarsch?«
Nico horchte auf. »Oh, bezeichnet man mich so?«
»Na ja, ein paar Mal ist das Wort schon gefallen. Aber
nicht von mir, das schwör ich.«
Das glaube ihm Nico sowieso aufs erste Wort, aber interessant
war das allemal. »Und was sagt man sonst noch so.. über
mich?«
»Ach, ich würd das als Gefasel bezeichnen. Sie
meinen halt, dass du keinen Schimmer hast und dass sie Leute,
die so im Schatten der anderen herumschleimen, nicht leiden
können. Kommt nur von zwei, nicht von allen.«
Nico wollte gar nicht wissen, wer die zwei waren. Entweder
es würde sich über kurz oder lang sowieso herausstellen
oder aber er musste diese Einstellung zu ihm revidieren. Die
letztere Möglichkeit war am naheliegendsten und mit Sicherheit
würde er es beweisen können.
Statt durch das Reden müde zu werden, war zumindest er
jetzt wieder glockenwach. Aber auch Marco schien nicht gerade
kurz vor dem umfallen zu sein. »Was hat dich eigentlich
hierher gebracht?«, wollte er deswegen von Marco wissen.
Natürlich kannte er die Akte, um genauer zu sein, er
kannte sie besser als all die anderen.
»Dumme Sache. Hab mich verleiten lassen, mit Hasch
zu dealen.«
Nico wusste, dass es anders ausgesehen hatte. Marco konsumierte
jede Menge davon. Aufgewachsen in einem Plattenbau, drei Geschwister,
Vater arbeitslos, Mutter steuerte durch Putzen etwas zur Stützte
bei. In der Schule erst in der letzten Klasse auffällig,
hauptsächlich durch Teilnahmslosigkeit. Dann mit 17 eine
Lehre als Metzger, Abbruch nach einem Jahr und da begann seine
drogengeschwängerte Vergangenheit. Um seine Freunde mit
Hasch zu versorgen war er unter die Dealer gegangen, zum Glück
fischte man ihn bei einer Razzia rechtzeitig aus dem Sumpf,
bevor er völlig darin unterging. Darum war das Camp für
ihn denn auch mehr als Warnung zu sehen denn als Strafe. »Aber
selbst genommen.. hast das Zeug auch, oder?«
Der Junge drückte eine Faust in die andere, offene Hand,
so dass seine Fingerknochen knirschten. An sich mochte Nico
das nicht, aber er sah diesmal darüber hinweg. »Ja,
klar. Ein bisschen schon. Aber.. was bleibt einem, wenn man
im Getto groß wird?«
»Und gelernt hast du nichts?«
Jetzt knirschten die Knochen der anderen Hand. »Hingeschmissen,
war ne lausige Zeit bei dem Metzger.«
»Wieso?«
»Wieso? Das war ein Schwein. Ein Menschenschinder.
Nahm auf nichts, gar nichts Rücksicht. Drohte von Morgens
bis Abends mit Rausschmiss. Und er war manchmal gewalttätig.
Hat mir öfter eine runtergehauen und so was alles.«
»Aber wenn ich mir dich so ansehe, das hast du dir
das wohl nicht gefallen lassen?«
»Beim dritten Mal hab ich zurückgehauen, klar.
Mann, hat das gesessen.« Marco grinste schelmisch. »Der
ist dann mit dem Rücken an der Kühltür runtergerutscht
und hat geblutet wie die Schweine, die er geschlachtet hat.«
Nico konnte sich das Bild sehr gut vorstellen. »Hat
dich dann wohl rausgeschmissen?«
»Jep, noch in der Minute. Hab meine Mutter dann hingeschickt
meine Sachen zu holen. Aber angezeigt hat mich der Arsch nicht,
weil, ich hab ihm gedroht seinen Laden zu zerlegen wenn er
es wagen sollte.«
»Und weiß die Polizei davon?«
»Nee, zu denen hat er nichts gesagt. Die waren ja später
bei ihm und haben seine Burg durchsucht.«
»Wieso das denn?«
»Ich wollt ihm aus Zorn was anhängen. Zwar haben
sie natürlich nichts gefunden, aber die Leute haben getuschelt
anschließend. Ich glaub, der hat seinen Laden inzwischen
zugemacht.«
»Na ja, dann hat er sicher ne Stinkwut auf dich. Hast
keine Angst, dass der mal ausrastet?«
Marco lachte, was aber mehr gezwungen rüberkam. »Ach
der. Hosenscheißer ist's, mehr nich. Nee, den hau’
ich ungespitzt in den Boden und das weiß er seit damals
auch.«
Zwar deckten sich Marcos Schilderungen nicht eins zu eins
mit dem, was in seiner Akte stand, aber in etwa kam es hin.
Mehr wollte und musste Nico ja auch nicht wissen.
»So, in drei Stunden geht die Sonne auf. Ich weiß
gar nicht ob ich noch ins Bett soll«, sinnierte Marco
dann und zündete sich erneut eine Zigarette an.
Nico hatte die eineinhalb Stunden überhaupt nicht registriert;
sie kamen ihm vor wie eine Halbe. Von der Sache her wäre
es gut gewesen, wenn sich Marco nun leise, still und heimlich
in sein Zelt geschlichen hätte. Aber Nico war sicher,
dass eine Frage diesbezüglich auf keinen fruchtbaren
Boden fallen würde. Aber trotz allem, es machte keinen
Sinn; ein paar Stunden Schlaf waren einfach notwendig. »Okay,
dann lass uns wenigstens bis dahin eine Runde pennen.«
Marco nickte und drückte den Kippen im Aschenbecher
aus. »Gut. Dann bis später.«
Im Augenblick, als sie aufstanden, ließ ein Geräusch
sie zusammenzucken. Nicht so scharf und laut, dass man erschrecken
würde, aber dennoch blieben die beiden wie angewurzelt
stehen. Auf den Knall folgte das Rauschen des Echos.
»Was war das denn?« Marco blickte in die Richtung,
wo der Knall herkam.
»Zweifellos ein Schuss.«
»Wie ein Schuss? Kam mir aber gar nicht so laut vor.«
»Ein Gewehr, Pistole, was weiß ich.« Nico
fiel in diesem Zusammenhang der Förster ein, aber um
diese Zeit würde der nicht mehr jagen. Viel Wahrscheinlicher
schien ihm, dass der Wilderer da draußen zugange war.
Zwar hatte Nico keine große Ahnung von Schusswaffen,
aber selbst ein Schalldämpfer würde in dieser Ruhe
hier zu hören gewesen sein.
»Wer ballert denn um diese Zeit im Wald rum?«
Nico zog die Schultern hoch. Seinen Verdacht behielt er für
sich, es galt unter allen Umständen nichts davon zu erzählen.
Ob Angelmann den Schuss gehört hatte? Ihn jetzt darüber
zu informieren? Er haderte mit sich. Entschlossen fummelte
er schließlich sein Handy aus der Tasche. »Ich
muss mal eben telefonieren«, sagte er knapp und entfernte
sich außer Hörweite. Dann rief er des Försters
Eintrag im Telefonbuch auf. Es klingelte nur zweimal.
»Angelmann?« Die Stimme klang nicht verschlafen.
»Nico Hartmann hier. Entschuldigen Sie, wenn ich um
diese Zeit störe, aber wir haben grade einen Schuss gehört
und da dachte ich..«
»Hallo Nico. Einen Schuss? Wo?«
»Hier irgendwo, jedenfalls in der Nähe de Camps.«
»Okay, ich geh mal los.«
Schon war das Gespräch wieder weg. Na ja, er hatte nichts
falsch gemacht, der Förster würde sicher wissen
was zu tun ist.
»Wer war das denn?«, wollte Marco wissen.
»Der Förster.«
»Hat der geschossen?«
»Ähm, scheint wohl so.« Irgendwie hatte
Nico keine Lust mehr, sich zu unterhalten und zog eine Notlüge
der Wahrheit vor. Er musste an das tote Reh denken und die
Gemeinheit, den Tieren so aufzulauern. »Du, ich bin
hundemüde, ich denke wir sollten jetzt wirklich noch
ne Mütze voll schlafen.«
Marco nickte und beide gingen sie auf dem selben Weg in ihre
Zimmer zurück, auf denen sie gekommen waren.
Nun herrschte wieder diese Stille, aber nur äußerlich.
Nicos Gedanken wirbelten herum und hinderten ihn erneut vorm
einschlafen. Ab und zu hatte er da draußen den Geruch
des Jungen aufgeschnappt, streichelte ihn sein warmer Atem
wenn er ihm ins Gesicht redete. Dann dieser Schuss, der so
etwas Bedrohliches an sich hatte. Alles Dinge, die ihn aufwühlten
und das noch immer taten. Er war nicht so vermessen um zu
glauben, etwas für Marco zu empfinden, aber dennoch war
da etwas, das er nicht greifen konnte. Etwas Sorgen machte
ihm auch, dass Marco aufgrund des Schafdefizits sein Handy
nicht hören würde. Nico griff nach seinem Handy
auf dem Nachttisch und tippte die Weckzeit ein. Fünf
Uhr. Auf dem Display war es kurz nach Drei – zwei Stunden.
Er legte sich auf die Seite und spürte jetzt das Brennen
in seinen Augen, das untrügliche Zeichen, dass ihn der
Schlaf übermannen würde.
In den wenigen Sekunden, dem Übergang in die Traumwelt,
registrierte er plötzlich Geräusche. Undefinierbar
zunächst, hörte er ein Brummen. Trotz der Müdigkeit
öffnete er seine Augen, sein nächtlicher Job versetzte
ihn in höchste Alarmbereitschaft. Verdächtig wurde
es ihm erst recht, als Rick seine Ohren spitzte und leise
knurrte. »Pscht«, befahl Nico und sofort schwieg
der Rüde. »Schön ruhig.«
Eindeutig wurde dann eine Wagentür zugeschlagen. Wie
vom Blitz getroffen setzte sich Nico auf und sprang in seine
Shorts. Er schnappte seine Taschenlampe, machte sie aber nicht
an. Mittlerweile kannte er in etwa die Ausmaße seines
Zimmers und so schlich er leise und im Dunkeln zur Tür,
die er nicht geschossen hatte. Vielleicht in weiser Voraussicht,
denn so drangen Geräusche vor dem Gebäude besser
zu ihm durch.
»Komm, aber bleib bei mir«, flüsterte er
Rick zu und der Hund folgte ihm, als würde er jedes Wort
verstehen. Langsam tastete er sich an der Wand des Gangs entlang,
Richtung Eingang. Ab und zu blieb er stehen und lauschte,
wobei auch Rick sofort stehen blieb. Nico vermutete deshalb,
dass es sich um niemand Fremdes handelte. Da hätte Rick
sicher anders reagiert.
Kurz vor der Biegung zum Eingang hörte Nico jetzt deutlich
knirschende Schritte, die von dem Kiesbelag vor dem Gebäude
erzeugt wurden. Dann Schlüsselklappern. Es war einer
der Betreuer, daran gab es jetzt keinen Zweifel.
Rasch kehrte Nico um und eilte ins Bereitschaftszimmer. Er
knipste seine Lampe an und leuchtete hin auf das Bett. Marco
lag auf dem Rücken und bemerkte von all dem nichts.
Mit zwei großen Schritten war Nico am Bett und leuchtete
dem schlafenden Jungen ins Gesicht. »Hey, aufwachen.«
Nico schüttelte ihn zusätzlich an den Schultern.
Marco schlief tief und fest, was Nico innerhalb weniger Sekunden
in Panik geraten ließ. Längst würde der nächtliche
Besuch im Gebäude sein. Mit viel Glück ging derjenige
ins Büro, was auch naheliegend war. Aber das änderte
nichts an der Tatsache, dass Marco schnellstens hier verschwinden
musste. Nico beugte sich zu Marco hinunter und flüsterte
ihm direkt ins Ohr. »Los, aufwachen.« Dabei rüttelte
er jetzt kräftiger an den Schultern.

Endlich blinzelte ihn der Junge an. »Wa..
wasn los?«
»Raus da, es ist jemand gekommen.«
Gottlob war Marco innerhalb weniger Sekunden wach. Da er
angezogen auf dem Bett lag und sonst nichts von ihm in dem
Raum befand, konnte die Flucht innerhalb weniger Augenblicke
erfolgen. Ein Segen war dabei das Fenster.
Ohne weitere Worte schob Nico den Jungen dorthin. »Geh
rüber ins Camp. Du kannst da hinten..« Nico kannte
den Weg wohl noch, der hinter dem Gebäude im Wald zum
Camp führte, aber den jetzt zu erklären blieb nicht
die Zeit. »Nein, geh zur Werkstatt, auf keinen Fall
vor das Gebäude, hörst du?«
In dem Augenblick, als Marco aus dem Fenster stieg, ging
die Flurbeleuchtung an. Rick schwänzelte mit Blick zur
Tür, was ein weiterer Beweis war, dass es ein Betreuer
sein musste.
Marco ging unter dem Fenster sofort in Hocke. Damit war er
zunächst unsichtbar und Nico atmete auf. Allerdings war
sein Aufenthalt hier in dem Zimmer damit noch nicht erklärt,
denn nur Sekunden später betrat Rainer Bode den Raum.
»Hoppla. Nico, was machst du denn hier, mitten in der
Nacht?«, fragte er erstaunt, nachdem er das Licht angemacht
hatte.
Nico räusperte sich. Zeit, um sich eine Erklärung
zurecht zu legen, hatte er keine gehabt. Und zudem sah man
dem Bettzeug an, dass da jemand gelegen haben musste. Es würde
nichts nützen, auch wenn es Folgen haben würde -
er wollte bei der Wahrheit bleiben. Rainer Bode stand ihm
näher als alle anderen Betreuer und es war davon auszugehen,
dass er sein Verhalten verstand. Trotzdem verfluchte er jetzt
erneut seine Entscheidung, Marco hier pennen zu lassen. »Lass
dir erklären..«, stammelte er in der Aufregung
und kam auf Bode zu. Aber dessen überrascht aussehendes
Gesicht wandelte sich bereits, eher hin zu einem neugierigen
Fragezeichenblick.
»Ist etwas passiert?«
Nico schüttelte den Kopf. Eigentlich klang alles, was
er jetzt auftischen würde, ziemlich abenteuerlich. Allerdings
hatte er eine Menge Zeugen, was ihn wiederum beruhigte.
Er setzte sich auf das Bett und bat Bode neben sich. »Hm,
ich weiß, das klingt jetzt unglaubwürdig, ist aber
wirklich so gewesen.« Und dann legte er los. Dabei versuchte
er, die Sache so nüchtern wie möglich zu schildern,
nicht im Stil der Effekthascherei.
Bode nickte aber nur, als Nico seine Schilderung abschloss.
»Das ist ja nicht das erste Mal. Jetzt vermute ich fast,
es ist immer die selbe Schlange.. was immer sie auch dorthin
zieht.«
Nico atmete auf. »Tatsächlich?«
»Ja, ich glaub Einheit zwei machte mit der auch schon
Bekanntschaft.«
»Und wegen Marco Serrolas? Also ich meine, dass ich
den hier einquartiert habe?« Nico fürchtete, dass
das trotzdem Folgen haben würde.
Aber Bode zog nur die Schultern hoch. »Ich hätte
das nicht anders gemacht. Ich meine, hier war ein Bett frei
und wie ich schon mal sagte, wir sind ja keine Monster. Im
Grunde war's ja fast ein Notfall, was hätte man da anders
machen sollen?«
Nico fiel ein Stein vom Herzen. »Ich hab halt nicht
gewusst.. darum ist er jetzt schnell da raus.«
»Na ja, er wird sicher nicht weglaufen. Aber sag mal,
hast du überhaupt geschlafen?«
»Nein, keine Sekunde eigentlich.«
Bode grinste. »Viel Zeit hast du ja nicht mehr dazu.
Aber tröste dich, mir geht es nicht anders.«
»Ja, wieso bist du überhaupt hier?«
»Private Angelegenheit. Die halbe Nacht diskutiert
und lamentiert.. ich hab's dann nicht mehr ausgehalten.«
»Oh.« Rainer hatte ja schon kurz erwähnt,
dass er zu Hause Probleme hatte. »Und nun?«
»Ich werd vorübergehend ein paar meiner Sachen
hier unterbringen und für einige Zeit einziehen. Dabei
kann ich gleich Michaels Bereitschaft übernehmen, bei
der Gelegenheit.«
»Ich glaub, ich nehm jetzt doch noch ne Mütze
Schlaf«, gähnte Nico, zu dessen normaler Müdigkeit
jetzt die ganze Anspannung dazukam.
»Und Serrolas? Wo ist der?«
»Hm.« Nico ging zum Fenster. »Marco!?«
Nach zweimaligem Rufen tauchte der Junge im Schein des Deckenlichts
am Fenster auf. Dabei wusste Nico noch gar nicht, was er mit
ihm anstellen sollte. Er wandte sich Bode zu. »Und was
machen wir mit ihm? Die paar Stunden?«
»Irgendwo hier im Gebäude steht ein zusammengeklapptes
Feldbett,. Aber frag mich jetzt nicht, wo.«
»So viele Möglichkeiten gibt's ja nicht. Ich denke,
hinten in der kleinen Abstellkammer neben den Duschräumen,
da könnte es sein. Marco, komm erst mal rein«,
rief er aus dem Fenster, worauf der Junge zögerlich über
die Fensterbrüstung stieg. Etwas belämmert stand
er da, den Blick auf den Boden wie ein kleiner Sünder.
»Brauchst keine Angst haben, es passiert dir nichts«,
beruhigte ihn Bode.
»Komm, wir suchen ein Bett für dich«, sagte
Nico zu dem Jungen.
»Gut, und ich leg mich noch ein bisschen aufs Ohr«,
gähnte Bode und schloss auch schon die Tür zum Bereitschaftszimmer
hinter sich.
Tatsächlich wurden die beiden wenige Minuten später
in der Kammer fündig. Allerdings war das Feldbett in
ziemlich jämmerlichem Zustand und es warf sich die Frage
auf, ob es überhaupt noch zu gebrauchen war. »Hm,
ich denke, das muss man erst mal testen. Wir bringen es in
mein Zimmer.« Es gab sicher andere Möglichkeiten
das Bett aufzustellen, aber Nico fand alle unzumutbar. Ein
bisschen Atmosphäre musste sein, und wenn es nur für
ein paar Stunden war.
Das alte Holz der Pritsche knarrte und quietschte, als Marco
die Stützbeine herausklappte. Und dann sprang er schlagartig
aus dem Stand einen Meter zurück. Nico brauchte nur eine
Sekunde, um die Ursache zu erkennen. Hausspinnen hinterlassen
einen oft ziemlich imposanten Eindruck, durch ihre Größe,
die fast schwarze Färbung und die langen Beine. Solch
ein Exemplar war aus den Scharnieren gehuscht und suchte,
auch unter Ricks neugierigen Blicken, sehr rasch das Weite
unter Nicos Bett. Marcos Gesicht war kalkweiß geworden
und Nico fürchtete, er könnte augenblicklich in
Ohnmacht fallen. Eines stand damit jedoch einwandfrei fest:
Marco würde nicht in diesem Zimmer bleiben, vielleicht
nicht mal in dem Gebäude. Irgendwelche Sprüche waren
denn auch völlig deplaziert; allerdings verringerten
sich damit zusehends die Möglichkeiten, einen Schlafplatz
für den Jungen zu finden. Angesichts der fortgeschrittenen
Zeit war es jedoch eh fraglich geworden, ob man überhaupt
noch an Schlaf denken sollte.
Marco gab keinen Ton von sich, während Nico die Beine
des Feldbetts wieder zusammenklappte und vor die Tür
in den Gang stellte. »Also, irgendwie.. kommen wir einfach
nicht zum schlafen.«
Der Junge nickte, jedoch bekam er allmählich wieder
Farbe. »Die ist unter das Bett«, stammelte er.
»Ja, hab ich gesehen. Aber ehrlich gesagt, ich hab
keinen Bock, mitten in der Nacht auf Spinnenjagd zu gehen.«
Das meinte er von Grund auf ehrlich.
»Und jetzt?«
»Also ich werde nicht mehr schlafen gehen, es dämmert
ja schon. Wie es mit dir ist, weiß ich nicht.«
Marco ließ das Bett nicht aus den Augen. »Ich
auch nicht. Scheiß auf den Schlaf. Hab ja manche Nacht
durchgemacht.«
»Gut, ich werd mal in die Küche gehen, irgendwie
müsste man ja in der Lage sein, einen Kaffee zu bereiten.«
In dem Augenblick, als Nico an Marco vorbeiwollte, klammerte
der sich so fest mit beiden Armen um Nicos Brustkorb, dass
ihm fast die Luft wegblieb. »Was ist?«
»Da. Da unten ist sie.«
Nico musste sich nicht umdrehen, er wusste auch so was er
sehen würde. Er fühlte sich wie ein Schutzschild,
das Marco gegen die Unbill da auf dem Boden benutzen wollte.
Aber viel mehr Aufmerksamkeit schenkte er dieser Berührung;
Marco klammerte ihn mit unverminderter Kraft und trotz der
widrigen Umstände wehrte er sich nicht dagegen. Sein
Kopf lag jetzt gezwungenermaßen in Marcos Halsbeuge
und ein leichter, unaufdringlicher Geruch kitzelte seine Nase.
Er spürte deutlich den aufgeregten Herzschlag und das
schnelle atmen. Und er spürte das Becken des Jungen an
seinem. Das war die intimste Berührung seit langem und
sie war einfach angenehm, auch wenn Marco das mit Sicherheit
gar nicht registrierte.
So standen sie eine Weile da, wobei sich auf Nico nun auch
ein leichtes Zittern übertrug. »Komm, die frisst
dich nicht«, sagte er leise, wobei er seine Hände
um Marcos Hüfte legte. In dieser Situation ist alles
erlaubt, dachte er sich. Er genoss diese Berührung, sie
tat sogar gut irgendwie. Langsam schob er Marco von sich,
denn er fürchtete, das könnte jetzt noch den Rest
der Nacht dauern. Nico drehte sich um und beobachtete, wie
die Spinne unter Ricks Decke Zuflucht suchte. Derweil saß
der Rüde davor und beobachtete die Szene. Im Grunde tat
Nico den Spinnen nichts, aber besondere Umstände erforderten
besondere Maßnahmen. Er löste sich von Marco, lief
zu der Decke und trampelte darauf herum. »So, damit
ist Ruhe.«
»Aber..«
»Komm, sein kein Frosch. Wir gehen in die Küche,
okay?«
Marco hielt ihn am Arm fest. Da war er wieder, dieser Blick,
dem sich Nico einfach nicht entziehen konnte. Dazu nur wenige
Zentimeter Abstand zwischen ihren Gesichtern. »Ich mach
dir ne Menge Scherereien, nicht wahr?«
»Quatsch. Du kannst ja nichts dafür.«
Eine Gänsehaut der besonderen Art überzog Nicos
Körper, als er Marcos Lippen auf seiner Wange spürte.
»Danke«, hörte er ganz leise an seinem Ohr.
»Ähm, ja, keine Ursache.« Sollte er jetzt
dumme Fragen stellen? Was das soll und so weiter? Er beschloss,
den Mund zu halten. Es war eine besondere Form der Danksagung
und sie war weiß Gott akzeptabel. Zudem war nicht auszuschließen,
dass Marco noch unter Schock stand. Sie waren sich auf eigentümliche
Weise näher gekommen, da gab es keinen Plan und dass
er Marco gern hatte beruhte nun mal eben auf Gegenseitigkeit.
Was war falsch an der Sache? Nichts. Zwar sah sich Nico nicht
als Retter aus höchster Not, aber er war auch nicht in
die Gleichgültigkeit abgeglitten. „Wir sind doch
keine Monster.“ Das hatte Rainer Bode selbst gesagt.
Etwas später saßen sie im Speiseraum, jeder eine
große Tasse vor sich. Nico hatte die nötigen Utensilien
gefunden und einen einigermaßen genießbaren Kaffee
gebraut. Draußen begann es weiter zu dämmern, die
Uhr am Durchgang zur Küche zeigte mittlerweile halb Fünf.
»Au wird das ein blöder Tag, ich ahne es«,
seufzte Marco und schlürfte laut aus seiner Tasse.
Auch wenn er es ihm Augenblick noch nicht abschätzen
konnte, musste Nico dem Jungen recht geben. Durchgemachte
Nächte.. wie lange war das her? Zwei, drei, fünf
Jahre? Ab und zu, wenn er mit Stefan versackt war, dann wurde
es auch schon mal Drei oder Vier Uhr. Aber immer hatten sie
danach den Schlaf aufgeholt, gepennt bis Mittags um Zwei,
im Winter waren sie manchmal nur zum pinkeln und essen aus
dem Bett wenn die Umstände es erlaubten. Aber diese Zeiten
waren vorbei. Längst brach Nico irgendwelche Besuche
abrupt ab, wenn es später als Mitternacht zu werden drohte.
»Und du sagst, wir wandern heute morgen?«
»So sieht es wohl aus. Aber das ist sicher besser als
Gruppenstunde oder Ergo, wenn einem die Nacht fehlt.«
Marco nickte und hielt die Tasse mit beiden Händen,
als wollte er sie daran aufwärmen. »Das ist wohl
wahr.«
Stein würde diesen Tag nicht kommen, also lagen sämtliche
Entscheidungen in Bodes oder Korns Händen. Sicher würden
sie nichts dagegen haben, wenn Nico an der Exkursion teilnahm,
denn er musste sich eingestehen, dass er keine bessere Idee
für diesen Tag hatte. »Übrigens wär ich
dir sehr verbunden, wenn du mich in Gegenwart der anderen
nicht duzen würdest.« Nun allerdings waren es schon
derer zwei und irgendwo in seinen Ahnungen befürchtete
er, dass es noch mehr werden würden. Eine Gratwanderung,
das wusste er, aber beide Male waren aus einer gewissen Situation
heraus entstanden, nicht aus Gutdünken.
»Ja, klar, kein Problem.. ich.. ich hab's eh nicht
mit Absicht gemacht.«
»Glaub ich dir.«
Allmählich wandelte sich das dunstige grau des Sonnenaufgangs
in das schon gewohnte, dunkle Blau. Ein bisschen Wind war
aufgekommen und wiegte die Kronen der Buchen, die man von
dem Platz im Speiseraum aus sehen konnte. Vielleicht würde
der Tag nicht ganz so heiß, in Anbetracht der bevorstehenden
Aktion durchaus wünschenswert.
Zwei Tassen Kaffee später rappelten die Handys der beiden
fast in der gleichen Sekunde los. Sie mussten lachen und stellten
die Geräte ab.
»Okay, ich denke du solltest dir frische Sachen aus
deinem Zelt holen und dann hast du jede Menge Zeit zum duschen.«
Das sagte Nico nicht, weil ihm Marco durch unangenehme Gerüche
aufgefallen war, sondern um ihn dezent aus dem Umfeld hier
zu entfernen, bevor irgendwelche Gerüchte Nährboden
finden könnten.
»Das Viech ist weg, oder?«
»Das kann ich dir versprechen. Außerdem ist dir
hoffentlich klar, dass du nicht jede Nacht hier pennen kannst.«
Marco lachte. Ein angenehmes, fast fröhliches Lachen,
das ohne weiteres anstecken konnte. »Wo hab ich denn
gepennt? Eine halbe Stunde vielleicht. Aber oki, dann geh
ich mal. Man sieht sich.« Er stand auf, brachte seine
Tasse in die Küche und verließ das Gebäude.
Nico beobachtete ihn, wie er langsam zum Sammelplatz lief.
Ein graziöser Gang, immer noch, auch wenn ihm der Weg
dahin sicher nicht leicht fiel. Kaum zu glauben, dass es dieser
Junge fertiggebracht hatte, einen gestanden Metzger umzuhauen,
dabei vor einer kleinen Spinne in Panik geriet und ihm fiel
im Gegensatz dazu der Kuss ein. Zart wie ein Wattebausch,
warm und sinnlich. Und diese Gegensätzlichkeit gefiel
Nico, gefiel ihm sogar ausnehmend gut. Stefan war Streitigkeiten
mit Dritten immer aus dem Weg gegangen, er verabscheute Gewalt
wie selten etwas anderes. Einmal wurden sie nach dem Besuch
einer Schwulendisko von einer Handvoll wüster Rabauken
angepöbelt. Aber Nico hatte sich schon zwei ausgesucht,
mit denen er es aufnehmen wollte, während Stefan zur
Flucht drängte. Also waren sie in einem Affenzahn zu
ihrem Wagen gerannt und mit quietschenden Reifen davongebraust.
Marco hätte es mit ihnen allen aufgenommen, da war sicher.
Natürlich war das keine besonders lobenswerte Eigenschaft,
aber Nico lehnte sie nicht grundlegend ab.
Er nahm seine Tasse mit auf das Zimmer und setzte sich auf
die Fensterbank. Viel zu viel gequalmt, dachte er beim aufflammen
seines Feuerzeugs. Aber immerhin, es war eine sehr aufschlussreiche
Nacht und damit begann er, sich Stichworte in sein Buch zu
schreiben. Irgendwann würde er es auf eine Worddatei
übertragen und letztendlich zu einem Referat zusammenfassen,
das er nach dem Praktikum zu halten hatte. Die Sache mit dem
Kuss, die Berührungen jener Nacht allerdings schrieb
er in Klammern, diese Dinge würde nie jemand außer
ihm und den Beteiligten erfahren.
Ausgerechnet jetzt war ihm nach einer langen, ausgiebigen
Dusche, bis hin zum Frühstück. Aber das war angesichts
der Tatsache, dass Marco dort ebenfalls aufkreuzen würde,
kaum machbar. Es sei denn, er würde es darauf ankommen
lassen. Die Sache mit dem Kuss hatten sie nicht mehr angesprochen
und wenn Marco das tatsächlich aus reiner Dankbarkeit
getan hatte, war jeder weitere Gedanke daran nichts weiter
als Makulatur. Nico fand auf die Frage, ob er das bedauern
sollte oder nicht, selbst keine Antwort. Immerhin blieben
ihm noch einige Tage. Sollte sich Stefan nicht melden.. aber
er schlug diesen Gedanken, der sich in ihm zusammenbrauen
wollte, nieder. Keine Ausflüchte, dass er doch alleine
war, dass es keine Freundschaft geben würde, die ein
Abenteuer vereiteln könnte.
War Marco bereits unter der Dusche? Dazu musste Nico nicht
hinein, man hörte normalerweise auch schon außerhalb
das Wasser rauschen. Er lauschte an der Tür, aber es
war weiterhin sehr ruhig im Gebäude. Rick war mit ihnen
aus dem Zimmer gegangen als sie in die Küche gingen und
wohl noch immer draußen irgendwo verschollen. Rainer
würde wohl noch schlafen.
Nico trat vor das Gebäude und setzte sich auf die Bank.
Keine Dinge tun, die anstrengend waren, zumindest jetzt nicht.
Die Sonne wanderte nun linker Hand hinter den Bäumen
hervor und tauchte die Wipfel in ein unecht wirkendes, goldenes
Licht. Die Vögel waren schon seit einer Stunde zugange,
sonst rauschte nur dieser sachte Wind. Es schien aber mehr
so, dass er die Nacht aus dem Wald blasen wollte, sanft wie
ein Kuss.. Nico seufzte. Nichts beschäftigte ihn so wie
das, was in der letzten Nacht hier gelaufen war. Erneut musste
er sich fragen, ob er sich ein bisschen in den Jungen verliebt
hatte. Wenn ja, musste er Abstand halten, räumlich und
verbal.
Dann sah er Marco drüben aus dem Wald kommen. Er lief
nicht, sondern joggte. Ja, das hatten sie auch meistens gemacht..
Unter dem Arm ein Bündel Wäsche und nur mit einer
Sporthose bekleidet. Nico kniff die Augen zusammen. Schöne,
kraftvolle Bewegungen, der Junge trampelte nicht einfach vor
sich hin.
Als er bei Nico ankam, glitzerten feine Schweißtröpfchen
an seiner Stirn. »Puh, das wird ja was werden heute.«
Mehr sagte er nicht, ging an Nico vorbei hinein ins Gebäude.
Vielleicht brauchte er ja nicht lange und Nico blieb Zeit
genug zum duschen, bis die anderen auftauchten. Sehr früh
würden sie nach der aufregenden Nacht nicht aus ihren
Schlafsäcken kommen.
»Guten Morgen«, hörte Nico dann hinter sich.
Bode stand unter der Tür und streckte die Arme in den
Himmel. Gekleidet war er mit einer Short und einem weißen
Unterhemd. Nico musste grinsen, denn er fand solche Hemden
ziemlich altmodisch.
»Morgen. Kurze Nacht, wie?«
Bode setzte sich neben ihn und streckte die nackten Füße
aus. »Allerdings.«
Ȇbrigens, es ist ein Schuss gefallen. Da hinten
irgendwo«, sagte Nico und nickte mit dem Kopf in Richtung
Camp. »Weiter weg wohl, aber ich hab Angelmann angerufen.«
Bode zog dir Beine wieder an. »Ein Schuss? Hm.. und
was hat Hubert gesagt?«
»Dass er gleich nachsehen wollte.«
»Dieses Schwein. Na ja, über kurz oder lang wird
er den kriegen. Aber okay, ich werd dann mal unter die Dusche
gehen.«
»Wenn dir nichts ausmacht, dass da Marco schon zugange
ist.«
Bode grinste »Nee, nicht wirklich. Eigentlich kommt
es oft vor dass die Jungs mit uns duschen. Also, auch umgekehrt.
Es ist ziemlich anstrengend, wenn man denn auch da noch ein
Zeitmanagement austüfteln wollte. Im Übrigen.. es
hat sich noch nie jemand drüber beschwert.«
Nico zog die Mundwinkel hoch. Was wurde das denn jetzt? Stand
er blöd da, weil er das nicht wollte? Es ging ja nicht
darum, dass er sich an den Jungs gestört hätte,
sondern genau das Gegenteil der Fall war. Die Sache mit Marco
war im Begriff, merkwürdige Formen anzunehmen, daran
zweifelte Nico seit der letzten Nacht nicht mehr. Natürlich
war der harmlose Kuss noch lange kein Beweis, dass Marco etwas
von ihm wollte, aber einen hundertprozentigen Gegenbeweis
gab es auch nicht.
»Was ist, kommst du mit? Noch sind die anderen ja nicht
da.«
Rainer Bode tat gerade so, als wäre es für Nico
ganz selbstverständlich, dass er sich zu nackten Jungs
unter die Dusche stellte. Aber ganz so einfach waren die Dinge
nun doch nicht. Trotzdem raffte er sich auf, denn in Rainers
Begleitung dürfte es keine brenzlige Situation geben.
Während Bode bereits den Duschraum aufsuchte, holte
Nico seine Utensilien aus dem Zimmer und kam ihm dann nach.
Es war schwierig zu sagen, ob es ihm gefiel dass Marco die
Duschen gerade wieder verließ. »So, das hat die
Lebensgeister wieder angeleiert«, sagte er zu Nico,
als sie aneinander vorbei gingen. »Viel Spaß«,
wünschte der Junge noch, dann war er auch schon draußen.
War da doch nichts? Gar nichts? Nico blickte Marco kurz hinterher,
schnupperte die Duftwolke, die er hinterlassen hatte und ging
dann in den Duschraum. Das heiße Wasser lenkte ihn ab
und von Bode nahm er so gut wie keine Notiz. Vielleicht war
das alles ja auch nur Gewohnheit, würde in Kürze
ganz einfach zur natürlichsten Sache der Welt. Denn dass
er sich total vertrödelte merke er erst, als er die anderen
Jungen in den Duschraum kamen.
Steins leerer Platz am Frühstückstisch war ungewohnt.
Seine Abwesenheit schmeckte Nico einfach nicht und er war
nicht imstande, den eigentlichen Grund dafür herauszufinden.
»Falk kommt heute Abend wieder?«, fragte er Michael
und Rainer.
»Ja, aber er wird wohl nicht hier erscheinen. Immerhin
zieht er ja nicht nur hier, sondern auch aus seiner Wohnung
im Ort aus. Der wird uns hier nicht mehr zur Seite stehen«,
antwortete Bode.
»Und du machst.. also du bist der Nachfolger?«
»Ja, zumindest kommissarisch. Man tüftelt noch,
ob ein anderer auf Steins Stelle kommen soll.«
»Rainer, das versteh ich einfach nicht. Du bist doch
schon so lange hier. Wer um Himmels Willen sollte denn Nachfolger
werden? Ein Fremder vielleicht?«
Bode zog die Schultern hoch. »Ich hab keine Ahnung.
Professor Roth wollte mich noch mal drauf ansprechen, aber
bis jetzt kam da nichts.«
Nach einem kurzen Blick in die Tageszeitung beendeten sie
das Frühstück. Bode stand auf und ging zum Tisch
der Gruppe. »Also Leute. Heute wollen wir..«
Nico hörte nur mit einem Ohr zu, er wusste ja in ungefähr
was kommen würde. Es stand nur die Frage stand im Raum,
ob er mitlaufen durfte. Eigentlich wäre es im Rahmen
seines Praktikums sicher sinnvoll gewesen. »Meinst du,
ich kann mit?«, fragte er Michael, der dann von der
Zeitung zu ihm aufsah.
»Hm, ich wüsste nicht was dagegen spricht. Voraussetzung
wird dann wohl sein, dass du dich im Hintergrund hälst.
Du weißt ja, sie müssen den Weg zum Bahnhof alleine
finden.«
»Ja, schon klar.«
Die Gruppe verließ dann unter einigen kleinen Protesten
den Raum. Verständlich im anbetracht der Wetterlage.
Eigentlich war es fast eine Strafe bei der Hitze da hoch zu
müssen, aber letztendlich waren sie ja nicht zu ihrem
Vergnügen hier.
Rainer Bode kam noch einmal an den Tisch. »So, ich
geh jetzt mit denen zum Camp. Gruppenführer bestimmen,
Equipment austeilen. Nico, möchtest du mitkommen?«
Nico stand auf. »Klar.«
»Du, Rainer? Kann ich nicht mit ihnen laufen?«,
fragte Nico vorsichtshalber auch ihn, als sie auf dem Weg
zum Camp waren.
»Im Grunde hab ich nichts dagegen. Du musst sie halt
machen lassen. Bringst du das hin?«
Nico atmete auf. »Klar. Ich lauf ihnen im Abstand hinterher.
Ich meine, es ist ja auch für mein Praktikum wichtig.«
Bode lachte. »Klar, so würd ich das auch sehen.«
Die Auswahl des Gruppenführers hatte sich in seiner
Art und Weise nicht geändert. Roko Svenic war der erste,
der eine Frage stellte und wurde damit automatisch ausgewählt.
Nico verfolgte die Angelegenheit mehr aus dem Hintergrund,
ab jetzt würde er sich eher wie ein Schatten verhalten.
Nichts sagen, nur da sein in gebührendem Abstand. Dennoch
hielt es Bode für besser, wenn Nico den Erste Hilfe Kasten
bei sich trug und weil man wegen dieses Wilderers nicht wissen
konnte, schien auch Ricks Begleitung angebracht.
Bode nahm Nico zur Seite. »Also, die wissen Bescheid.
Simon hab ich gesagt, dass Rick mitgehen muss und er ist einverstanden.
Ich meine, wir dürfen so eine Paranoia nicht einfach
unter den Tisch kehren. Meine Bitte an der Stelle: Halt dich
raus, Nico. Tu so, als wären sie nicht da.«
Nico wusste, wie schwierig das werden konnte. »Muss
ich es.. schwören?«
Bode grinste. »Nein, das ist quatsch. Aber versuchen
solltest du es trotzdem.«
Den Abstand von etwa zwanzig Metern hielt Nico
für angemessen. Diese Entfernung stellte sich nach etwa
einer viertel Stunde als passabel heraus. Rick trottete mal
vor, mal neben, mal hinter ihm. Die Hitze hatte noch nicht
den Höhepunkt erreicht und es war fast angenehm zu laufen.
Sobald die Gruppe stehen blieb, um in die Karte zu sehen,
hielten auch die beiden Nachzügler an. Hin und wieder
beobachtete Nico, dass sie zu ihnen blickten, wohl um sicher
zu sein dass sie noch da waren. Eigentlich war es nicht ganz
so ideal, denn die Jungen konnten sich auf Hilfe verlassen,
sollten sie sich trotz allem verlaufen. Aber daran war nichts
zu ändern und Nico würde ihnen jedoch keinesfalls
helfen, falls sie den falschen Weg einschlugen. Er würde
ihnen, trotz besseren Wissens, einfach nachlaufen.
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