| Nico sah ihm nach,
dann setzte er kurz entschlossen hinter ihm her.
» Lucas, warte noch einen Moment.. «
» Hey, oft darfst du mich aber nicht aufhalten... «
» Nein aber hier, meine Handynummer. «
» Oh, klar... «
Er drückte ihm einen kleinen Fresszettel in die Hand.
» Und noch etwas: Egal was passiert, wenn du merkst
dass der geringste Wind aufkommt – sofort zurück,
hörst du? Und wenn es bloß ein laues Lüftchen
ist. «
Lucas nickte und verschwand im Wald.
Inzwischen war es Alexander gelungen, mit trockenen Reisern
ein Feuer zu entfachen. Das Holz war Brottrocken und schon
kurz darauf begannen um einige der Scheiten die Flammen zu
züngeln.
Nico setzte sich in den Sand an der Feuerstelle, er war irgendwie
fertig und Stefans Gesicht tauchte vor ihm auf.
Erkan, der sich neben ihn gesetzt hatte, legte seinen Arm
um seine Schulter. » Und, alles klar bei dir? «
Nico tat diese Berührung gut. Er hätte niemals
gedacht dass er sich so in einen Jungen verlieben könnte.
Das heißt, erst jetzt merkte er wie sehr ihm Stefan
fehlte. Dabei kannte er diesen Jungen doch eigentlich überhaupt
nicht - und dennoch ging er ihm nicht mehr aus dem Kopf.
Er streichelte Erkans Hand. » Lieb von dir. «
» Was? «
» Naja, ich dachte eigentlich, dass ich dir jetzt egal
bin. Und jetzt versuchst du mich aufzubauen. Das meine ich.
«
» Mensch Nico, ist doch selbstverständlich. Ich
denke, wir müssen grade jetzt alle zusammenhalten. «
Nico antwortete mit einem Lächeln.
Während Alexander das Feuer in Schach hielt und nebenbei
die Holzkohle beischleppte, ertappte sich Nico dabei, dass
er alle Minute auf die Uhr sah. Es machte ihn nervös
dass sich nichts tat, von Stefan und Lucas keine Spur.
Dummerweise hatte er die Handynummern der beiden nicht und
so machte sich eine gewisse Hilflosigkeit in ihm breit.
Stein war an allem Schuld. Hätte der ihm von Anfang an
geglaubt, wären sie längst in Sicherheit.
Er zog sein Handy aus der Tasche und schielte fast ängstlich
auf den Ladezustand. Hier draußen gab es keinen Strom
um die Akkus aufzuladen und jedes Gespräch musste so
knapp wie möglich ausfallen. Sein Akku war halb voll,
das musste reichen. Er überlegte, was mehr Energie verbrauchen
würde: SMS oder telefonieren?
» Wer hat ein Handy dabei? « rief er dann.
Die Jungs sahen sich an. » Komische Frage. Jeder, oder?
« antwortete Alexander.
Erkan und Manuel nickten ein wenig überrascht.
Nico beruhigte sich wieder. » Gut, das ist sehr gut.
«
Mittlerweile war von der Sonne nichts mehr zu sehen, nur
ein einheitliches Grau überzog den Himmel. Dennoch wartete
Nico ab. Es blieb ihnen Zeit, noch regte sich kein Lüftchen.
Plötzlich hörte er Stimmen aus dem Wald und sein
Gesicht hellte sich auf. Stefan kam in schnellen Schritten,
hinter ihm die Jungs aus der Ältestengruppe.
Schwer atmend kamen sie zu dem Platz.
» Alexander, du hast nun genug zu tun, siehst du? «
rief Erkan grinsend, aber auch erleichtert.
» Macht nix, die kriegen wir auch noch satt. «
Nico kam Stefan entgegen, nahm ihn in den Arm und drückte
ihm einen Kuss auf die Wange. Dass sie nun von mittlerweile
acht Jungs beobachtet wurden war ihnen egal.
Nico ging zu den fünf Neulingen hinüber. »
Hallo, es freut mich echt dass ihr gekommen seid. «
Gerd und Jochen waren auch dabei und strahlten ihn an.
» Äh, habt ihr was zusammen? « wollte einer
der Neuen wissen. Groß, kräftig, durchtrainiert
sah er aus.
» Ja, haben wir. Aber ich denke, das tut nichts zur
Sache « entgegnete Nico knapp. Vielmehr setzte er fort:
» Wo ist Leo? Der ist doch euer Gruppenführer «.
» Keine Ahnung. Der ist kurz bevor Lucas kam weggefahren.
Wollte seine Besorgungen machen, sagte er « antwortete
der große Kerl.
» Aha. Nun, Lucas wird euch sicher erklärt haben
um was es geht. Was uns noch fehlt sind die drei aus der..
« er räusperte sich.. » aus dem Kinderlager.
«
Die Jungs lachten und grinsten, aber plötzlich wich
es genauso schnell wie es gekommen war.
Eher ernst sah ihn der Junge an, zu dem Nico richtig aufsehen
musste. » Was heißt, die fehlen? «
» Äh, wer bist du.. «
» Andreas Koch. Wer bist du und wo sind die Kids? «
» Nico mein Name. Ich versuche hier nur Chaos abzuwenden,
deswegen führ ich mich so auf. Hat aber nichts zu bedeuten.
Wo die Jungs sind weiß ich nicht. Unser Gruppenführer
ist verschwunden, niemand weiß wo er ist. «
» Aber die müssen hier raus « sagte ein
anderer von den Neuen leicht nervös. Er war noch ein
paar Zentimeter größer als Andreas.
» Ja, bloß, wo soll man denn nach ihnen suchen?
« Nico sah sich die Neulinge genauer an. Wieso hatte
er plötzlich das Gefühl, sich geborgen zu fühlen,
sicher irgendwie?
Der Neue, der den letzten Satz sprach, streckte sich auf.
Imposant machten sich seine einsneunzig und er schien bereits
eine Entscheidung getroffen zu haben.
» Okay, es gibt hier nichts zu beißen bis wir
die Jungs gefunden haben. Andreas, Daniel und ich machen uns
Richtung See. «
Er fragte sie nicht, er bestimmte einfach und es gab keinen
Widerspruch.
» Es gibt einen See hier? « fragte Nico.
» Ja, und ich vermute sie dort. Wer kommt noch mit?
«
Alexanders Augen wurden groß. Ein Blick fiel zu dem
Anhänger mit den Fressalien, einer auf Nico.
Der sah ihn an und schüttelte den Kopf, er würde
Alexander hier gebrauchen.
» Peter, kein Problem, die finden wir « antworteten
Gerd und Jochen fast im Gleichklang dem Hünen und zwinkerten
Nico zu. Da war sie also, die Revanche. Sie hatten seine Rettungsaktion
in der Toilette auf dem Dachboden also wirklich nicht vergessen.
Er konnte sich keine bessere Quittung wünschen.
Erkan trat zu ihnen. » Bin dabei. «
» Ich auch « rief Lucas und Manuel trat schließlich
ohne Worte zu der Gruppe.
» Schnappt euch was zu trinken und dann los «
rief Peter. Unterwegs mache ich einen Plan « rief Peter,
dieser Hüne.
Das Suchkommando ging am Anhänger vorbei und Alexander
warf jedem gekonnt eine Plastikfalsche Mineralwasser zu. Ohne
weitere Worte verließ die Gruppe den Platz.
Stefan blies die Luft hörbar aus seinen Lungen. Er stellte
sich neben Nico und sah mit ihm, wie die Jungs im Wald verschwanden.
» Hab ich ja noch nie erlebt.. «
» Stefan, ich auch nicht. Die machen sich echt Sorgen
um die Kleinen und... «
Er nahm Stefan in den Arm. » Lass uns beten dass sie
sie finden. «
» Tun sie, verlass dich drauf. «
Sie legten sich gegenseitig die Arme auf die Schultern und
sahen sich an. Stefan wirkte abgehetzt und müde, seine
Haare klebten am Kopf und einige freche Locken lagen auf der
schweißnassen Stirn. Aber seine Augen hatten nichts
an Glanz verloren.
» Wenn wir nicht diese Situation hätten.. «
säuselte er regelrecht.
» Sag mal, wo wohnst du eigentlich? « fragte
Nico und ließ das Gesicht seines Gegenübers nicht
aus den Augen.
Stefan lächelte. » Kassel. «
» Oh, noch n Hesse.. «
» Tja, erbarmen.. «
Sie lachten, aber schon Augenblicke später wurde Nicos
Blick wieder nachdenklich.
» Nico, sag mal, du meinst doch nicht ernsthaft die
Verantwortung für all das hier übernehmen zu müssen?
«
» Nein, nicht wirklich. Aber ich hab irgendwie Angst
um die Kleinen. «
» Hör mal, die sind vierzehn und fünfzehn.
Das sind keine Babys mehr. «
» Ist mir klar, aber ich.. ach, ich weiß auch
nicht. «
» Komm her « flüsterte Stefan und zog ihn
zu sich heran. » Die Großen kriegen das hin. Ich
hab mir Peter genauer betrachtet, der schmeißt das.
Und die kommen garantiert nicht zurück ohne die... Kleinen..
im Gepäck. «
Nico lächelte.
» Zja, also die Glut wäre jetzt grade richtig!
« rief Alexander.
Stefan und Nico sahen sich an.
» Ich glaube, auch wenn uns nicht zum Essen zumute
ist, wir sollten es tun. Keiner weiß was uns noch erwartet.
«
Nico zog die Schultern hoch. » Okay, was solls. Ein
bisschen Zeit haben wir ja noch. «
Schweigend aßen sie wenig später einige der Spieße.
Hunger verspürte keiner, aber es war nicht abzusehen
wann sie wieder etwas zwischen die Zähne bekommen würden.
Allmählich wurde es am Westhorizont dunkler. Und es
war verdächtig ruhig ringsum. Kein Wind, kein Vogel unterbrach
die Stille. Nur die Mücken wurden aufdringlicher.
» Diese Biester werden immer wilder. Nico, du hast
recht, das was da kommt ist nicht ohne « stöhnte
Stefan und schlug um sich.
Nico wurde wieder nervöser und griff zum Handy.
» Hallo Walter, sag, was geht ab? «
» Hi Nico. Hamburg und Bremen waren grade dran. Dächer
abgedeckt, Bäume entwurzelt und überall laufen die
Keller voll. Gebrannt hat es auch an vielen Stellen, die Blitzrate
ist ungeheuer. Im Raum Wildeshausen soll ein Tornado runter
sein, ist aber noch nicht sicher. «
» Was?! «
» Ja, mach dass du dort rauskommst. Wie auch immer.
«
» Danke Walter. «
Nico brach der Schweiß aus. Der Hitze wegen zum einen,
der Aufregung zum anderen.
» Ob Rainer Bode gemerkt hat was los ist? Vielleicht
hat er die Kleinen ja schon weggebracht « versuchte
Stefan die Lage zu entschärfen.
» Bode? Dieser Jungspund? Woher will der was übers
Wetter wissen? Glaub ich nicht. Die tüfteln vielleicht
irgendwo wie man einen See fachmännisch überquert
und freuen sich auch noch, dass die Sonne nicht mehr runterknallt.
Oh, ich könnte.. «
» Nico, bitte. Nicht jeder kann alles wissen und nun
warte doch noch. Peter wird sie finden.. «
» Hey, du redest ja schon wieder in höchsten Tönen
von ihm... «
Stefan grinste fast schon unverschämt. » Oh Nico,
langsam. Der Typ ist ganz in Ordnung. Ein bisschen Richtung
Grobian und Türsteher, aber ich denke der hat ne Menge
im Kopf. Und falls du meinst, der wär was für mich
– weit gefehlt. Ich halt mich da eher an Jungs mit braunen
Haaren mit ein paar blonden Strähnchen drin, süßen
Stupsnasen, blauen Augen mit langen Wimpern drumrum, sinnlichen
Lippen, Pfirsichhaut, Wespentaille und ner geilen Stimme wenn
sie leise sprechen. Außerdem riechen und schmecken sie
gut und sind sehr anständig. Leider gibt’s davon
nicht grade viele. «
Nico starrte ihn an.
» Ja, ja « setzte Stefan fort, » du hast
dich grade im Spiegel gesehen. Ich hab dich gemeint, du Eifersuchtsnudel.
«
» Mir? Soso. Hälst mir also einen Spiegel vor?
«
» Yep, hab ich. «
Nico verging fast unter dem Blick, der Stefan ihm zuwarf.
Wäre die Situation doch bloß eine andere gewesen.
Aber hier und jetzt wurden Gefühle aller Art mehr als
gedämpft.
» Verflucht, wo bleiben die? Lucas müsste Stein
längst gefunden haben. « rief er.
» Falk Stein hat gesagt, der Wald ist groß. «
» Hab ich noch im Ohr, ja! « Nico reagierte gereizt.
Stefan zog seine Jacke aus, die schwüle Hitze wurde
allmählich unerträglich, zumal das Feuer seinen
Beitrag zusteuerte. Auch Nico riss sich das Teil vom Leib.
Wenigstens hielt jetzt der Rauch die lästigen Stechmücken
ab.
Alexander schaute sie an. » Oh, gibt’s jetzt
n Striptease? « sah an sich herunter und zog seine Jacke
ebenfalls aus.
» Mir wird es langsam brenzlig. Stefan, komm, wir sehen
uns den Sanitärwagen mal näher an « sagte
Nico.
Stefan folgte ihm willig zu dem Wagen und sie liefen ein
paar Mal um ihn herum.
» Naja, in der Not besser als nichts. Holt mal eure
Sachen, wir reservieren uns schon mal die besseren Plätze.
Aber nicht mehr als nötig. Schlafsack und Rucksack. Die
Zelte werden wir eh abschreiben können. «
Alexander wurde wieder ängstlich. » Meinst du
wirklich, das fliegt alles fort? «
Nico nahm ihn freundschaftlich in den Arm. » Keine
Ahnung. Vielleicht kommt ein bisschen Wind auf und das war's.
Vielleicht fegt es hier aber auch alles weg. Rechnen wir mit
dem Schlimmsten, dann kann uns nicht viel passieren. «
Alexander ging zu seinem Zelt, und Stefan hielt Nico am Arm
fest.
» Was meinst du nun wirklich? Haben wir eine Chance?
«
» Ja, eine kleine. Wir können froh sein dass der
Tannenwald jung und stabil ist. Ich frage mich bloß
wo die anderen sind. Ich glaub ich mach mich jetzt selbst
auf die Suche. «
» Was? «
» Ja, ich halt das Warten nicht mehr aus. Alle sind
da draußen, wegen mir. «
» Wegen dir? Sag mal, spinnst du? Die wissen worauf
es ankommt. Sie werden Deckung suchen wenn es losgeht und
Peter.. «
Nico starrte ihn an. » Peter? Schon wieder der? «
» Zum Donnerwetter. Ich hab dir gesagt dass ich nichts
von ihm will und nichts mit ihm hatte. Und meines Wissens
nach ist der überhaupt nicht schwul. Aber er ist der
einzigste da draußen der die Sache im Griff hat! «
Stefan war laut geworden und Nico zuckte leicht zusammen.
Plötzlich zog ihn Stefan zu sich heran und drückte
seine auf Nicos Lippen, steckte ihm seine Zunge in die Mundhöhle
und ließ eine Abwehr nicht zu. Nicos Widerstand erschlaffte
nach wenigen Sekunden und er gab sich der liebevollen Attacke
hin.
Lange standen sie so da, schließlich vor Alexanders
ungläubigen Blicken.
Nico sackte etwas zusammen und Stefan hielt ihn fest.
» Geht’s dir jetzt besser? « fragte er.
» Ein bisschen.. «
» Also, lass den Unfug. Wir warten hier bis sie wiederkommen.
Und das werden sie. «
Nico nickte und ging langsam zu seinem Zelt.
» Wow, das war aber heftig « sagte Alexander
leise, » scheint mir, ich hab da wohl was verpasst.
«
» Was hast du verpasst? « wollte Stefan wissen
und grinste schon fast hinterhältig. Er ahnte was Alexander
damit meinte, aber er ließ ihn zappeln.
» Naja, eben.. Ach, ist ja auch Wurscht. Mir ist's
egal, ich hab nichts gegen.. «
» .. gegen was? «
» Oh Stefan. Wenn Jungs sich küssen. Dagegen meinte
ich hab ich nichts. « stöhnte Alexander und grinste
schelmisch.
» Dann ist's ja gut. « Stefan gab ihm einen freundschaftlichen
Klaps auf den Hinterkopf, dann folgte er Nico in das stickige
und feuchtwarme Zelt.
» Entschuldige, ich hab mir nicht anders zu helfen
gewusst. «
» Macht nichts, du hast ja recht. Es ist bloß
zum kotzen wenn man so machtlos dem allem gegenübersteht.
Und ich hab jetzt echt Angst um die alle. «
» Komm, es ist doch noch Zeit. «
Nico ließ sich auf seinen Schlafsack fallen. »
Mann, bin ich im Eimer « stöhnte er.
Stefan landete neben ihm. » Ich auch. Aber für
ein Nickerchen bleibt wohl keine Zeit, wie? «
Nico sah auf die Uhr.
» Vier Stunden, vielleicht fünf. Und noch immer
kein Zeichen von denen.. «
Stefan beugte sich über ihn. » Komm, lass uns
die Zeit vertreiben. Wir haben den Wagen, die werden alle
bald hier sein und nichts kann uns passieren. «
Nico fuhr durch Stefans Haare. Die Art, wie er reden und
beruhigen konnte gefiel ihm. Er wäre der Gegenpol zu
seinem eher hektischen Leben. Eben der Junge, den er gern
um sich gehabt hätte. Nicht nur jetzt, sondern für
immer. Er ahnte, dass das ein Wunschtraum war. Viel zu viel
hing noch davon ab, aber jetzt, in diesem Moment, war Stefan
unersetzlich.
Stefan tastete ihm über den scheißnassen Bauch,
die Brust, zurück zu den Hüften, hinauf um den Hals,
durch die Haare, über das Gesicht, die Nase, die Lippen,
die Stirn und die Augen. Nichts ließ er aus und Nico
hatte das Gefühl, ein Stromkabel führte über
ihn hinweg. Dazu kamen aufreizende Gerüche, und Stefans
leises, aber erregtes atmen.
» Lass uns aufwachen, Stefan. Irgendwo. Nur nicht hier.
Es ist ein Albtraum. «
» Lass mal, wir sind hier schon richtig. Es ist ja
vielleicht Schicksal, wer kann es wissen. Wir haben viel Zeit
zusammen wenn das alles hier vorbei ist « sagte Stefan
und küsste Nico auf eine Brustwarze.
Nicos Körper zuckte zusammen, seine Sorgen und Ängste
verließen ihn. Er kraulte Stefans Haare, wuschelte sie
durcheinander. Jetzt schickte auch er seine Fingerspitzen
auf Reisen. Der schöne Hals, die Schläfen, die Schultern,
alles durchstreifte er mit viel Gefühl. Stefan hob den
Kopf, näherte sich Nico mit leicht geöffnetem Mund.
Nico streckte die Zunge aus und leckte Stefan über die
Lippen. Gleichzeitig spürte er eine Hand zwischen seinen
Beinen und wie flinke Finger seine Knöpfe aufmachten.
» Gibt’s dafür einen Lehrgang? « fragte
er leise, aber Stefan lächelte nur.
Schon spürte er die Finger an seinem Schamhaar, wie
sie es sachte durchstreiften. Wenn es bei sich selbst tat,
hatte er dabei noch nie viel Lust verspürt, aber jetzt
krampfte sich sein Körper unter dieser Berührung
zusammen. Stefan lag über ihn gebeugt, und so konnte
er nur spüren was passierte. Wie sein Schwanz anschwoll,
wie sich eine kräftige Faust um ihn legte und wie eine
nasse Zungenspitze seine Eichel kitzelte. Er schloss die Augen,
genoss jede Sekunde dieser Liebkosung.
Stefan war vier Jahre älter als er, fiel ihm ein. Aber
er hatte so viel Jungenhaftes an sich, dass man das überhaupt
nicht merkte. Er hätte ihn gern gefragt wie oft er das
schon gemacht hat, aber er schwieg.
Stefan nahm seinen Schwanz soweit in den Mund wie er konnte
und gleichmäßig saugte und lutschte er darauf herum.
Nico entwich ein leichtes Stöhnen wenn er nur mit der
Zunge seine Eichel bearbeitete.
Stefans Körper war schweißnass, wie auch seiner.
Unter der drückenden Hitze in dem kleinen Zelt geriet
die Aktion zum Gewaltakt, dennoch spürte Nico nach ein
paar Minuten das berühmte brennen in seinem Unterleib.
Seine Hoden zogen sich dicht an den Körper heran und
wurden von Stefan mit der anderen Hand lustvoll massiert.
Nicos Körper bäumte sich auf als ihn der Orgasmus
übermannte. Immer wieder spürte er die Fontänen
durch seinen Schwanz schießen, er sah nicht, was mit
ihnen passierte.
Nach und nach ebbte das Gefühl ab, er sank zurück
auf den Schlafsack. Stefan kniete sich auf und wischte den
Mund mit der Hand ab. Da wusste Nico, wo sein Sperma geblieben
war.
Stefan zog seine Hose herunter und kniete sich neben Nico,
der sofort Stefans steifen Schwanz in die Hand nahm und ihn
zu massieren begann. Stefan machte mit seinem Unterleib kreisende
Bewegungen und stöhnte leise.
Nico überlegte, ob er Stefans Sperma trinken sollte.
Er hatte seinen irgendwann einmal selbst probiert, aber er
fand nichts dabei. Salzig war es und glitschig, unbedingt
sein Fall war es nicht. Aber vielleicht schmeckte Stefan ja
auch ganz anders?
Als Stefan seinen Bauch immer weiter vorstreckte und den
Kopf nach hinten warf, wusste Nico dass es gleich soweit war.
Er näherte sich dem prallen Schwanz und öffnete
seinen Mund. Augenblicke später schoss ihm ein erster
Strahl direkt hinein, die anderen trafen seine Nase, die Wangen,
den Hals, die Brust. Warm lief es an ihm herunter und Nico
wichste Stefan so lange, bis sein Schwanz langsam abschlaffte.
Dann sackte Stefan neben ihm auf den Schlafsack. Er suchte
nach einem Taschentuch und wischte Nico langsam und zärtlich
sauber.
» Wo sind die denn alle hin? « hörten sie
plötzlich jemand vor dem Zelt fragen.
Schnell knöpften die beiden ihre Hosen zu.
Nur Augenblicke später steckte Nico seinen Kopf aus
dem Zelt.
» Hier, wir äh... packen grade « sagte er
und kroch heraus.
Vor ihm stand Peter und sein Grinsen verriet, dass er die
Geschichte mit dem packen nicht so ganz abkaufte.
Nico stand auf und er war plötzlich wie von einer großen
Last befreit. Das Erlebnis der letzten Minuten noch vor Augen
sah er sich um.
Das standen sie auf dem Platz: Gerd, Jochen, Peter, Daniel,
Manuel, Erkan. Und etwas verschreckt sah er Oliver und die
beiden anderen Jungs aus dessen Gruppe, jeder mit seinem Rucksack
beladen. Und am Schluss stand er Rainer Bode. Jeder bloß
noch ein nasses Bündel etwas, sie mussten sich sehr beeilt
haben.
Nico ging auf Bode zu.
» Wir waren schon unterwegs als sie uns gefunden haben.
Dumm nur, dass ich nicht wusste wann das Unwetter hereinbricht.
«
Nico wurde verlegen. Rainer Bode war kein ahnungsloser Jungspund,
der wusste was Sache war. Aber sich entschuldigen für
etwas, das er öffentlich nie ausgesprochen hatte? Er
konnte ihm seinen Respekt ja bei Gelegenheit zollen.
» Alex, was ist mit dem Feuer? « rief er statt
dessen.
» Man kann dann gleich zu Tisch « kam es als
Antwort und Alexander verteilte zuerst Wasserflaschen an die
Ankömmlinge. Er hatte sofort, als die Gruppe ankam, das
Fleisch auf den Grill gelegt.
» Ich werd das deinem neuen Ausbildungsbetrieb lobend
mitteilen « grinste Nico und Alexander lächelte.
» Wir müssen schnellstens hier weg « sagte
Nico zu Bode, der wenig später neben ihm ein Steak verdrückte.
» Ja, ich weiß, das wird heftig. Wo ist Falk
eigentlich? «
» Lucas sucht ihn, wir wissen es nicht. « Während
Nico das sagte begann sein Herz wieder schneller zu schlagen.
Er würde den Ort nicht verlassen bis wenigstens Lucas
wieder hier war. Stein war ihm egal, insgeheim ärgerte
es ihn Lucas nicht zurückgehalten zu haben. Keiner der
Jungs sollte hier zurückbleiben.
Er musterte nebenbei Rainer Bode. Eine kleine Kämpfernatur,
solche Leute konnten sich sicher tatsächlich von Maden
und Blättern ernähren.
» Falk Stein muss niemand suchen. Der war Einzelkämpfer
und Fallschirmspringer bei der Bundeswehr. «
» So, und wie kann es dann sein dass er das Unwetter
ignoriert? Ich dachte immer, die riechen sowas bevor der Wetterdienst
auch nur einen Hauch von Ahnung hat? «
Bode zog die Schultern hoch. » Weiß ich auch
nicht. «
» Ich muss mich bei Ihnen entschuldigen « sagte
er dann, obwohl er es nicht hätte tun müssen.
» Wegen was? « fragte Bode und trank die ganze
Wasserflasche auf einen Zug leer.
Nico riss die Augen auf. Er hätte so etwas nicht für
möglich gehalten.
Bode wischte sich über den Mund, rülpste ganz dezent
und sah Nico fragend an.
» Ich dachte, Sie würden das mit dem Wetter nicht
bemerken und hatte deswegen große Sorgen. «
» Ach, kein Problem. Ich war in jungen Jahren Segelflieger.
Und im Übrigen hatte ich mit Falk auch einen ziemlichen
Streit heute Morgen. «

» Aha? «
» Ja, ich sagte ihm übers Handy dass wir nicht
zu lange hier draußen bleiben dürften. Er hat das
überhaupt nicht registriert. Hat von Boykott und Faulsein
und keine Lust geredet. Hat mich schon ein bisschen geärgert.
«
» Und trotzdem sind Sie raus? «
» Ja, aber ich hab die Zeit im Blick gehabt. Oliver,
Philipp und Ralf hab ich gleich gesagt dass wir nicht zu lang
machen würden und die waren richtig Feuer und Flamme.
«
» Was? «
» Naja, ich hab ihn ein bisschen was übers Wetter
erzählt und für die war es nur spannend. Wie gefährlich
es momentan wirklich werden kann hab ich ihnen natürlich
verschwiegen um Panik zu vermeiden. «
Hundert Punkte vergab Nico in dem Moment an diesen jungen
Mann.
Inzwischen wurde es so duster, dass das Feuer einen leichten
Schatten zu werfen begann.
» Was meinen Sie, wie lange noch? « fragte Nico,
wieder die aufkommende Panik spürend.
» Schwer zu sagen, aber wenn uns nicht bald jemand
hier abholt, dann haben wir Probleme. Ich denke in drei Stunden
haben wir den Salat.
» Der Sanitärwagen, könnte der uns helfen?
« fragte Nico.
» Sicher, besser als Nichts. Es wird wohl ein bisschen
eng, aber wir haben keine andere Wahl. Der Hütte im Wald
traue ich noch weniger, da sind viel zu hohe Bäume drum
herum. «
Nico nickte zustimmend und er hatte endlich einen Verbündeten.
Alles schien darauf hinzulaufen dass sie in dem Wagen Schutz
suchen mussten. Aber es war ihre einzige Chance.
Er spürte eine Hand auf seinem Schenkel und sie gehörte
Stefan, der neben ihm saß. Nico hatte ihn nicht bemerkt
und war um diese Berührung dankbar. Er suchte die Hand
mit seiner und drückte sie sanft.
» Herr Bode, was ist wohl das Zeichen bevor es losgeht?
« wollte Nico dann wissen.
» Rainer. Das Sie lassen wir jetzt weg, es stört
mich. «
Nico nickte.
» Ich vermute, dass der erste Wind und das Wetterleuchten
zusammen auftreten. Auch denke ich dass es im Westen Rabenschwarz
wird. Wenn wir die Donner hören wird es Zeit alles zu
sichern. Ich geb uns ab da maximal eine Stunde. «
Nico nickte zustimmend, so ähnlich hatte er sich das
auch gedacht. » Wie stabil sind die Kleinen.. also..
ich mein.. Panik können wir nicht brauchen. «
» Keine Angst, die nehm ich in meine Nähe. Die
sind schon selbständig und all zu große Sorgen
musst du dir um sie nicht machen. Wir sollten aber trotzdem
nach einem Erste Hilfe Kasten suchen. Im Bus muss einer sein
« sagte Bode und ging sofort zu dem Fahrzeug.
Er lief um den Bus herum. » Abgeschlossen « rief
er dann resigniert.
Nicos Handy klingelte. Zitternd nahm er es aus der Tasche.
» Ja? «
» Nico, ich bin es, Lucas. «
» Mein Gott, wo steckst du denn? Wo ist Stein? «
» Ich bin hier unten am Fluss und hab alles abgesucht,
gerufen und was sonst noch alles – ich kann ihn nicht
finden. «
Nicos Schultern sackten nach unten. » Auch das noch
« sagte er leise.
» Was ist? « wollte Rainer wissen.
» Stein ist wie vom Erdboden verschwunden. Scheint,
als müssten wir doch hier bleiben. Kannst du Leo Meier
wenigstens erreichen? «
Rainer schüttelte den Kopf. » Mein Handy ist leer
und ich hab die Nummer nicht auswendig. «
Nico fürchtete, sie wären einer Verschwörung
zum Opfer gefallen. » Was für ein Handytyp hast
du? «
Rainer zeigte es ihm und es war ein Uraltmodell, in das keiner
ihrer Akkus passen würde.
Er nahm sein Handy wieder ans Ohr. » Lucas, komm bitte
sofort zurück, hörst du? Es hat keinen Sinn «
flehte er.
» Ich bin schon auf dem Weg « keuchte Lucas und
legte auf.
Nico wagte schon gar nicht mehr in den Himmel zu sehen, nur
der Blick auf seine Uhr machte deutlich wie die Zeit verrann.
» Komm, wir müssen sehen wie wir uns dann in dem
Wagen verschanzen können. «
Sie inspizierten den Sanitärwagen Meter für Meter.
» So schnell wirft den nichts um. Ich hatte zwar auch
daran gedacht, mit den Jungs in unserem Deckung zu suchen,
aber so nah an hohen Bäumen – und von Hand wär
das Ding nicht zu bewegen gewesen. «
» Ok, komm, da oben sind ein paar Ösen am Dach,
vielleicht finden wir ja so etwas wie Seile. «
» Vergiss es. Der Bus ist abgeschlossen und sonst wird
hier nichts herumfliegen. Die Spannseile der Zelte sind zu
kurz. Viel mehr Sorgen machen mir diese beiden blöden
Kunststoffkuppeln auf dem Dach. Die halten nicht viel ab,
weiß ich aus Erfahrung. «
Durch diese Kuppeln aus milchig eingefärbten Kunststoff
fiel das einzige Tageslicht in solche Wagen.
Nico sah zu der Feuerstelle. Die Jungs drum herum waren einfach
nur kaputt, sie realisierten die Gefahr nicht richtig. Aber
wenn die erste Böe über den Platz fegte, würde
man sie nicht zweimal bitten müssen. Er begann zu hoffen,
das überhaupt nichts passieren würde. Vielleicht
wirklich nur ein starkes Gewitter, das war sein Wunsch. Er
setzte sich in die Runde.
In diesem Moment spürte er einen leichten Luftzug auf
seiner Haut. Ob seine augenblickliche Gänsehaut von der
geringfügigen Abkühlung kam oder der noch unterschwelligen
Angst– darüber machte er sich keine Gedanken. Ruhe
bewahren war das oberste Gebot.
Seine und Rainers Blicke trafen sich, auch er hatte es gespürt.
Wie aus dem Nichts stand plötzlich Lucas auf dem Platz.
Nico trieb es beinahe die Tränen in die Augen. Jetzt
waren sie alle da.
» Gott bin ich froh dass du hier bist. «
Lucas tropfte der Schweiß förmlich von der Stirn,
er hatte seine Jacke über die Schulter geworfen und ließ
sich schließlich wie ein nasser Sack vor der Feuerstelle
auf den Boden fallen.
» Puh, jetzt kann ich aber nicht mehr « jappte
er.
Nico war sofort mit einer Wasserflasche bei ihm und flößte
ihm das kühle Nass ein. In großen Schlucken zog
Lucas fast die ganze Flasche leer.
Nachdem er wieder Luft bekam setzte er sich auf. »
Was zu essen wär nicht nun auch nicht schlecht. «
» Da musst du dich an Alexander halten, der ist dafür
zuständig. «
» Schon da « sagte der und hielt Lucas einen
Spieß hin.
Nico starrte in das Feuer. Ein fragender Seitenblick zu Rainer
ließ den zu Wort kommen.
» Okay, noch eine Stunde « sagte er und deutete
mit seinem Kopf nach Westen. Was Nico nicht sehen wollte ließ
ihn dann doch erstarren. Der Horizont war bereits undurchdringlich
schwarz.
Nico stand auf. » Wir sollten so langsam dran denken
wie wir alle in den Wagen passen. Tut mir leid, aber es kann
sein dass wir die ganze Nacht da drin zusammen verbringen
müssen. «
Keiner legte ein Veto ein, sie sahen sich nur müde an.
» Kommt, bringt eure Sachen her, wir haben nicht mehr
viel Zeit. Vergesst die Schlafsäcke nicht, die sind wichtig.
«
Behäbig standen die Jungs auf, Alexander lief zum Anhänger
mit den Lebensmitteln und packte alles was seine Taschen fassten
konnten.
Nico hätte das vergessen. Dankbar nickte er Alexander
zu. » Leute, geht erst Mal noch Getränke ausfassen.
Und alles was nicht in der Kühltruhe ist auch. Die Nacht
kann lang werden. «
Jeder stopfte sich seine Taschen voll, dann begannen sie
Besitz von dem Wagen zu nehmen.
Inzwischen fingen die Wipfel der Tannebäume langsam
an, sich im Wind zu wiegen, der Rauch des Feuers stieg auch
nicht mehr senkrecht auf, vielmehr begann er bald nach rechts,
bald nach links zu treiben und etwas Asche stob auf.
» Ich werde keinen Meter von deiner Seite weichen «
sagte Stefan leise, als er mit Nico zum Wagen ging. Nico sah,
dass Erkan sie beobachtete.
» Warte einen Moment « sagte er und ging zu ihm
hinüber.
» Erkan, du bist so still geworden. Ist was mit dir?
«
Der junge Türke schüttelte den Kopf. » Nein,
alles klar mit mir. «
Aber an seiner Stimme merkte Nico dass er log. Er schüttelte
den Kopf. » Mensch Erkan, ich kann doch nichts dafür.
Glaub mir, es ist.. «
» Schon gut, ich hab ja eigentlich auch nur nachgedacht.
«
» Worüber? «
» Wie das hätte werden können mit uns beiden.
«
Nico fürchtete im Boden zu versinken. Erkan liebte ihn,
irgendwie, und er hatte es gespürt. Aber er konnte gegen
seine Gefühle nicht ankämpfen, sie sprachen nun
einmal für Stefan. Dennoch - es war nicht der Zeitpunkt
um die Sache richtig zu stellen.
Er nahm Erkan sachte am Arm. » Komm jetzt, es wird
Zeit. «
Leises Grummeln erfüllte die Luft und es hörte
sich an, als würden Güterzüge in großer
Entfernung über kaputte Schienen fahren.
Inzwischen hatten alle ihre Sachen in den Wagen gebracht.
Ein Schlafsack lag neben dem anderen auf dem Boden, ohne Zwischenraum.
Manuel, Daniel, Jochen und Gerd lagen auch schon auf den
ihren und hatten die Augen geschlossen. Die Strapazen waren
ihnen anzusehen. Auch die drei Jüngsten verkrochen sich
auf ihren Plätzen.
» Also, dass ich je in meinem Leben einmal in einer
Klokabine übernachte – das hätte mir keiner
sagen dürfen, ich hätte ihn zum Depp erklärt
« witzelte Andreas.
Peter grinste. » Mach dir nichts draus, du bist in
feiner Gesellschaft – ich hab das Einzelzimmer neben
dir. «
» Ok, ich liege direkt neben den Kleinen « sagte
Rainer zu Nico, ohne dass die das hören konnten. »
Aber erst wenn es ruhiger wird. «
» Rainer, ich fürchte das geht die ganze Nacht.
Ich hab mich nicht auf Schlaf eingestellt. «
Rainer lächelte. » Ich auch nicht. «
» Komm, schaun wir was da draußen los ist. «
Sie traten vor die Tür, und setzten sich auf das zweistufige,
eiserne Treppengestell.
Stefan gesellte sich zu ihnen. » Hast du mal ne Zigarette?
«.
Nico fummelte in seiner Hosentasche. Er wusste nicht mehr,
wann er das letzte Mal geraucht hatte, aber jetzt war ihm
auch danach.
Tief zogen sie den Rauch ein und starrten an den Westhorizont,
der durch den Wald nur Stückweise zu sehen war.
» Schwarz wie die Nacht.. « sinnierte Stefan.
Nico und Rainer nickten nur.
Dann hellte sich das Dunkel für ein paar Sekunden auf.
Nico lief einen Schauer über den Rücken, sein Wunsch
ging scheinbar nicht in Erfüllung. Sie würden genug
abbekommen und seine Angst kehrte zurück. Es war aber
nicht die Angst um ihn selbst.
Da war Stefan, in den er sich zu verlieben begann.
Erkan, denn er sehr gern hatte. Und der offenbar sehr traurig
war dass er sich anders entschieden hatte.
Jochen und Gerd, die ein Herz und eine Seele waren.
Daniel, Peter, Andreas, die selbstlos auf die Suche nach den
Jüngsten gegangen waren.
Alexander, der sich aufopfernd gekümmert hatte und jetzt
ängstlich irgendwo in seinem Schlafsack verschwunden
war.
Oliver, Philipp und Ralf, seine „Kleinen“, in
deren Mitte sich Rainer seinen Schlafsack gelegt hatte.
Er warf ein Stoßgebet in den Himmel. Sollte er noch
einmal Walter anrufen? Fragen, ob seine Angst berechtigt war?
Stefan legte seinen Arm um Nicos Schulter und gab ihm einen
Kuss in den Nacken. » Wie sieht es aus? « hauchte
er fast.
» Nicht gut. Wir müssen uns auf alles gefasst
machen. «
Stefans Stimme klang besorgt. » Wir schaffen das. Oder?
«
» Klar « antwortete Nico und drückte Stefans
Hand, ohne sich seiner Antwort wirklich sicher zu sein. Dennoch
beschloss er, Walter nicht mehr anzurufen. Es würde nicht
wirklich nützen, denn sie waren hier draußen gefangen
und er machte sich so oder so auf alles gefasst.
Die Tannen begannen langsam zu rauschen, auch der Westhorizont
erhellte sich immer öfter. Dann war der erste ferne Donner
zu hören.
Eine Windbö traf das Camp. Die Haare der drei wirbelten
durcheinander, dann war es wieder vorbei. Mit diesem Windstoß
wurde es sofort um einige Grade kühler.
Plötzlich stand Alexander unter der Tür.
» Sollten wir nicht das Feuer löschen? Der Wind
treibt sicher die Funken in den Wald. «
» Nee, Alex, da kommt soviel Regen nach – da
brennt kein Wald mehr. «
» Ach so, ich dachte nur.. «
» Schon okay. Trotzdem, danke für den Tipp. «
Alexander sah ehrfürchtig in die nun herrschende Dunkelheit.
» So eine Scheiße « murmelte er und verschwand
im Wagen.
» Wir können nur noch beten « sagte Nico
und sah zum ersten Mal einen Blitz niederfahren. Der Himmel
dort wurde in dem Moment orangerot und erneut strich ein scharfer
Wind über den Wald.
» Vielleicht haben wir ja ein bisschen Glück.
Ich möchte bloß wissen wo Falk steckt « sagte
Rainer nachdenklich.
» Er wird wissen was er tut, egal wo er da draußen
ist. Aber Leichtsinn ist es trotzdem « antwortete Nico.
Die drei saßen noch so lange auf der Treppe, bis ein
Donner durch den Wald rollte.
» Etwa dreißig Kilometer ist die Front noch weg
« sagte Nico wie zu sich selbst.
Rainer stand auf. » Kommt, wir gehen rein und machen
die Schotten dicht. «
Da der Sanitärwagen für den Einsatz im freien Gelände
konstruiert worden war, befanden sich an den Wänden je
vier Lampen, die von außen angebrachten Solarzellen
mit Energie versorgt wurden. Nico wusste, dass diese Lampen
bis zu acht Stunden leuchten konnten, sie würden also
zumindest nicht im Dunkeln hier drin sitzen müssen.
» Wer noch mal pinkeln muss, sollte das jetzt tun «
rief Rainer zu den Jungs, » hier drin ist das heute
Nacht sicher nicht angebracht « und grinste ein bisschen
dabei.
Fast alle verließen noch einmal den Wagen und verstreuten
sich am Waldrand. Das Rauschen in den Bäumen nahm jetzt
deutlich zu, Sand flog auf es donnerte öfter.
Nico und Stefan standen nebeneinander und öffneten ihre
Hosen. Heimlich schielten sie auf ihre Schwänze, bis
sich ihre Blicke trafen. Sie sagten nichts, aber ihre Wünsche
waren in dem Moment die gleichen. Nun vereitelte die Situation
das, was sie jetzt gerne getan hätten.
Stefans Strahl war kräftig und dick, seiner dagegen eher
dünn.
Als sie fertig waren drehte sich Stefan zu ihm hin. »
Warte, ich würde ihn gern einpacken « und schon
griff er nach Nicos Schwanz. Er knetete ihn kurz, dann versuchte
er das Stück in den Slip zu stecken, aber das gelang
ihm nicht mehr. Immer länger wurde Nicos Schwanz unter
der Berührung und begann sich aufzurichten.
» Oh, das geht jetzt wohl nicht.. «
Nico atmete schwer. Er hätte unter normalen Umständen
keine Minute mehr gebraucht um zu kommen. » Lass, ich
mach's selber « sagte er und quälte sein bestes
Stück in die Hose.
Langsam liefen sie zum Wagen zurück, nur Stefan legte
seine Hand auf Nicos Schulter. Die Berührung auf seiner
nackten, heißen Haut ließ ihm einen kleinen Schauer
über den Körper fahren.
» Du, Nico. «
» Ja? «
» Ich denk ich hab mich in dich verliebt. «
Nico blieb stehen und legte seine Hand um Stefans Hals. »
Ich hab mich auch verguckt. «
Die ersten großen und kalten Regentropfen fielen vom
Himmel. Gleich würde die Sintflut einsetzen, dachte Nico.
Hoffentlich hielten die Kuppeln, falls großer Hagel
dabei sein sollte.
Rainer Bode war gerade mit dem zählen der Anwesenden
beschäftigt als sie in den Wagen kamen.
» Komisch, wir waren doch fünfzehn, zusammen mit
mir. Und ich komm nur auf vierzehn. «
Nico zuckte zusammen. » Wird wohl einer länger
brauchen da draußen « sagte er und kehrte auch
schon um auf die Suche zu gehen.
Stefan folgte ihm. » Warte ich komm mit. «
» Nach wem suchen wir eigentlich? « wollte er
wissen.
» Keine Ahnung, aber im Grunde ist es egal. «
Allmählich war das Rauschen des Windes im Einklang mit
dem prasseln des Regens zum Getöse geworden, Blätter
und kleine Äste wirbelten durch die Luft.
» Es ist Erkan! « schrie ihnen Rainer hinterher.
Nico blieb wie angewurzelt stehen. Warum ausgerechnet er?
Wo könnte er sein?
» Erkan! « schrie er gegen den Wind. »
Wo bist du? «
Nichts, nur der Sturm antwortete ihm und es brauchte nur
wenige Minuten, bis die beiden Jungen klatschnass waren.
Nico überkam Panik. Sie mussten zurück wenn sie
sich nicht in Gefahr bringen wollten.
» Verdammt, Erkan. Komm jetzt endlich! «
Irgendwo krachte ein dicker Ast zu Boden und nur einige Hundert
Meter weiter fuhr ein Blitz in den Wald, begleitet von einem
ohrenbetäubenden Knall dem ein langes, dumpfes Grollen
folgte.
Nico bekam Angst. Noch nie in seinem Leben hatte er richtig
Angst gehabt, jetzt war sie da.
Er rief Erkans Name noch ein paar Mal und Stefan unterstütze
ihn.
» Komm, weg hier « rief er Stefan zu und sie
rannten zum Wagen.
Sie brauchten einige Kraft, um die Wagentür gegen den
Sturm ein wenig zu öffnen, dann zwängten sie sich
durch den schmalen Spalt.
Die Jungs lagen auf ihren Schafsäcken und starrten in
den Raum. Nur Peter saß auf der Klobrille in seiner
Kabine. Es war schon verdammt eng, aber jeder konnte wenigstens
seine Füße ausstrecken.
Der Wagen schüttelte sich gelegentlich wenn er von einer
Bö getroffen wurde. Auch hier drin war es laut geworden.
» Was macht der da draußen? « fragte Rainer
mit ängstlicher Stimme.
Nico zog die Schultern hoch. Er ging zu seinem Schlafsack,
nahm ein Handtuch aus dem Rucksack und frottierte sich die
Haare. Er spürte wie ihn Stefan dabei beobachtete.
» Verirrt haben kann er sich ja nicht « sagte
er.
» Nein, nicht wirklich « antwortete Nico, aber
ahnte was Erkan damit bezweckte. Nico haderte mit sich; Erkan
wollte, dass er ihn sucht. Wollte damit den Beweis, dass er
ihm nicht Gleichgültig war. Aber da konnte keiner mehr
raus, auch Nico nicht. Eine Träne rollte seine Wange
herunter und er wandte sich ab.
Ein leiser Aufschrei, als ein Blitz in unmittelbarer Nähe
einschlug. Für einen Moment war der Wagen innen Taghell,
Sekunden später ein scharfer Knall.
Nico ließ sich auf seinen Schlafsack fallen, neben
ihm lag Stefan bereits und starrte ihn an.
» Zwei da draußen – ich möchte nicht
tauschen « sagte er und sein Blick fiel nach oben zum
Dach.
Nico dachte nun doch an eine Verschwörung. Wenn der
Kunststoff nachgab.. er versuchte nicht weiterzudenken.
Das heulen des Windes wurde immer stärker, der Wagen
kam nicht mehr zur Ruhe. Einige Stöße waren so
heftig, dass einige Wasserflaschen auf dem Boden umfielen.
Jetzt schien es, als würden sie selbst in einem Güterzug
sitzen, der mit hoher Geschwindigkeit über marode Gleise
donnerte.
Alle waren so angespannt, dass keine Panik aufkommen konnte.
» Wie lange wird das gehen? « fragte Daniel,
der neben Nico saß.
» Keine Ahnung, aber es kann drei bis vier Stunden
dauern, die Front zieht nicht schnell. «
Nico dachte an Walter. Sollte er ihn nicht doch fragen? Der
könnte ihm sagen wie lange sie das aushalten mussten.
Entschlossen nahm er sein Handy und wollte eine Taste drücken
– „Netzsuche“ las er mit Entsetzen und der
Akku hatte nur noch einen Strich.
Er begann zu resignieren. Er könnte von den Jungs ein
Handy bekommen, aber ohne Netz nutzte ihm auch ein voller
Akku nichts. Er vermutete, dass die nächste Sendestation
vom Blitz getroffen worden war.
Immer dichter wurden die Blitzeinschläge, es donnerte
praktisch an einem Stück und der Regen prasselte laut
auf das Dach. Nico wartete ohne es wirklich zu wollen auf
das erste klicken. Das Geräusch, wenn erste Hagelkörner
auf dem Dach aufschlugen.
Nico schloss die Augen und begann zu beten. Er fragte sich
nicht wann er das zum letzten Mal getan hatte, er tat es einfach.
Um sich, aber Hauptsächlich um alle hier in diesem engen
Gefängnis, der Gewalt der Naturkräfte ausgeliefert.
Da war das klicken, aber es war zu gleichmäßig.
Erschrocken öffnete er die Augen. Eine Stimme? Rief da
jemand? Er sprang auf und ging zu Tür, um sie mit aller
Gewalt gegen den Sturm zu öffnen. Schon ware ihm Stefan
zur Seite und drückten die Tür auf.
Erkan lag auf der Treppe. Er hatte mit seinem Ring an die
Tür geklopft und sein Gesicht war schmerzverzerrt.
» Kommt, helft « schrie Nico und schon waren
Peter, Daniel und Andreas zur Stelle. Sie waren die kräftigsten
und ihnen gelang es, die Tür so weit aufzumachen und
zu halten, bis Nico und Stefan den schlaffen Körper in
den Wagen gezogen hatten.
Völlig durchnässt lag Erkan am Boden und wimmerte.
» Was ist passiert? « fragte Nico.
» Bin gestolpert. Mein Fuß... ah.. «
Nico freute sich so dass Erkan wieder hier war, dass er seinen
Kopf anhob und beinahe wäre er schwach geworden. Wie
sah er auch aus mit den nassen Haaren, von denen einige auf
seiner Stirn klebten? War es nur Regenwasser oder auch Schweiß
der ihn in Perlen auf dem gebräunten Gesicht stand? Auch
so war Erkan immer noch hübsch, fast schön eigentlich.
Inzwischen untersuchte Peter das Bein. » Ist nicht
gebrochen, aber dick wird es sicher und laufen ist erst mal
auch nicht. «
» Hätte schlimmer kommen können « sagte
Nico und fuhr durch Erkans schwarzes Haar. Der nickte nur,
verzog dabei aber das Gesicht vor Schmerzen.
Das rauschen war noch stärker geworden, während
sich die Blitze allmählich verringerten.
Nico und Rainer Bode sahen sich an. Sie wussten beide, dass
es noch nicht vorüber war.
» Das sind dreißig Liter und mehr « sagte
Rainer.
Nico nickte. Eine Menge Wasser auf trockenen Boden, es hatte
immerhin Wochenlang nicht geregnet. Er war froh, dass sie
soweit von dem Fluss entfernt waren.
Eine Bö traf den Wagen mit so großer Wucht, dass
alle aufschrieen.
» Ruhig bleiben « rief Nico, » das ist
nicht gefährlich. « Hätte er doch bloß
an seine eigenen Worte glauben können.
Rainer stieß ihm in die Seite und deutete mit dem Kopf
auf eine der Wasserflaschen die am Boden standen. Und Nico
blieb beinahe das Herz stehen.
Der Wasserspiegel in der Flasche stand schief. Noch konnte
man so nicht sehen dass der Wagen in Schräglage geraten
war und das war gut so. Eine Panik wäre jetzt das Letzte
was hier gebraucht wurde.
Rainer flüsterte ihm ins Ohr. » Meinst du wir
werden unterspült? «
» Weiß nicht. Der Boden war sehr trocken, eigentlich
dürfte nichts passieren. Aber wenn der Regen nicht aufhört..
«
» Gut, aber dann ist vielleicht der Sturm vorbei und
wir können raus. «
» Hoffen wir es. «
In diesem Augenblick krachte es ohrenbetäubend, ein
ächzen und splittern und schließlich schien den
Wagen eine Riesenfaust zu treffen.
Die Kuppeln auf dem Dach splitterten, Aste mit Blättern
stürzten in den Wagen und sofort ergoss sich der Regen
auf die Insassen.
Die Jungs setzten sich auf und zogen ihre Beine an, ein paar
schrieen auf.
» Scheiße « schrie Nico. Ohne es gesehen
zu haben ahnte er, dass ein Baum auf den Wagen gefallen sein
musste. Aber wie konnte das passieren? Hier stand kein Laubbaum
in der Nähe.
Er stürzte zur Tür und versuchte sie zu öffnen,
aber sie bewegte sich keinen Millimeter. Peter und Daniel
halfen ihm zu drücken, aber es war sinnlos.
» Der Baum liegt vor der Tür.. « sagte Peter
resignierend.
Leicht schräg stand der Wagen jetzt. Nico schützte
seine Augen vor dem Regen der nun durch die zerborstenen Kuppeln
in den Wagen prasselte und sah nach oben. Es musste ein großer
Baum sein, seine Äste lagen wie Gitter über ihnen
und ein Durchkommen war scheinbar aussichtslos. Sie waren
gefangen.
Jetzt kam der Hagel. Rasch wurde das Trommeln der Körner
auf den Wagen lauter und einzelne von ihnen fanden ihren Weg
durch das Geäst über den Kuppeln in das Innere des
Wagens.
Die meisten Jungs hatten sich in ihren wasserdichten Schlafsäcken
verkrochen und entkamen so dem Wasser von oben. Zum Glück
gab es zwei Gullys im Boden und so konnte das Regenwasser
ablaufen.
Immer größer schienen die Hagelkörner zu
werden und es wurde fast unerträglich laut.
» Das ist unglaublich. Ich denk ich werd mein Leben
lang davon träumen « sagte Manuel, der aus welchen
Gründen auch immer seit einiger Zeit Nicos Nähe
suchte.
Rainer hatte die drei Jungs eng um sich versammelt und dicht
an dicht lagen sie wie auf einem einzigen Haufen. Rainers
Blick war nun auch verstört.
Es wurde nun kalt in dem Wagen, das Eis aus dem Himmel sorgte
für einen Temperatursturz.
Nico zog sich seine Jacke über, obwohl sie so durchnässt
nicht wirklich warm hielt.
Eine heftige Bö traf den Wagen erneut und danach schien
der Wagen noch schräger zu stehen.
» Der Baum. Er wirft uns noch um « sagte Daniel.
Nico musste ihm zustimmen. Die vielen Blätter boten
einen guten Widerstand und wenn sie Pech hatten, würde
der Wagen umstürzen.
» Ich muss hier raus « rief Manuel plötzlich
und stürmte zur Tür. Nico war sofort bei ihm.
» Die Tür geht nicht auf, setz dich bitte wieder
hin. «
» Nein « schrie Manuel, » ich hab Angst
auf so engem Raum. «
Nico hielt ihn an beiden Armen fest. » Du kommst nicht
raus, seh es doch ein. Und außerdem – das fällt
dir reichlich spät ein. «
» Was hätt ich denn tun sollen? Draußen
bleiben? « sagte er mit tränenertickter Stimme.
In seinen Augen stand das blanke Entsetzen.
Nico klammerte ihn an sich. » Ruhig, ganz ruhig. Es
ist bald vorbei. «
» Bald? Wie lang ist bald? « wimmerte Manuel.
Er riss sich los, stürmte in Peters Klokabine, hangelte
sich gekonnt an der Trennwand hoch , streckte die Arme aus
und bekam an der Kante der einen Kuppel Halt. Wie im Wahn
zog er sich hoch und bevor Nico seine Füße greifen
konnte klammerte sich Manuel an den Ästen fest, die auf
der Dach lagen. Wie eine Katze wand er sich durch das Geäst
nach draußen.
» Manuel, komm da runter!! « Aber Nicos Bitte
ging im Dröhnen des Unwetters unter. Manuel war draußen
und irgendwie war das unmöglich, dachte Nico.
» Was machen wir jetzt? « fragte Peter.
» Den kriegen wir nicht. «
» Oh doch, ich schon. «
Mit diesen Worten sprang Peter an die Trennwand und zog sich
genauso nach oben wie Manuel. Aber er konnte sich nicht durch
die dichten Äste zwängen, dazu war er zu groß.
» Scheiße « fluchte er und schüttelte
sich die Hagelkörner vom Kopf.
Trotz der widrigen Umstände legte Stefan
seine Hände um Nicos Hüfte. Er lehnte seinen Kopf
an seine Schulter.
» Das ist mehr als ein Alptraum. «
Nico fasste seine Hände. » Ja, aber wir werden
aufwachen. Irgendwann. «
Dann hörte der Hagel schlagartig auf, das Geheule des
Windes begann leiser zu werden. Blitz und Donner waren schon
seit geraumer Zeit seltener geworden, und es schien, als hätten
sie das Schlimmste überstanden. Es regnete noch in den
Wagen, aber wesentlich leichter als bisher.
Gespannt lauschten Nico und Rainer nach draußen. Völlig
durchnässt, müde und abgekämpft sahen sie aus,
aber Mut machte sich breit.
Einige der Jungs krochen aus ihren Schlafsäcken und
blickten neugierig. War es das?
» Okay, jetzt sollten wir hier raus « sagte Peter
mit seinem entschlossnen Ton.
» Gut, können wir, aber wie, bitte? « fragte
Daniel.
Peter deutete nach oben zu der hinteren Kuppel. » Durch
die da müssten wir es schaffen. Dort sind die Äste
nicht so dicht. «
Damit hangelte er sich erneut nach oben und begann die Äste
auseinander zureißen. Bärenkräfte waren dazu
nötig, aber Peter brachte sie auf.
»Los jetzt, die Kleinen zuerst. «
Nico wunderte sich einen Moment, dass die sich gegen diese
Bezeichnung noch nie gewehrt hatten.
Andreas nahm Oliver am Arm, stemmte ihn hinauf und Peter
zog ihn zu sich hoch. Kurz darauf waren auch Philipp und Ralf
in Sicherheit.
Nacheinander verließen die Jungs den Wagen durch die
geborstene Kuppel. Schließlich blieben nur noch Nico,
Stefan, Rainer und Erkan zurück.
» Wie kriegen wir ihn hier raus? « fragte Rainer
und deutete auf Erkan, der sie mit noch immer schmerzerfülltem
Blick anstarrte.
» So nicht « war Nicos knappe Antwort.
Doch dann hörten sie Stimmen von draußen, es hörte
sich fast an wie Kommandos. Undefinierbare Geräusche
waren zu hören, ein kratzen an der Außenwand, immer
wieder Rufe dazwischen. Nico legte sein Ohr an die Wand um
besser hören zu können was da vor sich ging, aber
verstehen konnte er trotzdem nichts.
Dann plötzlich schaukelte der Wagen, ein knirschen und
knacken war zu hören.
» Die zerren an dem Baum « sagte Stefan leicht
ungläubig. » Den kriegen die doch nie weg. «
» Abwarten. Da draußen ist eine ganz tolle Truppe,
der traue ich mittlerweile alles zu. «
Motorgeräusche drangen bis zu ihnen vor. Woher sie auch
immer stammten, Nico wusste dass sie es geschafft hatten.
Ein Ruck ging erneut durch den Wagen und die Jungs hielten
sie fest. Plötzlich war Ruhe.
Sekunden später wurde die Tür aufgerissen –
und vor ihnen stand Falk Stein. Durchnässt wie alle anderen
sah er die vier an. Nico wusste sowenig wie seine Freunde
was er sagen sollte.
» Kommt raus, es regnet und stürmt auch noch, aber
das ist auszuhalten. «
Peter ging an ihnen vorbei, harkte Erkan unter und führte
ihn nach draußen. Welche Kraft war hier am Werk...
Stein hatte ein Seil um die Anhängekupplung des Busses
gewickelt und auf diese Art den Baum ein Stück vom Sanitärwagen
zerren können. Nun leuchteten die Scheinwerfer des Autos
in das Areal.
Bis auf zwei Zelte gab es von den anderen keine Spur, der
Anhänger war umgekippt und selbst der Grill samt Gestell
lag am Waldrand und etliche Äste lagen auf dem Platz.
Nico drehte sich um und sah sich den Sanitärwagen an.
Ein Baum, woher auch immer, lehnte auf ihm und seine Blätter
zitterten im Wind.
An einer Stelle hatten sich die Jungs im Kreis versammelt
und starrten auf den Boden. Nico und Stefan liefen zu ihnen
hin.
Manuel lag auf dem Boden neben dem Wagen, über ihn beugte
sich Andreas.
Nico gefror das Blut in den Adern. Manuel lag da auf dem
nassen Waldboden. Sein Gesicht glänzte durch den Regen
und schaute friedlich, gar nicht verzerrt. Eigentlich so,
als würde er schlafen.
Er wollte zu ihm hin, aber Andreas hielt ihn auf. »
Nicht, geh nicht zu ihm, er ist... «
Nico spürte was passiert war, aber er glaubte es nicht.
» Was ist mit ihm? Ist er verletzt? «
Andreas versuchte seine Tränen zu unterdrücken.
» Nico, er lebt nicht mehr. «
Nico lächelte. » Was sagst du? « fragte
er leise.
» Er hat sich das Genick gebrochen. Ist wohl von da
oben runtergestürzt. «
» Woher willst du wissen... ? « Nico wollte es
nicht begreifen.
» Ich bin Sanitäter. Glaub mir, da ist nichts
mehr zu machen. «
Nico rollten die Tränen über das Gesicht. Manuel.
Dieser Junge, der sich so um seinen Bruder sorgte, der ihm
trotz allen Querelen ans Herz gewachsen war. Das konnte nicht
sein.
Falk Stein kam zu ihnen und kniete sich neben Manuels leblosen
Körper. Nach wenigen Minuten senkte er den Kopf.
Stefan umarmte Nico und drückte ihn. » Wir haben
es überstanden. «
» Ja, haben wir, aber um welchen Preis? «
» Du kannst es nicht rückgängig machen. «
» Aber es hätte gar nicht erst passieren müssen.
Dieser Stein ist... «
» Wo waren Sie? « fragte er ihn laut.
Stein stand langsam auf. » Ich habe mich auf den Weg
zu den anderen gemacht nach meinem Anruf. Ich wollte sie dort
herausholen, aber ich konnte niemanden finden; irgendwie sind
wir aneinander vorbeigelaufen. Als das Unwetter kam, hab ich
mich im dichten Wald verkrochen, den sichersten Ort den es
gibt. «
Nico kochte. » Wenn Sie gleich auf mich gehört
hätten, dann... «
» Nein, niemand hat Schuld « unterbrach ihn Rainer.
Nicos Trauer um Manuel verdrängte die Schuldzuweisungen,
dennoch fühlte er sich wie in Trance.
Falk Stein holte einen Schlafsack aus dem Wagen und legte
ihn über Manuel.
Licht bahnte sich den Weg durch den Wald.
Leo Meier fuhr vor, sein Bus sah ziemlich ramponiert aus,
eine Seite war fast eingedrückt.
» Ein Baum ist mir in die Quere gekommen « sagte
er, nachdem er ausgestiegen war. » Ich musste die ganze
Zeit auf der Landstraße warten bis mir jemand half den
Baum wegzuziehen. «
Sofort kümmerte sich Leo Meier um Erkan. » Ein
Krankenwagen ist unterwegs, mach dir keine Sorgen «
beruhigte er ihn.
» So, los, weg hier. Alles in die Busse, von mir aus
übereinander « rief Stein.
» Und wer bleibt bei Erkan und Manuel? « fragte
Nico.
» Ich « antwortete Stein, » Ich warte auf
die Sanitäter, und Herr Bode sowie Herr Meier werden
die Busse fahren . «
» Ich werde nicht mitfahren bis man die beiden hier
abholt « sagte Nico entschlossen.
Stefan trat neben Nico. » Und ich auch nicht. «
Auf einmal standen alle Jungs bei ihnen.
» Nico, wir haben dir viel zu verdanken. « Peter
streckte seine Hand nach ihm aus. Und jeder der Jungs gab
ihm die Hand, einige mit Tränen in den Augen. Die stammten
nicht vom Abschiedsschmerz, vielmehr aus Dankbarkeit dass
sie diese Nacht überstanden hatten.
Daniel, Andreas, Jochen, Gerd, Alexander, Lucas, Oliver,
Philipp und Ralf. Niemals, so dachte Nico, würde er ihre
Gesichter jemals vergessen.
» So, Jungs, ab in die Busse « rief Stein.
Inzwischen hatte der Regen aufgehört, Nico und Stefan
hockten sich neben Manuel auf den Boden, Erkan lag etwas abseits
auf seinem Schlafsack und dämmerte vor sich hin.
» Manuel. So ein lieber Kerl « schluchzte Stefan
leise, » warum ist er nicht einfach bei uns geblieben?
«
» Er hatte Angst, so wie jeder von uns. Aber er ist
nicht mit ihr klar gekommen. « Nico spürte erneut
Tränen in seinen Augen.
Stefan nahm ihn in den Arm. » Wir können es nicht
mehr ändern. Aber wir sollten auch an uns denken. «
» Ja « flüsterte Nico traurig, » das
sollten wir. «
Stumm saßen sie anschließend da und die ganzen
Erlebnisse zogen noch einmal an ihnen vorbei.
Durch Ortskundige Sanitäter traf eine halbe Stunde später
der Krankenwagen ein. Stein erklärte ihnen den Hergang
und der Notarzt mobilisierte sofort die Sanitäter. Eilig
rannte er zu Manuel.
Schnell hatten die Sanitäter Erkan in ihr Fahrzeug gebracht
und Nico stieg mit ein. Er hielt Erkans Hand und der drückte
fest zu.
» He ihr beiden, ich wünsch euch viel Glück.
«
» Erkan, ich... «
» Sag nichts, ich seh doch wie verliebt ihr seid. Macht
was draus, ich werd schon was passendes finden. « Dabei
lief ihm eine Träne über die Wange.
» He, du geiler Türke « sagte Stefan, der
ebenfalls in das Auto gekommen war. » Du bist ein richtig
guter Freund. Wir würden uns freuen wenn wir dich mal
wiedersehen würden. «
Erkan grinste und Nico verschlug es fast die Sprache.
» Klar, warum nicht? Vielleicht können wir das
hier ja wiederholen – unter günstigeren Bedingungen
natürlich.. «
Sie mussten den Rettungswagen verlassen und der Notarzt kam
auf sie zu.
Er deutete zu Manuel. » Tut mir leid, aber da muss
der Staatsanwalt her. Wir können nichts mehr machen,
fahrt nach Hause. «
» Wie kommen wir zurück? « wollte Nico von
Falk Stein wissen.
» Leo liefert seine Jungs an der Hütte ab, er
müsste in einer halben Stunde wieder hier sein und uns
abholen. «
Sie verbrachten die Zeit mit Schweigen, ihre Gesichter hellten
sich erst auf als Leo dann tatsächlich den Wald herauffuhr.
Auf der Fahrt zur Hütte brach Nico in richtige Tränen
aus. Stefan nahm ihn in den Arm.
» Komm, Nico, wir werden das zusammen hinkriegen. «
Nico nickte dankbar und gab Stefan einen Kuss auf die Wange.
» Okay, das werden wir. Zusammen. «
Stein sah zum Fenster hinaus. Er ahnte, dass man ihm diesen
Posten entziehen würde, aber das, was die Jungs an Zusammenhalt
und Kameradschaft hier gelernt hatten, das nahm ihnen niemand
mehr.
-Ende-
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