+++ Das Boycamp Teil 2 +++

By : Dario © - Source : Darios Storyboard ®

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Nico versuchte aus der Frage schlau zu werden. » Wie meinst du das denn? «

Manuel hängte sich sein Hemd um die Schulter und starrte ihn an.

» So wie ich es fragte. «

» Äh, und dann? «

Manuel starrte weiter. » Was und dann? «

» Ja, wenn da welche drunter wären, mein ich? «

» Das wär nicht gut. Ich kann solche Typen nicht leiden. «

In Nico brach etwas zusammen, was er gar nicht richtig deuten konnte.

» Aha. Und warum nicht? « Er wusste, dass diese Frage Probleme aufwerfen würde, aber er merkte es erst nachdem er sie gestellt hatte.

» Mann, gehörst du auch zu der Sorte? Die sind das Letzte. «

Nico begab sich aufs Glatteis. Abhauen – das konnte er immer noch. Und außerdem würde er all die Jungs hier nie wieder sehen. Er gestand sich ein, Gefallen an Manuel gefunden zu haben und nun würde es eben nichts mit einer Freundschaft.

» Und warum sind sie das? « fragte er deswegen provokant.

Manuel sagte nichts mehr. Er winkte abweisend und ließ Nico stehen.

Gerade als Nico die Leiter hochsteigen wollte, kamen ihm zwei Füße entgegen, jemand war im absteigen begriffen. Es war einer der Boys, die ihm auch positiv aufgefallen waren und in den engen Shorts zeichnete sich ein schöner Hintern ab. Notgedrungen machte er dem Jungen Platz.

» Wo geht’s denn hier zur Waschmöglichkeit? « fragte dieser, nachdem er neben ihm stand.

Nico suchte nach Worten. » Äh, da, hinter dem Haus. Aber ich kann’s dir auch zeigen. «

» Ja, dann mach mal, die machen Stress wenn wir nicht um zehn in der Falle liegen. «

Nico ging voraus, der Junge mit seinem großen Badetuch um die Schultern hinterher.

» Da ist es. Aber paß auf, das Wasser ist schweinekalt. «

Der Junge grinste. » Macht nichts, ich komm vom Land, da ist man sowas schon mal gewöhnt. «

Er hatte eine schöne Stimme und auch sonst passte da alles zusammen. Nico ertappte sich dabei, ihm zuzusehen wie er sein Hemd auszog.

Und dann harrte der Junge in seinem Tun. » Sag mal, ist was? «

Nico wurde unsicher. Er hatte das ja nicht gewollt, es war wie ein Zwang. » Äh, nö, im Gegenteil. «

Der Junge begann sich zu waschen. » Dann ist ja gut. «

Nico drehte sich um und zog es vor zu verschwinden. Er hatte keine Lust, sich noch einmal als Schwuler schimpfen zu lassen. Er würde sich ab jetzt noch mehr zurückhalten als sonst.

*

Es war zu heiß auf dem Dachboden um in den Schlafsack zu schlüpfen und nun lag Nico, bekleidet mit einer kurzen Schlafanzughose, auf diesem.

Vor Manuel hatte er nun irgendwie Respekt, obwohl er kein Angsthase war. Aber wer lag eigentlich links von ihm? Er konnte es nicht sehen, nur ein zusammengeknüllter Schlafsack, in dem jemand stecken musste.

Irgendwer schnarchte wohl schon, einige Jungs unterhielten sich leise – bis plötzlich eine Stimme den Raum erfüllte.

» Meine Herren, Nachtruhe. «

Mehr sagte Falk Stein nicht. Nico rätselte, wie der Mann so lautlos die Leiter heraufsteigen konnte.

Stein blickte in die Runde und dann ging das Licht aus und nur eine kleine, schwache Lampe brannte noch am Ausgang wo die Leiter stand, und Falk Stein verschwand auf dieser nach unten.

Nachdem sich Nicos Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten setzte er sich auf. Wie zu erwarten war, begann kurz darauf leises Gewisper, rascheln der Schlafsäcke und weiter hinten leuchtete erst ein Feuerzeug, dann das Glimmen einer Zigarette auf.

» Spinnst du? Willst du uns hier oben abfackeln? «

» Quatsch, ich paß schon auf. Ich brauch die gegen den Stress hier. «

Nico konnte nicht erkennen wer den leisen Disput führte, aber er überlegte, ob er sich dem Raucher nicht anschließen sollte.

» Ich könnt jetzt auch eine brauchen « hörte er seinen linken Nachbarn plötzlich flüstern.

» Na komm, dann lass es uns tun. Wenn sie uns erwischen schmeißen sie uns raus und schon sind wir weg aus dieser Scheiße hier « flüsterte er zurück.

Der ihm noch Unbekannte setzte sich ebenfalls auf und reichte Nico die Hand.

» Erkan Yüslüm. «

Nico stutze. Das war der Türke, der ihm nur am Rande aufgefallen war. » Nico Hartmann. Na dann komm, lass uns sündigen. «

Er kramte in seiner Tasche nach der Schachtel. » Aber ich denke wir sollten trotzdem aufpassen. Vielleicht schicken sie uns dann gar nicht heim und wir müssen Strafarbeit leisten. «

Als sein Feuerzeug aufleuchtete konnte er zum ersten Mal das Gesicht seines Nachbarn richtig erkennen. Ihm stockte fast der Atem. Es war der einzige Ausländer in dem Camp, aber sein Gesicht war unbeschreiblich hübsch. Halblange, rabenschwarze Haare, ein feuriges Funkeln in den Augen im Lichtschein des Feuerzeugs und ein ebenmäßiges Gesicht, untermalt von blendend weißen Zähnen. Nico begann zu zittern als er Erkan das Feuer gab.

» Muss das sein? « maulte ein Junge zwei Plätze weiter.

» Yep, es muss, sonst würden wir es ja nicht tun « gab Nico genervt zurück.

Grummelnd drehte sich der Junge auf die Seite.

» Komm, wir legen den Schlafsack drüber, dann stört es niemand « flüsterte Erkan.

Nico rückte ein Stück weiter zu ihm und sie schlugen seinen Schlafsack über sich. Jetzt war er dem Jungen ganz nah und diese Nähe beflügelte ihn. Er hatte eh nie etwas gegen Ausländer gehabt und Erkan war ja zudem überaus hübsch.

Sie bliesen den Rauch am Kopfende aus dem Schlafsack.

» Wie kommst du hierher? « wollte Nico wissen.

» Ach, ich bin selber Schuld. Mein Vater bekam einen Brief und da war von diesem Camp die Rede. Er fragte mich, ob das nichts für mich wäre und ich hab spontan ja gesagt. Naja, nun bin ich hier. «

» Du sprichst gut Deutsch. Wohl hier geboren? «

Erkan grinste. » Ja, seit meinen 18 Jahren. «

Nico war nicht der Typ, der gleich mit jedem gut Freund sein konnte. Er brauchte lange, bis er Vertrauen gewann, aber diesmal nicht. Er spürte sofort dass Erkan ein Mensch war, mit dem er auskommen würde.

» Und du, wie alt bist du? « fragte Erkan.

» Ich bin 16. Nicht mehr lange zwar, aber ich bin’s noch. «

» Und wo kommst du her? «

» Aus Frankfurt. «

» Nee, ehrlich? Ich komm aus Wiesbaden. «

» Na bitte, Nachbarn « lächelte Nico.

Nachdem sie ihre Kippen sorgfältig auf einer blanken Stelle des Bodens ausgedrückt hatten rückte Nico wieder auf seinen Platz.

Sein rechter Nachbar meldete sich verschlafen. » Sag mal, könnt ihr Tucken Nachts nicht gescheit schlafen? Es geht mir echt auf den Wecker mit der Unruhe hier. «

Nico regte sich nicht auf. Irgendwie verständlich dass sich Manuel beschwerte. Nur das Wort Tucken störte ihn, aber er wehrte sich nicht.

Er lag auf seinem Schlafsack und schielte immer wieder zu Erkan hinüber. Auch der lag jetzt nicht mehr zugedeckt auf dem Rücken und hatte seinen Kopf auf die verschränkten Arme gelegt. Schemenhaft war seine Boxershort zu erkennen, die sich durch ihre helle Farbe deutlich von der dunkelbraunen Haut abhob.

Nico richtete sich auf, auch wenn Gefahr bestand von Manuel wieder angemotzt zu werden.

» Kannst auch nicht schlafen, wie? «

» Wie auch? Ich muss dauernd an zu Hause denken. Meine Mutter, meinen Vater, meine Geschwister. «

Nico rückte noch näher.

» Magst sie wohl sehr. Wieviele hast du denn? «

» Zwei Brüder und zwei Schwestern. Und du? «

» Ich bin Einzelkind. « Nico sagte das etwas traurig, denn er konnte sich schon immer vorstellen auch Geschwister zu haben.

» IST-JETZT-VIELLEICHT- BALD-RUHE-HIER-OBEN? «

Von wem das kam war nicht zu überhören. Allerdings war Manuels ziemlich laute Frage nicht nur an seine unmittelbaren Nachbarn gerichtet, auf dem ganzen Dachboden herrschte immer mehr Unterhaltung und Gelächter.

» Komm, wir kriechen unter meinen Schafsack, da können wir uns noch ein bisschen unterhalten. «

Als Nico erneut zu Erkan krabbelte, fühlte er es wieder. Hingezogen zu dem hübschen Nachbarn war seine Müdigkeit wie weggeflogen und gerne folgte er dem Angebot. Wieder war er diesem Körper mehr als nah.

» Was glaubst du, wie alt dieser Stein ist? « fragte Erkan.

» Schwer zu sagen, aber ich schätze ihn Anfang Dreißig. «

» Ja, kann hinkommen. Aber er hat ne gute Figur. «

Sie redeten und redeten. Nico hörte seinem Nachbarn gerne zu, aber der ihm ebenso.

Schule, Eltern, Freunde. Nico erfuhr, dass Erkans Freundin in der Türkei lebte und er irgendwann wolle er sie zu sich holen. Nach der Lehre oder so. Er hatte sie schon zwei Jahre nicht gesehen weil sein Vater arbeitslos war und es deswegen kein Geld für eine Reise gab.
Nico rückte unwillkürlich ein Stück von Erkan ab, als er das hörte. Natürlich war es Blödsinn zu glauben, dass Erkan etwas von ihm wollen könnte. Aber er wollte trotzdem wissen, welche Ansichten er hatte.

» Der neben mir, der Manuel, glaubt, dass hier ein paar Schwule dabei sein könnten. Glaubst du das auch? «

Erkan sah ihn an. » Warum sollten keine dabei sein? «

» Und das würde dich nicht stören? «

Erkan lächelte. » Nö. Hab ein paar Schulfreunde, die sind auch schwul und wir kommen prima klar miteinander. «

Nico atmete auf. Wie auch immer, in Erkan hatte er einen Begleiter gefunden, der ihn – vielleicht – verstehen würde.

Irgendwann wurden sie dann doch müde.

» Ich glaub, wir sollten jetzt schlafen, sonst können wir uns das ganz sparen « flüsterte Erkan irgendwann in dieser Nacht.

» Ja, denk ich auch. «

Nico wollte gerade auf seinen Platz, als ihn Erkan am Arm aufhielt. » Nico? «

» Ja? «

» Ich mag dich. «

Nico grinste. » Hm, ich dich auch. «

Ehe er sich versah, drückte ihm Erkan einen leichten Kuss auf die Stirn.

Das war eine neue Erfahrung für ihn. So neu, dass ihm beinahe das Blut in den Adern stockte. Verwirrt sah er Erkan an.

» Gut Nacht « flüsterte Nico mit einem leichten Zittern in der Stimme. Es fiel ihm schwer sich jetzt von ihm zu trennen.

» Nacht. «

Er kroch unter dem Schlafsack hervor und legte sich so leise wie es möglich war auf seinen. Manuel atmete leicht und gleichmäßig, er schlief.

Nico brachte kein Auge zu. Ein Junge hatte ihm einen Kuss gegeben. Den ersten, den er überhaupt je bekommen hatte. Und das, obwohl Erkan doch eine Freundin hatte und er Moslem war – und soviel er wusste durften die gar nicht schwul sein. Seine Gefühle kam in Wallung, die Gedanken stürzten wild durcheinander. Dass ihn Jungs in letzter Zeit mehr beschäftigten als Mädchen, das war ihm ja selbst aufgefallen. Und nun hatte er die erste Berührung mit diesem Gefühl. Es war überwältigend. Und schön. Und Erkan? Kein Zweifel, dieser Junge hatte es ihm in kürzester Zeit angetan. Dann fiel ihm ein, dass sich die Männer im Süden Europas oft umarmten und auch ein Küsschen unter ihnen hat er schon oft beobachtet. Ein Freundschaftskuss war das also, oder zumindest etwas ähnliches.

„...aber er hat ne gute Figur“. Würde ein Junge so etwas eigentlich sagen, wenn er nicht schwul war?

Unruhig schlief er ein.

Obwohl er nur wenige Stunden Schlaf zur Verfügung hatte, wachte er um halb Sechs auf. Ein paar der Jungs schnarchte, sonst war es still auf dem Dachboden.

Leise stand Nico auf und schlich in dem ersten Licht, das durch die Dachluke fiel, zur Toilette.
Wider Erwarten war sie geräumig und sehr sauber. Ein winziges Waschbecken an der Wand und drei Kabinen. Er nahm die erste und setzte sich auf den Klo; die Nacht zog noch einmal an ihm vorüber. Und nun regten sich seine Gefühle. Seit drei Tagen hatte er keinen Orgasmus gehabt, zu viel Aufregung. Jetzt sah er die Gelegenheit gekommen. Er hatte genügend Zeit und langsam massierte er seinen Schwanz.

Die Tür ging leise auf und Nico hielt sofort inne, er lauschte den Dingen vor seiner Kabine.

» Komm hier rein « hörte er eine ganz leise Stimme. Sie war ihm unbekannt. Dann schloss sich die Tür neben ihm und sofort begann ein leichtes Stöhnen, anscheinend hatten die beiden nicht bemerkt dass da schon jemand war.
Er hörte leise, flüsternde Worte, die sich aber ganz offensichtlich auf ein spezielles Thema bezogen – die beiden trieben es. Nicos Gefühle wurden dadurch wieder angestachelt und er setzte seine Massage fort.

Ein gurgelnder Laut und lautes Atmen sagten ihm, dass einer der beiden wohl grade einen Orgasmus hatte.
Er spürte schon den Druck im Unterleib, doch bevor er ihn loswerden konnte ging die Tür erneut auf – und er hörte Stimmen von draußen. Er hatte nicht bemerkt wie schnell die Zeit vergangen war, es war Sechs Uhr. Man hatte die Meute anscheinend geweckt.
Schnell verflog seine Lust und er drückte den Spüler. Nebenan war genauso plötzlich Ruhe, während immer mehr Jungs in die Toilette kamen.

Jemand klopfte an seine Kabinentür. » He, ich steh hier schon fünf Minuten, bist du bald fertig? «

Nicos Herz klopfte. Nicht wegen ihm, sondern wegen den beiden in der Kabine nebenan. Was passieren würde wenn man die beiden da drin fand war auszudenken.

» Gleich, ich hab Durchfall « rief Nico.

» Das nenn ich schöne Scheiße « kam es von draußen.

Jetzt hatten 15 Jungs nur eine Kabine zur Verfügung und das würde sogleich ziemlich viel Ärger bedeuten. Trotzdem harrte er aus. Wie konnte er den beiden helfen?

Langsam braute sich ein Tumult zusammen. » He, macht dass ihr rauskommt, andere müssen auch mal! «

Nico stellte fest, dass er den beiden nicht helfen konnte und schloss die Tür auf.

» Na endlich, wird langsam Zeit « sagte der Typ an der Tür und stürzte an Nico vorbei hinein.

Er konnte sich vorstellen, dass die beiden in der Kabine nebenan einem Herzinfarkt nahe waren.

Nico hatte kaum einen Blick für die vielen Bodys um ihn herum, die meisten hatten Shorts und Trägerhemden, einige T-Shirts an. Und eine Handvoll trug gar kein Hemd und nur einen ziemlich knappen Slip.

» Geht doch in den Wald wenn es so dringend ist « sagte Nico plötzlich. Nachgedacht hatte er darüber nicht, es war ihm einfach entwischt.

» Prima Idee « hörte Nico jemand sagen und plötzlich war der Raum leer.

Er klopfte an die Kabinentür. » Ihr könnt rauskommen, es ist niemand mehr da. «

Das Schloss ging vorsichtig auf und ein Kopf lugte durch die Tür.

» Wirklich? «

» Wenn ich es doch sage. «

Verschämt kamen die beiden aus der Kabine. » Wir müssen uns bei dir bedanken « sagte der eine. Blond, groß, etwas hager und blass, aber ein durchaus sehenswertes Geschöpf. Der andere war etwas kleiner, braune verwuschelte Haare und nicht minder im Aussehen.

» Gerd « sagte der Große und hielt Nico die Hand hin.

» Jochen « der andere.

» Ich bin Nico. «

» Du hast mitgekriegt... ? «

Nico grinste. » Klar, hab ich. Ihr habt ja nicht bemerkt dass ich nebenan war. «

Die beiden liefen rot an.

» Äh, das ist, das war.. « stotterte Gerd.

» Macht doch nichts. Im Grunde war ich... bin ich.. naja, ein bisschen neidisch. « Jetzt wurde auch er rot.

» Ehrlich? «

Nico zuckte nur mit den Schultern.

Sie gingen zurück in den Schlafsaal. Ein paar der Jungs hockten auf ihren Schlafsäcken und starrten vor sich hin, drei saßen zusammen und unterhielten sich. Der Rest war offensichtlich unten bei der Körperpflege.

» Kommt, wir gehen uns waschen « meinte Jochen.

Sie nahmen ihre Waschbeutel und Handtücher und stiegen die Leiter nach unten. Schon am Haus hörten sie das Grölen der Truppe.

Etwas unsicher gingen sie zu dem Brunnen, um den einiges los war.

Zuerst fing Nico Manuels Blick auf. Sie sahen sich an und Nico fürchtete sich vor einer Attacke, auch wenn sie nur verbal sein würde. Aber Manuel sagte nichts, nahm sein Handtuch und ging wortlos an ihm vorbei.

Sie gingen zu dem Brunnen und Nicos Körper überzog sich mit einer Gänsehaut als er mit dem Wasser in Berührung kam. Zum Glück war es Hochsommer und auch hier im Wald schon angenehm warm.

Erkan stand plötzlich neben ihm.

» Und, wie hast du geschlafen? « wollte er wissen.

Nico sah sich den Jungen an. Ein durchtrainierter Körper, stellte er fest. Gleichmäßig braun und schmale Hüften. Viel hatte er von ihm ja nicht sehen können letzte Nacht.

» Es ging. «

» Also nicht gut? «

Sie standen dicht beieinander und man konnte ihr Gespräch nicht hören.

» Dein Kuss heute Nacht... «

Erkan lächelte. » Der hat dich nervös gemacht, wie? «

» Ja klar. Bin’s halt nicht gewohnt. «

» Das ist bei uns aber so Sitte. «

» Ja, ich weiß. Aber... «

» Ich tu’s nie wieder, okay? «

» Nein Erkan, das ist es nicht. «

» Was dann? «

Nico strauchelte, aber sein Gedanke an Flucht war noch nicht verblasst. Es würde egal sein.

» Erkan, ich mag dich. Nicht nur so... «

Er erntete erst einen ungläubigen Blick, dann ein Lächeln.

» Du bist schwul, oder? «

Nico wurde unsicher. » Ich hoffe das stört dich nicht.. « sagte er verlegen.

Erkan legte eine Hand auf seine Schulter. » Hab ich dir heute Nacht doch schon erklärt. Es stört mich wirklich nicht. Komm, lass und raufgehen. «

Nachdenklich lief Nico hinter Erkan her, wobei er dessen stolzen Gang beobachten konnte. Und auch den Hintern in den engen Shorts. Schade dass Erkan nicht auf Jungs steht, dachte er.

Kaum waren alle wieder oben versammelt, erschien Rainer Bode an der Leiter.

» So, runterkommen zum Frühstück « rief er.

» Möchte wissen was das für ein Frühstück sein wird. Das kann doch gar nichts werden. Mann, wär ich bloß zu Hause geblieben « murmelte Erkan.

Vor der Hütte standen Reihen von Bänken und Tischen, die gestern Abend hier noch nicht waren und beim Anblick dessen was da aufgetischt war, entwischte so manchem der Jungs ein Pfiff.
Es schien auf den ersten Blick nichts zu fehlen. Kaffee, Tee, Kakao, Orangensaft, Brötchen, Brot, Eier, Marmelade, Käse, Wurst und Corn Flakes nebst Müsli und Milch.

Vor diesem Panorama hatte sich Falk Stein aufgebaut.

» Guten Morgen Jungs « rief er.

Ein ziemlich müdes und unkoordiniertes » Guten Morgen « ließ den Mann lächeln.

» Das war ja nun wohl nix. Also, noch mal: GUTEN-MORGEN-JUNGS! «

» GUTEN MORGEN HERR STEIN! « kam es dann fast gleichzeitig und schallte durch den Wald.

» Na seht ihr, geht doch. Ok, dann wünschen wir euch guten Appetit und ihr habt eine knappe Stunde Zeit dafür. «

Er trat beiseite und deutete mit der Hand dass sich die Jungs setzen sollten, was auch sofort geschah.

» Das ist jetzt aber ne Überraschung « sagte Erkan, der sich neben Nico gesetzt hatte.

Gespräche fanden kaum statt, jeder stopfte in sich hinein was er greifen konnte.

»Und, immer noch Fluchgedanken? « sagte Manuel, der Nico überflüssigerweise gegenübersaß.

»Im Moment hab ich die zurückgestellt « antwortete er, zwang sich dabei nicht freundlich zu klingen. Denn Manuel war nun mal sehr hübsch aber sein Verhalten passte einfach nicht zu ihm.

Satt knüllte Nico seine Serviette auf den Teller. Sein Blick ging nach oben in die hohen Baumkronen der Buchen, durch die der dunkelblaue Himmel zu sehen war, Vögel zwitscherten und nichts erinnerte im Moment daran, wo sie waren. Es war der erste Moment, wo es ihm hier gefiel. Und sein Blick fiel auch auf Erkan. Verstohlen sah er zwischen seine Beine.

» Du, ich... «

Manuels Blick ließ ihn stocken. Warum war dieser Junge nur so negativ eingestellt?

Zigarettenrauch stieg auf.

Stein, Bode und dieser Leo saßen an einem Extratisch und sahen immer mal wieder herüber – und da, Leo qualmte auch.

Sofort nestelte Nico seine Schachtel aus der Tasche und hielt sie Erkan hin. » Komm schon, die rauchen auch. «

Erkan fischte sich eine Zigarette aus der Schachtel und Nico gab ihm Feuer. Ansonsten schwiegen sie.
Nico konnte den Kuss nicht vergessen und jetzt, wo er neben Erkan saß, wurde alles nur noch schlimmer. Immer wieder sahen er und Manuel sich an, aber der schwieg einfach nur. Nico hatte Mühe sich von diesem Blick abzuwenden. Diese blauen Augen und dieses schöne Gesicht.

Er konnte es nicht lassen. » Sag mal, du bist doch ganz anständig, aber warum so verbittert? Es geht mich wirklich nichts an, aber all das passt nicht zu dir. «

Manuel starrte ihn an. Nico erwartete jetzt die übliche Standpauke, in der es um nichts als „in Ruhe lassen“ gehen würde, aber Manuels Blick wurde plötzlich nachdenklich.

» Ich möchte nicht darüber reden, okay? « sagte der stattdessen nur. Aber seine Stimme verriet ihn. Da war mehr als nur eine Abneigung, da waren Gefühle mit im Spiel, das spürte Nico ganz deutlich. Hinter dieser harten Schale lag ein weicher Kern. Und er hatte das von Anfang an gespürt.

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